Thrombektomie ▷ Ablauf, Dauer und Risiken

Mechanische Thrombektomie mit einem Stent-Retriever (Foto: Medtronic GmbH)
In diesem Artikel:
- Das Wichtigste in Kürze
- Was ist eine Thrombektomie?
- Ablauf
- Dauer
- Risiken
- Thrombektomie in Deutschland
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Unter Thrombektomie versteht man die Entfernung eines als Thrombus bezeichneten Blutgerinnsels aus einem Blutgefäß mithilfe eines Katheters.
Diese seit nahezu 10 Jahren in Deutschland zugelassene Therapie hat zu einer erheblichen Verbesserung und Effektivität der Schlaganfallbehandlung geführt.
Bei der Behandlung des akuten Schlaganfalls wird die Thrombektomie möglichst früh nach dem Prinzip “Zeit ist Hirn” in einem Zeitfenster bis zu 24 Stunden von einer Neuroradiologin oder einem Neuroradiologen durchgeführt.
Die Thrombektomie wird derzeit überwiegend in Zentren zur Schlaganfallversorgung, den überregionalen Stroke Units, durchgeführt.
Der gesamte Eingriff dauert etwa 60 Minuten. In den ersten 4 1/2 Stunden nach einem Schlaganfall kann die Thrombektomie mit der medikamentösen Auflösung des Blutgerinnsels kombiniert werden.
Im Rahmen der Lyse-Therapie kann es in 3 bis 8 Prozent zur Einblutung in das minderdurchblutete Hirngewebe kommen. In den meisten Fällen führt das jedoch nicht zur Verschlechterung der neurologischen Symptome.
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Was ist eine Thrombektomie?
Die Thrombektomie ist die Entfernung eines als Thrombus bezeichneten Blutgerinnsels aus einem Blutgefäß mithilfe eines Katheters.
Bei dem verstopften Blutgefäß handelt es sich meist um eine Arterie. Seltener wird ein Blutgerinnsel mittels Thrombektomie aus einer Vene entfernt.
Wie unterscheiden sich Arterien von Venen?
Arterien sind Blutgefäße, die vom Herzen wegführen.
Sie versorgen die Organe im Körperkreislauf mit sauerstoffreichem Blut.
Im Lungenkreislauf führen sie hingegen sauerstoffarmes Blut. Dieses gibt in den Lungen Kohlendioxid ab und nimmt wieder Sauerstoff auf. Das mit Sauerstoff beladene Blut wird dann zurück zum Herzen transportiert.
Die Lungenarterien sind somit die einzigen Arterien, die sauerstoffarmes Blut führen.
Venen sind die Blutgefäße, die das sauerstoffarme Blut aus dem Körper zum Herzen zurückführen. Die Lungenvenen sind die einzigen Venen, die sauerstoffreiches Blut führen.
Der Lungenkreislauf wird auch als kleiner Kreislauf bezeichnet, der Körperkreislauf als großer Kreislauf.
Die mechanische Thrombektomie wird beim Schlaganfall seit einigen Jahren zunehmend häufiger und in Deutschland flächendeckend angewandt.
Man bezeichnet sie auch als “Revolution der Schlaganfalltherapie”. Denn die Thrombektomie gilt als bahnbrechende Methode, mit der es häufig gelingt, das verstopfende Blutgerinnsel aus einer Hirnarterie im Inneren des Schädels zu entfernen und die Durchblutung wiederherzustellen.
Nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) werden rund 80 Prozent aller Schlaganfälle durch ein Blutgerinnsel verursacht. Dieses stammt häufig aus dem Herzen bei Vorhofflimmern oder aus einer hirnzuführenden Arterie im Halsbereich.
Der Eingriff zur mechanischen Entfernung eines Blutgerinnsels wird auch erfolgreich beim Herzinfarkt durch Verstopfung einer Herzkranzarterie, der sogenannten Koronararterie, angewandt.
Ablauf: Wie wird eine Thrombektomie durchgeführt?
Bei der Behandlung des akuten Schlaganfalls wird die Thrombektomie möglichst früh nach dem Prinzip “Zeit ist Hirn” in einem Zeitfenster bis zu 24 Stunden durchgeführt.
Wer führt die Thrombektomie durch?
Der Eingriff erfolgt meist durch sogenannte interventionelle Neuroradiologen. Ärztinnen und Ärzte der Neuroradiologie haben sich auf bildgebende Verfahren zur Untersuchung des zentralen Nervensystems spezialisiert.
Neben diagnostischen Untersuchungen führen sie häufig auch therapeutische Eingriffe durch, beispielsweise:
- Erweiterung von verengten Blutgefäßen
- Wiedereröffnung von Gefäßverschlüssen, beispielsweise durch die mechanische Thrombektomie
- Verschluss von Gefäßmißbildungen
Die behandelte Person befindet sich während der Thrombusentfernung unter Narkose.
Ein Katheter, der sogenannte Führungskatheter, wird von der Leistenarterie unter Röntgensicht bis zur verstopften Hirnarterie vorgeschoben. Durch Einspritzen eines Röntgen-Kontrastmittels kann dann der Gefäßverschluss bildgebend dargestellt werden.
Über den Führungskatheter wird ein zweiter, sehr dünner Mikrokatheter in das Blutgerinnsel geschoben. Er besitzt einen sogenannten Stent-Retriever, ein Geflecht aus feinstem Maschendraht.
Das Drahtgeflecht entfaltet sich, dehnt sich bis zur Gefäßwand aus und schließt das Blutgerinnsel ein. Anschließend wird der Retriever mit dem Gerinnsel zurückgezogen. Durch ein anderes Vorgehen wird das Blutgerinnsel abgesaugt.
Bei Erfolg wird der Blutfluss in der Hirnarterie wiederhergestellt und somit der unterversorgte Hirnbereich wieder durchblutet.

Vereinfachte Darstellung der Entfernung eines Blutgerinnsels mittels mechanischer Thrombektomie. Hierzu wird ein spezieller Mikrokatheter in das betroffene Blutgefäß eingeführt und durch diesen ein als Stent bezeichnetes Drahtgeflecht geschoben. Der Stent dehnt sich im Gefäß aus und verhakt sich im Blutgerinnsel. Anschließend werden Stent und Blutgerinnsel in einen größeren Katheter zurückgezogen und das Blutgerinnsel so aus dem Blutgefäß entfernt.
Eine Forschungsgruppe konnte durch die zusammenfassende statistische Auswertung mehrerer Studien zur Thrombektomie im Jahr 2016 zeigen, dass die mechanische Thrombektomie die Wahrscheinlichkeit auf ein gutes funktionelles Therapieergebnis um 56 Prozent erhöht. Gleichzeitig konnte die Methode die Sterblichkeit um 14 Prozent senken.1
Wie lange dauert eine Thrombektomie?
Der gesamte Eingriff dauert etwa 60 Minuten.
In den ersten 4 1/2 Stunden nach einem Schlaganfall kann die Thrombektomie mit der medikamentösen Auflösung des Blutgerinnsels kombiniert werden. Dieses Verfahren wird als intravenöse Fibrinolyse, systemische Thrombolyse oder i.v.-Lyse bezeichnet.
Unter besonderen Bedingungen kann die kombinierte Therapie auch zu späteren Zeitpunkten nach dem Auftreten erster Symptome stattfinden.

Die intravenöse Fibrinolyse (systemische Thrombolyse) kann in Kombination mit der mechanischen Thrombektomie erfolgen.
Eine zusammenfassende Analyse von Daten aus sechs Studien zeigt, dass eine Kombination aus intravenöser Fibrinolyse und Thrombektomie effektiver als die alleinige Thrombektomie ist, wenn die Kombinationstherapie zeitnah nach dem Auftreten der Schlaganfallsymptome erfolgt.
Somit ist der Nutzen der vorgeschobenen medikamentösen Thrombolyse vor der mechanischen Entfernung des Blutgerinnsels mittels Thrombektomie zeitabhängig. Der verbesserte Behandlungserfolg gegenüber der alleinigen Thrombektomie nimmt mit zunehmender Zeit nach dem Schlaganfall ab.2
Thrombektomie und Thrombolyse in Deutschland
Aus einer Pressemitteilung der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DGN) vom Oktober 2022 geht hervor, dass pro Jahr bei 260.000 Menschen in Deutschland ein Schlaganfall auftritt.3
Bei etwa jeder vierten Person nach Schlaganfall wird eine intravenöse Fibrinolyse (systemische Lysetherapie) eingeleitet, während bei etwa jeder zehnten die mechanische Entfernung des Blutgerinnsels aus dem Blutgefäß mithilfe eines Katheters, also der Thrombektomie, erfolgt.3

Vergleich der Häufigkeit von systemischer Thrombolyse und mechanischer Thrombektomie in Deutschland.3
Risiken der Thrombektomie
Wann immer es möglich ist, sollten die Patienten oder deren Angehörige über diese Eingriffe aufgeklärt und das Einverständnis eingeholt werden. Denn diese Untersuchung kann in seltenen Fällen zu Komplikationen führen.
Im Rahmen der Lyse-Therapie kann es in 3 bis 8 Prozent zur Einblutung in das minderdurchblutete Hirngewebe kommen. In den meisten Fällen führt das jedoch nicht zur Verschlechterung der neurologischen Symptome.
Bei der mechanischen Thrombektomie kann sehr selten der Katheter die Gefäßwand verletzen oder die Wand durchstoßen. Es können sich auch Teile des Thrombus ablösen und in kleinere Arterien abgeschwemmt werden.
Die bisher vorliegenden Studien zeigen aber, dass durch beide Methoden für Patienten nach einem akuten Schlaganfall die Chancen auf eine teilweise oder auch nahezu komplette Wiederherstellung der neurologischen Störungen wesentlich erhöht werden.
Das Wichtigste ist, diese Behandlungen möglichst frühzeitig im Rahmen der Notfallbehandlung des Schlaganfalls durchführen zu können.
Vor allem bei großen Hirninfarkten muss bei der Durchführung einer Thrombektomie mit Komplikationen und dem Auftreten schwerer Hirnblutungen gerechnet werden.
Aktuelle Studien belegen jedoch, dass die Anwendung der Thrombektomie in Verbindung mit einer medizinischen Versorgung zu einer Verbesserung der Hirnfunktion und zur Senkung der Sterberate führt.4
Daher sollte das Nutzen-Risiko-Verhältnis auch bei großen Infarkten individuell betrachtet und eine Thrombektomie nicht von vornherein ausgeschlossen werden.
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- Schlaganfall Diagnose: Welche Untersuchungen werden durchgeführt?
- Schlaganfall: Was passiert nach der Notaufnahme im Krankenhaus?
- Was passiert auf der Stroke-Unit?

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Die Zeit nach der Klinik ist für Angehörige oft die größte Herausforderung. Unser Online-Kurs führt Sie in 13 kompakten Modulen durch die Zeit danach. Der Kurs ist ein kostenfreies Angebot gesetzlicher Krankenkassen nach § 45 SGB XI.
Artikel aktualisiert am: - Nächste geplante Aktualisierung am:

Autoren
unter Mitarbeit von Dr. med. Jürgen Kunz
Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen ist niedergelassener Facharzt für Neurologie und Psychiatrie am Neurozentrum Ravensburg. Als Chefarzt leitete er die Abteilung für Neurologie und Klinische Neurophysiologie am Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit gehört die Diagnostik und Behandlung von Schlaganfällen. [mehr]Quellen
- Endovascular treatment versus medical care alone for ischemic stroke: systematic review and meta-analysis (2016) - Autoren: Rodrigues, Filipe Brogueira; Neves, Joana Briosa; Caldeira, Daniel; Ferro, José M.; Ferreira, Joaquim J.; Costa, João - Publikation: BMJ 2016;353:i1754 - DOI: 10.1136/bmj.i1754 - ISSN: 1756-1833 - URL: https://www.bmj.com/lookup/doi/10.1136/bmj.i1754
- Time to Treatment With Intravenous Thrombolysis Before Thrombectomy and Functional Outcomes in Acute Ischemic Stroke: A Meta-Analysis (2024) - Autoren: Kaesmacher, Johannes; Cavalcante, Fabiano; Kappelhof, Manon; Treurniet, Kilian M.; Rinkel, Leon et al. - Publikation: JAMA. 2024;331(9):764-777 - DOI: 10.1001/jama.2024.0589 - ISSN: 0098-7484 - URL: https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2815005
- Online-Pressekonferenz zum Weltschlaganfalltag: Medikamentöse Thrombolyse vs. mechanische Thrombektomie oder beides? Experten geben Empfehlungen zu Schlaganfall-Therapien (26.10.2022) - Pressestelle Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft - URL: https://www.dsg-info.de/medikamentoese-thrombolyse-vs-mechanische-thrombektomie-oder-beides-experten-geben-empfehlungen-zu-schlaganfall-therapien/ (zuletzt abgerufen am 14.11.2025)
- Thrombektomie auch bei großen Schlaganfällen sicher und effektiv (21.05.2024) (abgerufen am 24.10.2024) - Autor: rme (Redaktion Deutscher Ärzteverlag GmbH) - URL: https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=1041&typ=1&nid=151400&s=Schlaganf%E4llen&s=Thrombektomie (zuletzt abgerufen am 14.11.2025)
- Endovascular thrombectomy after large-vessel ischaemic stroke: a meta-analysis of individual patient data from five randomised trials (2016) - Autoren: Goyal, Mayank; Menon, Bijoy K.; Van Zwam, Wim H.; Dippel, Diederik W. J.; Mitchell, Peter J. et al. - Publikation: Lancet. 2016;387(10029):1723-1731 - DOI: 10.1016/S0140-6736(16)00163-X - ISSN: 01406736 - URL: https://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S014067361600163X (zuletzt abgerufen am 14.11.2025)
- Behandlung des akuten Schlaganfalls: Neue Leitlinie empfiehlt interventionelle Thrombektomie – Gemeinsame Presseinformation der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) – 12.04.2016
- Schlaganfall: „Wir haben ein größeres Zeitfenster und mehr Behandlungsoptionen“ – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) – Pressemitteilung vom 26.06.2019
- Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls – Rekanalisierende Therapie (Ergänzung 2015) – Entwicklungsstufe: S2k – AWMF-Registernummer: 030/140 –Autoren Federführend: Prof. Dr. Peter A. Ringleb, Heidelberg, Prof. Dr. Roland Veltkamp, London – DOI: 10.1055/s-0042-101225 – AWMF: 030-140

