ACE-Hemmer senken den Blutdruck ▷ Schlaganfälle verhindern

ACE-Hemmer werden zur Blutdrucksenkung eingesetzt (Foto: Margarett24 | Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Das Wichtigste in Kürze
- Bluthochdruck und Schlaganfall
- Welcher Blutdruck ist normal?
- Schlaganfallprävention: Blutdrucksenkung mit Medikamenten
- ACE-Hemmer: Funktion, Arten, Nebenwirkungen und Schlaganfallvorbeugung
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Ein erhöhter Blutdruck ist der wichtigste Risikofaktor für Schlaganfälle.
Medikamente zur Blutdrucksenkung können viele Schlaganfälle verhindern.
ACE-Hemmer kommen bei der Behandlung des Bluthochdrucks neben anderen Medikamenten als Mittel der ersten Wahl zum Einsatz.
Sie greifen in eine Signalkaskade ein und senken den Blutdruck über unterschiedliche Mechanismen.
Nebenwirkungen sind selten. Wenn sie doch einmal auftreten, gibt es gute Alternativen.
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Erhöhter Blutdruck verursacht jeden zweiten Schlaganfall
Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) ist der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor für den Schlaganfall.
Ungefähr ein Drittel bis die Hälfte aller Schlaganfälle werden durch Bluthochdruck verursacht.1 Durch die Verhinderung oder Behandlung von Bluthochdruck kann auf der anderen Seite eine riesige Zahl an Schlaganfällen vermieden werden.
Welcher Blutdruck ist normal?
Als normal gilt ein Blutdruck von 120/80 mmHg.
Das Risiko für einen Schlaganfall steigt mit dem Blutdruck linear an. Das bedeutet: Je höher der Blutdruck, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall.2
Als behandlungsbedürftig gilt in der Regel eine Blutdruckerhöhung von 140/90 mmHg oder mehr. In vielen Fällen kann auch schon eine Behandlung bei Blutdruckwerten im Graubereich zwischen 120/80 und 140/90 mmHg sinnvoll sein.3
Kann eine Blutdrucksenkung mit Medikamenten Schlaganfälle verhindern?
Die Blutdrucksenkung mit Medikamenten ist eine der wirksamsten Therapiemöglichkeiten zur Verhinderung von Schlaganfällen.
Eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 10 mmHg senkt das Risiko für einen Schlaganfall um etwa ein Drittel.
Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, welche Medikamente verwendet werden. Hauptsache, der Blutdruck wird gesenkt, ohne dass störende Nebenwirkungen auftreten.4
Medikamente zur Blutdrucksenkung
Zur Blutdrucksenkung stehen verschiedene Medikamentenklassen zur Verfügung.
Medikamente, die die geringsten Nebenwirkungen haben und mit deren Einsatz die größte Erfahrung besteht, kommen als Erstes zum Einsatz.
Leitlinien: empfohlene Blutdrucksenker
In Leitlinien werden drei Wirkstoffgruppen gleichwertig als erste Wahl entweder alleine oder in Kombination empfohlen:
- ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker
- Kalziumkanalblocker
- Thiazid-Diuretika
Was sind ACE-Hemmer und wie funktionieren sie?
ACE-Hemmer heißen so, weil sie das Enzym Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE) blockieren.
Damit greifen sie in einen Signalweg ein, der in unserem Körper den Blutdruck reguliert. Dieser Signalweg heißt nach den beteiligten Hormonen und Enzymen Renin-Angiotensin-Aldosteron-System oder kurz RAAS.
In einer Kaskade aktiviert dabei ein Enzym das nächste, welches wiederum ein Folgeenzym aktiviert. Die entstehenden Moleküle steigern den Blutdruck über unterschiedliche Mechanismen.
Durch ACE-Hemmer lässt sich die RAAS-Kaskade bremsen. Dadurch wird der Blutdruck über verschiedene Mechanismen gesenkt: Die Gefäße entspannen sich, sodass der Druck in ihnen sinkt.
Zusätzlich wird in der Niere weniger Natrium und Wasser zurückgehalten. Dadurch sinkt das Blutvolumen, was zu einer zusätzlichen Blutdrucksenkung führt.
Welche ACE-Hemmer gibt es?
In Deutschland sind 13 verschiedene ACE-Hemmer verfügbar. Zu den bekanntesten und am häufigsten verwendeten ACE-Hemmern gehören Ramipril, Lisinopril, Captopril, Perindopril und Enalapril.5
Die einzelnen Medikamente unterscheiden sich in ihrer Halbwertszeit und ihrer Ausscheidung aus dem Körper, die hauptsächlich über die Nieren stattfindet.
In der Wirksamkeit bestehen jedoch keine wesentlichen Unterschiede, sodass kein ACE-Hemmer grundsätzlich besser ist als der andere.
Nebenwirkungen und Alternativen
ACE-Hemmer sind sehr gut verträgliche Medikamente, die seit Jahrzehnten erfolgreich zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden. Meistens treten bei der Anwendung keine Nebenwirkungen auf.
ACE-Hemmer: Nebenwirkungen
Wie bei allen Arzneimitteln sind jedoch mögliche unerwünschte Wirkungen bekannt:
- trockener Reizhusten: Häufigste Nebenwirkung. Nicht gefährlich, aber für viele Patienten störend.
- Hypotonie: Blutdruckabfall, der mit Schwindel einhergehen kann. Wird durch vorsichtige Dosissteigerung und ausreichende Trinkmenge vermieden.
- Hyperkaliämie: Anstieg des Kaliumspiegels im Blut. Relevant bei eingeschränkter Nierenfunktion. Meist nur moderat ausgeprägt.6
Tritt ein störender Reizhusten unter der Therapie auf, bietet sich ein Medikamentenwechsel zu einem Angiotensin-II-Rezeptorblocker an. Diese verwandten Medikamente enden auf -sartan (z.B. Candesartan oder Valsartan). Sie blockieren denselben Signalweg wie die ACE-Hemmer und haben einen vergleichbaren Effekt auf den Blutdruck. Ein Reizhusten tritt hier nicht auf.
Als erste Wahl kommt dennoch oft ein ACE-Hemmer zum Einsatz, da für diese Substanzklasse die größte Erfahrung und die breiteste Evidenz vorliegen.
Können ACE-Hemmer Schlaganfälle verhindern?
Da ACE-Hemmer den Blutdruck senken, können sie auch Schlaganfällen vorbeugen. Für das Schlaganfallrisiko ist meist weniger entscheidend, mit welchem Medikament behandelt wird, sondern dass der Blutdruck überhaupt gesenkt wird.
Es gibt sogar Hinweise, dass ACE-Hemmer das Schlaganfallrisiko über die reine Blutdrucksenkung hinaus senken können. In einer Studie konnte Ramipril das Risiko für Schlaganfälle um ein Drittel reduzieren, während der Blutdruck nur geringfügig um 2 bis 3 mmHg sank.7 Diese geringe Blutdrucksenkung allein reicht vermutlich nicht aus, um das deutlich gesenkte Schlaganfallrisiko zu erklären.
Eine mögliche Erklärung ist der positive Einfluss der ACE-Hemmer auf das Gefäßsystem. Es gibt Hinweise, dass sich die Gefäßelastizität unter der Therapie verbessert und die Arteriosklerose verlangsamt wird.
Allerdings konnten diese Effekte in weiteren Studien nicht eindeutig bestätigt werden. Insgesamt scheint der größte Nutzen daher weiterhin auf der Blutdrucksenkung selbst zu beruhen.
Die Behandlung lohnt sich
Die Behandlung mit ACE-Hemmern ist bei erhöhtem Blutdruck in vielen Fällen sinnvoll, unabhängig davon, ob es bereits zu einem Schlaganfall gekommen ist oder nicht.
Es geht dabei nicht darum, einen bestimmten Wert auf dem Blutdruckmessgerät zu erreichen. Dieser Wert zeigt nur indirekt, worum es eigentlich geht: Schlaganfälle und andere schwerwiegende Erkrankungen zu verhindern, um das Leben länger und gesünder zu machen.
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Artikel aktualisiert am: - Nächste geplante Aktualisierung am:
Autor
Dr. med. Johannes Heinemann Facharzt für Neurologie an der Universitätsklinik Freiburg Dr. Johannes Heinemann ist Facharzt für Neurologie an der Universitätsklinik Freiburg. Sein klinischer Schwerpunkt ist die Notfall- und Intensivneurologie. Die Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten bereitet ihm große Freude, da hier schnelle Entscheidungen und präzises Handeln gefragt sind. Sein Ziel ist es, Wissen über den Schlaganfall und seine Behandlung verständlich und praxisnah zu vermitteln, um Betroffenen und ihren Angehörigen zu helfen, den Weg der Genesung und Prävention besser zu verstehen und zu meistern. [mehr]
Quellen
- Global, regional, and national burden of disorders affecting the nervous system, 1990-2021: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2021 - Autoren: GBD 2021 Nervous System Disorders Collaborators - Publikation: Lancet Neurol. 2024 Apr;23(4):344-381 - DOI: 10.1016/S1474-4422(24)00038-3 - PMID: 38493795
- Effect of Systolic and Diastolic Blood Pressure on Cardiovascular Outcomes - Autoren: Flint AC, Conell C, Ren X, Banki NM, Chan SL, Rao VA, Melles RB, Bhatt DL - Publikation: N Engl J Med. 2019 Jul 18;381(3):243-251 - DOI: 10.1056/NEJMoa1803180 - PMID: 31314968
- Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie – Langfassung, Version 1.0 2023 - Autoren: Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) - Publikation: Nationale Versorgungsleitlinien AWMF - DOI: 10.6101/AZQ/000502
- Use of blood pressure lowering drugs in the prevention of cardiovascular disease: meta-analysis of 147 randomised trials in the context of expectations from prospective epidemiological studies - Autoren: Law MR, Morris JK, Wald NJ - Publikation: BMJ. 2009 May 19;338:b1665 - DOI: 10.1136/bmj.b1665 - PMID: 19454737
- ACE-Hemmer - Autoren: Gelbe Liste. Dr. Isabelle Viktoria Maucher - Publikation: Gelbe Liste. Stand: 30.04.2024 - URL: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen/ace-hemmer - Abgerufen am 20.05.2026
- Adverse Effects of Angiotensin-Converting Enzyme Inhibitors in Humans: A Systematic Review and Meta-Analysis of 378 Randomized Controlled Trials - Autoren: Na Takuathung M, Sakuludomkan W, Khatsri R, Dukaew N, Kraivisitkul N, Ahmadmusa B, Mahakkanukrauh C, Wangthaweesap K, Onin J, Srichai S, Buawangpong N, Koonrungsesomboon N - Publikation: Int J Environ Res Public Health. 2022 Jul 8;19(14):8373 - DOI: 10.3390/ijerph19148373 - PMID: 35886227
- Effects of an angiotensin-converting-enzyme inhibitor, ramipril, on cardiovascular events in high-risk patients - Autoren: Yusuf S, Sleight P, Pogue J, Bosch J, Davies R, Dagenais G - Publikation: N Engl J Med. 2000 Jan 20;342(3):145-53 - DOI: 10.1056/NEJM200001203420301 - PMID: 10639539

