Thrombolyse (Lysetherapie) ▷ Ablauf, Dauer, Risiken

Bei der Thrombolyse werden Blutgerinnsel aufgelöst (Foto: allinonemovie | Pixabay)
In diesem Artikel:
- Das Wichtigste in Kürze
- Was ist eine Thrombolyse?
- Lysetherapie bei Schlaganfall
- Dauer der Lysetherapie
- Risiken der Lyse
- Lyse-Therapie in Deutschland
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Die medikamentöse Auflösung eines Blutgerinnsels bezeichnet man als Thrombolyse oder Lyse(therapie).
Das Lysemedikament kann entweder systemisch über eine Vene oder lokal direkt an das Blutgerinnsel verabreicht werden, das das Gefäß verschließt.
Die Lysetherapie beim Hirninfarkt kann bis zu 4 ½ Stunden nach Auftreten der ersten Symptome durchgeführt werden.
Eine Kombinationstherapie mit der mechanischen Thrombektomie ist möglich.
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Thrombolyse beim Schlaganfall
Die Thrombolyse, auch Lysetherapie oder Lyse genannt, ist die medikamentöse Auflösung eines als Thrombus bezeichneten Blutgerinnsels, das zu einem Gefäßverschluss führt.
Sie wird vor allem zur Behandlung von Gefäßverschlüssen eingesetzt, die die Blutversorgung von Herz, Gehirn oder Lunge unterbrechen.
Die Auflösung erfolgt mit einer chemischen Substanz, die in den meisten Fällen intravenös zum Beispiel in eine Armvene gespritzt wird. Man spricht dann von einer systemischen Lyse.
Seltener wird eine lokale Lyse durchgeführt. Hierbei wird das Medikament direkt am Blutgerinnsel in die verstopfte Arterie verabreicht.

Arten der Lyse-Therapie. Die Thrombolyse kann entweder systemisch oder lokal durchgeführt werden. Bei der systemischen Thrombolyse wird das Lyse-Präparat in eine Vene gespritzt und verteilt sich von dort aus über den Blutkreislauf im gesamten Körper. Die lokale Lyse-Therapie erfordert das Einführen eines Infusionskatheters direkt in die Nähe des Blutgerinnsels und wird daher auch als Katheterlyse bezeichnet.
Vorteile und Nachteile der Thrombolyse
Vorteile
systemische Thrombolyse: einfache Handhabung, Einleitung im Krankenwagen möglich
lokale Thrombolyse: Behandlungserfolg bis zu 6 Stunden nach Einsetzen erster Symptome
Nachteile
systemische Thrombolyse: bei akutem Hirninfarkt erst Ausschluss einer Hirnblutung erforderlich (Zeitverlust!), Behandlungserfolg zeitkritisch
lokale Thrombolyse: Überwachung des Behandlungserfolges mittels Gefäßdarstellung durch Angiographie erforderlich, Krankenhaus mit Katheterlabor erforderlich1
80 Prozent aller Schlaganfälle werden durch ein Blutgerinnsel verursacht, das häufig bei Vorhofflimmern aus dem Herzen abgeschwemmt wird und eine Hirnarterie verstopft.
Wann wird die Lysetherapie bei einem Schlaganfall eingesetzt?
Die Lysetherapie mit dem Enzym rekombinanter Gewebsplasminogen-Aktivator (recombinant tissue plasminogen activator; rtPA; Alteplase, seit einiger Zeit auch Tenecteplase) wird in der Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls seit mehr als 25 Jahren weltweit angewandt. In Deutschland seit dem Jahr 2000.
Zeit ist Hirn: Die Anwendung sollte möglichst schnell nach Auftreten des Schlaganfalls erfolgen.
In einer Pressemitteilung der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) aus Februar 2016 wird festgestellt: „Die Lysetherapie rettet seit 20 Jahren Millionen Menschen mit Schlaganfall das Leben und bewahrt sie vor schweren Behinderungen”.
Eine im Juni 2024 veröffentlichte, in China durchgeführte Studie konnte zeigen, dass eine Behandlung mit der Blutgerinnsel-auflösenden Substanz Tenecteplase im Vergleich zur medizinischen Standardbehandlung zu einer geringeren Behinderung und vergleichbarer Überlebensrate führte.
Bei den meisten Teilnehmenden wurde keine zusätzliche Thrombektomie durchgeführt. Die positiven Ergebnisse mit Tenecteplase wurden erzielt, wenn die Thrombolyse mit der Substanz zwischen 4,5 und 24 Stunden nach dem Auftreten der Schlaganfallsymptome eingeleitet wurde.2

Empfehlung der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) zur Vorgehensweise bei der Behandlung nach einem Schlaganfall, abhängig vom Zeitfenster.3
Therapieziel
Das Therapieziel ist die Auflösung beziehungsweise die Beseitigung eines Blutgerinnsels, um die Durchblutung in einer verstopften Hirnarterie wiederherzustellen.
Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) kann die Lyse bis zu 4 ½ Stunden nach Auftreten des Schlaganfalls durchgeführt werden, auch in Kombination mit der mechanischen Thrombektomie.4

Vereinfachte Darstellung der Entfernung eines Blutgerinnsels mittels mechanischer Thrombektomie. Hierzu wird ein spezieller Mikrokatheter in das betroffene Blutgefäß eingeführt und durch diesen ein als Stent bezeichnetes Drahtgeflecht geschoben. Der Stent dehnt sich im Gefäß aus und verhakt sich im Blutgerinnsel. Anschließend werden Stent und Blutgerinnsel in einen größeren Katheter zurückgezogen und das Blutgerinnsel so aus dem Blutgefäß entfernt.
Bildgebung
In Ausnahmefällen kann mit spezieller Bildgebung, beispielsweise mittels Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, NMR, MRI) definiert werden, ob eine Lysetherapie außerhalb des Zeitfensters von 4 ½ Stunden möglich ist.4
Dies gilt auch, wenn der Zeitpunkt des Schlaganfalls zum Beispiel im Schlaf nicht exakt bestimmt werden kann.5
Alter
Patientinnen und Patienten, die älter als 80 Jahre sind, können ebenso von der Lyse profitieren. In der IST-3-Studie waren 46 Prozent der Schlaganfallbetroffenen zwischen 81 und 90 Jahre alt, 7 Prozent sogar über 90 Jahre.
Es konnte gezeigt werden, dass diese Altersgruppe tendenziell eher von einer Thrombolyse profitiert als jüngere Behandelte. Zudem ist das Risiko einer Hirnblutung als Komplikation der Lyse in dieser Altersgruppe nicht erhöht.6
Wie lange dauert eine Lysetherapie?
Über etwa eine Stunde wird die Lyse-Substanz mittels Spritzenpumpe mit definierten Substanzmengen in eine oberflächliche Vene gespritzt.
Die Dosierpumpe ist auch unter dem Handelsnamen Perfusor® bekannt und soll eine gleichmäßige Verabreichung der Lyse-Substanz gewährleisten.
Mögliche Nebenwirkungen oder Komplikationen der Lysetherapie
In 3 bis 8 Prozent der Behandlungen tritt eine Blutung in das aufgrund des Blutgerinnsels zuvor mangeldurchblutete Hirngewebe auf. Dies führt in den meisten Fällen nicht zur Verschlechterung der anfänglichen Symptome.
Lyse-Therapie in Deutschland
Aus einer Pressemitteilung der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DGN) vom Oktober 2022 geht hervor, dass jährlich bei 260.000 Menschen in Deutschland ein Schlaganfall auftritt.3
Bei etwa jeder vierten Person mit einem Schlaganfall wird eine systemische Lysetherapie eingeleitet. Bei etwa jeder zehnten erfolgt eine Thrombektomie, also die mechanische Entfernung des Blutgerinnsels aus dem Blutgefäß mithilfe eines Katheters.3

Vergleich der Häufigkeit von systemischer Thrombolyse und mechanischer Thrombektomie in Deutschland.3
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Artikel aktualisiert am: - Nächste geplante Aktualisierung am:

Autoren
unter Mitarbeit von Dipl.-Biol. Claudia Helbig
Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen ist niedergelassener Facharzt für Neurologie und Psychiatrie am Neurozentrum Ravensburg. Als Chefarzt leitete er die Abteilung für Neurologie und Klinische Neurophysiologie am Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit gehört die Diagnostik und Behandlung von Schlaganfällen. [mehr]Quellen
- Therapien von A bis Z: Thrombolyse (23.02.2015) - Autoren: Dr. Hartl, Thomas; Prim. Dr. Werner, Philipp (Review) - URL: https://www.meinmed.at/therapie/thrombolyse/2098 (zuletzt abgerufen am 13.11.2025)
- Tenecteplase for Ischemic Stroke at 4.5 to 24 Hours without Thrombectomy (2024) - Autoren: Xiong, Yunyun; Campbell, Bruce C. V.; Schwamm, Lee H.; Meng, Xia; Jin, Aoming et al. - Publikation: N Engl J Med 2024;391:203-212 - DOI: 10.1056/NEJMoa2402980 - ISSN: 0028-4793, 1533-4406 - URL: http://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2402980
- Online-Pressekonferenz zum Weltschlaganfalltag: Medikamentöse Thrombolyse vs. mechanische Thrombektomie oder beides? Experten geben Empfehlungen zu Schlaganfall-Therapien (26.10.2022) - Pressestelle Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft - URL: https://www.dsg-info.de/medikamentoese-thrombolyse-vs-mechanische-thrombektomie-oder-beides-experten-geben-empfehlungen-zu-schlaganfall-therapien/ (zuletzt abgerufen am 13.11.2025)
- S2e-Leitlinie zur Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls; Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und weitere; AWMF online - Autoren: Ringleb, Peter A.; Hametner, Christian; Köhrmann, Martin; Frank, Benedikt; Jansen, Olaf; Berlis, Ansgar; Fischer, Urs; Laufs, Ulrich; Mordasini, Pasquale;Neumann-Haefelin, Tobias; Schellinger, Peter D.; Schubert, Gerrit A.; Sonnberger, Michael; Sykora, Marek; Urbach, Horst; Wachter, Rolf; Wagner, Markus; Weiller, Cornelius; Harloff, Andreas; Langguth, Patrick - URL: https://dnvp9c1uo2095.cloudfront.net/cms-content/030-046l_S2e_Akuttherapie-des-ischaemischen-Schlaganfalls_2022-11-verlaengert_1718363551944.pdf (zuletzt abgerufen am 13.11.2025)
- MRI-Guided Thrombolysis for Stroke with Unknown Time of Onset - Autoren: Thomalla, Götz; Simonsen, Claus Z.; Boutitie, Florent; Andersen, Grethe; Berthezene, Yves; Cheng, Bastian; Cheripelli, Bharath; Cho, Tae-Hee; Fazekas, Franz; Fiehler, Jens; Ford, Ian; Galinovic, Ivana et al. (2018) - Publikation: N Engl J Med 2018;379:611-622 - DOI: 10.1056/NEJMoa1804355 - ISSN: 0028-4793, 1533-4406 - URL: http://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa1804355
- The third international stroke trial (IST-3) of thrombolysis for acute ischaemic stroke (2008) - Autoren: Sandercock P, Lindley R, Wardlaw J, Dennis M, Lewis S, Venables G, Kobayashi A, Czlonkowska A, Berge E, Slot KB, Murray V, Peeters A, Hankey G, Matz K, Brainin M, Ricci S, Celani MG, Righetti E, Cantisani T, Gubitz G, Phillips S, Arauz A, Prasad K, Correia M, Lyrer P; IST-3 Collaborative Group - Publikation: Trials. 2008 Jun 17;9:37 - DOI: 10.1186/1745-6215-9-37
- Stroke in the Very Old: Clinical Presentation and Determinants of 3-Month Functional Outcome: A European Perspective - Autoren: Di Carlo, Antonio; Lamassa, Maria; Pracucci, Giovanni; Basile, Anna Maria; Trefoloni, Gloria; Vanni, Paola; Wolfe, Charles D. A.; Tilling, Kate; Ebrahim, Shah; Inzitari, Domenico - Publikation: Stroke. 1999;30(11):2313-2319 - DOI: 10.1161/01.STR.30.11.2313 - ISSN: 0039-2499, 1524-4628 - URL: https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/01.STR.30.11.2313
- Age and Sex Differences in Ischemic Stroke Treatment in a Nationwide Analysis of 1.11 Million Hospitalized Cases (2019) - Autoren: Weber, Ralph; Krogias, Christos; Eyding, Jens; Bartig, Dirk; Meves, Saskia H.; Katsanos, Aristeidis H.; Caso, Valeria; Hacke, Werner - Publikation: Stroke. 2019;50(12):3494-3502 - DOI: 10.1161/STROKEAHA.119.026723 - ISSN: 0039-2499, 1524-4628 - URL: https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/STROKEAHA.119.026723

