Neuer Ansatz in der Gerinnungshemmung ▷ Asundexian

Nach einem Schlaganfall werden Medikamente eingesetzt, die die Blutgerinnung hemmen (Foto: nito | Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Das Wichtigste in Kürze
- Gerinnungshemmung nach Schlaganfall
- Differenzierte Therapieempfehlungen
- Asundexian als neuer Ansatz
- Die Studie im Überblick
- Auswertung der Studienergebnisse
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Eine neue Studie1 zeigt: Das Medikament Asundexian kann in ausgewählten Fällen zusätzlich zur Standardtherapie das Rezidivrisiko nach einem Schlaganfall senken.
Nach einem Schlaganfall werden Medikamente eingesetzt, die die Blutgerinnung hemmen, um erneute Ereignisse zu verhindern. Diese Behandlung ist ein Balanceakt: Sie soll Schlaganfälle verhindern, ohne das Blutungsrisiko zu stark zu erhöhen.
Das neue Medikament Asundexian wirkt anders als bisherige Blutverdünner und wird zusätzlich zur Standardtherapie gegeben.
In einer großen Studie senkte Asundexian das Risiko für erneute Schlaganfälle leicht, ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen.
Das Medikament ist noch nicht zugelassen, könnte aber in Zukunft eine neue Behandlungsoption werden.
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Gerinnungshemmung nach Schlaganfall
Nach einem ischämischen Schlaganfall (also einem Schlaganfall durch ein verstopftes Blutgefäß) werden in der Regel Medikamente eingesetzt, die die Blutgerinnung hemmen.
Ziel ist es, das Risiko für einen erneuten Schlaganfall zu verringern.
Häufig kommen sogenannte Thrombozytenhemmer wie ASS (Aspirin) zum Einsatz. Diese Medikamente verhindern, dass Blutplättchen verklumpen und Gefäße verstopfen.
Liegt eine bestimmte Ursache vor wie Vorhofflimmern, wird stattdessen eine sogenannte Antikoagulation („Blutverdünnung“) eingesetzt. Beispiele dafür sind die Medikamente Apixaban (Handelsname Eliquis) und Rivaroxaban (Handelsname Xarelto).
Ein Nachteil dieser Medikamente ist ein erhöhtes Blutungsrisiko.
Das spielt besonders bei geplanten Operationen eine Rolle: Vor und nach dem Eingriff muss die Blutverdünnung oft vorübergehend pausiert werden. Aber auch im Alltag kann es unter der Behandlung zu spontanen Blutungen kommen.
Wie stark man mit Medikamenten in die Blutgerinnung eingreift, ist deshalb oft eine Gratwanderung. Hemmt man die Gerinnung zu wenig, bleibt das Risiko für Schlaganfälle erhöht. Behandelt man zu intensiv, steigt das Risiko für Blutungen.
Differenzierte Therapieempfehlungen
Die Empfehlungen zur Behandlung nach einem Schlaganfall mit Medikamenten, die in die Blutgerinnung eingreifen, sind bereits sehr differenziert.
Je nach Schwere und Ursache des Schlaganfalls wird mehr oder weniger stark in die Gerinnung eingegriffen.
Generell wird nach einem ischämischen Schlaganfall mit ASS behandelt. In bestimmten Fällen wird für einen begrenzten Zeitraum zusätzlich mit einem weiteren Thrombozytenhemmer, wie zum Beispiel Clopidogrel, behandelt.
Besteht Vorhofflimmern, wird statt mit Thrombozytenhemmern mittels Antikoagulation behandelt.
Ein neuer Ansatz: Asundexian
Das Arsenal der Gerinnungshemmer könnte in Zukunft erweitert werden.
In einer aktuellen Studie1 wurde das Medikament Asundexian zur Verhinderung von Rezidiv-Schlaganfällen untersucht.
Asundexian greift an einer anderen Stelle als die herkömmlichen Blutverdünner in die Gerinnung ein. Die Hoffnung hinter dem neuen Therapieprinzip ist die Verhinderung von ischämischen Schlaganfällen ohne ein erhöhtes Blutungsrisiko.
Bei Vorhofflimmern konnte Asundexian in einer früheren Studie im Vergleich zur etablierten Therapie nicht überzeugen. Die aktuelle Studie lieferte aber positive Ergebnisse nach Schlaganfällen, die nicht durch Vorhofflimmern verursacht wurden.
Die Studie im Überblick
Patienten
In die Studie wurden Menschen mit einem Schlaganfall eingeschlossen, der nicht durch ein vom Herzen ausgehendes Blutgerinnsel ausgelöst wurde.
Zusätzlich wurden Menschen mit einer TIA mit hohem Rezidivrisiko eingeschlossen.
Bei allen bestand eine Atherosklerose (“Gefäßverkalkung”).
Behandlung
Die Teilnehmenden wurden per Zufall in zwei Gruppen eingeteilt:
- Die Interventionsgruppe wurde mit 50 mg Asundexian einmal täglich behandelt.
- Die Kontrollgruppe erhielt Placebo.
Zusätzlich wurden alle Patienten mit Thrombozytenhemmern behandelt. Asundexian wurde also zusätzlich zur Standardtherapie gegeben.
Größe der Studie
Mit über 12.000 Teilnehmenden (jeweils mehr als 6.000 pro Gruppe) handelt es sich um eine sehr große und aussagekräftige Studie.
Ergebnisse
Im Durchschnitt wurden die Patienten 1,5 Jahre lang beobachtet:
- In der Asundexian-Gruppe erlitten 6,2 Prozent einen erneuten Schlaganfall.
- In der Placebo-Gruppe waren es 8,4 Prozent.
Das bedeutet: Unter Asundexian traten weniger Folge-Schlaganfälle auf.
Wichtig ist außerdem: Die Häufigkeit von Blutungen war in beiden Gruppen gleich. Die Behandlung galt daher als sicher.
Was bedeuten die Ergebnisse?
Die Studie zeigt, dass Asundexian bei ausgewählten Patienten das Risiko für einen erneuten Schlaganfall senken kann. Ohne Hinweise auf ein erhöhtes Blutungsrisiko.
Allerdings ist das Medikament derzeit noch nicht zugelassen und daher außerhalb von Studien nicht verfügbar. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass der Hersteller Bayer eine Zulassung beantragen wird.
Der Nutzen des Medikaments ist insgesamt eher moderat: Das Risiko für einen erneuten Schlaganfall sinkt von 8,4 Prozent auf 6,2 Prozent. Rechnerisch bedeutet das: Etwa 45 Patienten müssen 1,5 Jahre lang behandelt werden, um einen Schlaganfall zu verhindern.
Auch wenn dieser Effekt auf den ersten Blick klein erscheint, kann er dennoch bedeutsam sein. Denn jeder verhinderte Schlaganfall ist ein wichtiger Erfolg. Insbesondere dann, wenn dies ohne zusätzliches Blutungsrisiko möglich ist.
Asundexian könnte damit ein weiterer Schritt hin zu einer individuelleren und präziseren Schlaganfall-Prävention sein.
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Autor
Dr. med. Johannes Heinemann Facharzt für Neurologie an der Universitätsklinik Freiburg Dr. Johannes Heinemann ist Facharzt für Neurologie an der Universitätsklinik Freiburg. Sein klinischer Schwerpunkt ist die Notfall- und Intensivneurologie. Die Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten bereitet ihm große Freude, da hier schnelle Entscheidungen und präzises Handeln gefragt sind. Sein Ziel ist es, Wissen über den Schlaganfall und seine Behandlung verständlich und praxisnah zu vermitteln, um Betroffenen und ihren Angehörigen zu helfen, den Weg der Genesung und Prävention besser zu verstehen und zu meistern. [mehr]
Quelle
- Asundexian for Secondary Stroke Prevention. - Autoren: Sharma M, Dong Q, Hirano T et al.; OCEANIC-STROKE Investigators. - Publikation: N Engl J Med. 2026 Apr 16;394(15):1467-1479. - DOI: https://doi.org/10.1056/NEJMoa2513880 - PMID: 41985132

