Medikamente sicher über eine Ernährungssonde verabreichen ▷ Tipps

Mit Ernährungssonden können Patienten, die nicht schlucken können, mit Nahrung und Flüssigkeit versorgt werden (Foto: digicomphoto / Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Das Wichtigste in Kürze
- Warum verwendet man eine Ernährungssonde und welche Sondentypen gibt es?
- Welche Medikamente sind für eine Sondengabe geeignet?
- Wie gebe ich ein Medikament über eine Ernährungssonde?
- Was tun bei verstopfter Sonde?
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Mit Ernährungssonden können Patienten, die nicht schlucken können, mit Nahrung und Flüssigkeit versorgt werden.
Sonde ist nicht gleich Sonde. Je nach Lage der Ernährungssonde im Körper liegen unterschiedliche Bedingungen vor, die die Aufnahme von Medikamenten beeinflussen können.
Nicht alle Medikamente dürfen zerkleinert und über eine Sonde gegeben werden. Hier hilft medizinisches Fachpersonal gerne weiter.
Bei der Gabe von Medikamenten über die Sonde sind einige Grundregeln zu beachten, die für alle Medikamente gelten.
Wie Medikamente vor Gabe über eine Ernährungssonde vorbereitet werden müssen, ist abhängig von der Arzneiform. Flüssige Arzneiformen wie beispielsweise Tropfen sind leichter über eine Sonde zu verabreichen als feste Arzneiformen wie Tabletten oder Kapseln.
Ernährungssonden müssen immer regelmäßig gespült werden, um ein Verstopfen der Sonde zu vermeiden.
Gründe für das Legen einer PEJ-Sonde können beispielsweise ein hohes Risiko, sich an Nahrung oder Flüssigkeiten zu verschlucken, oder auch eine Erkrankung im Bereich des Magens sein.
Die Zeit nach der Klinik ist für Angehörige oft die größte Herausforderung. Unser Online-Kurs führt Sie in 13 kompakten Modulen durch die Zeit danach. Der Kurs ist ein kostenfreies Angebot gesetzlicher Krankenkassen nach § 45 SGB XI.
Warum eine Ernährungssonde?
Über 50 Prozent aller Schlaganfallpatientinnen und -patienten leiden in der ersten Zeit an Schluckstörungen, die sich jedoch häufig wieder zurückbilden.1
Besonders in der akuten Schlaganfallsituation kann es jedoch notwendig sein, eine Ernährungssonde zu legen, um die Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit sicherzustellen.
Dies ist der Fall, wenn starke Schluckstörungen voraussichtlich länger als sieben Tage anhalten. Laut Studiendaten benötigen 8 bis 29 Prozent aller Patienten direkt nach dem Schlaganfall eine Ernährungssonde.2
Abhängig von der voraussichtlichen Dauer der Schluckstörung und weiteren Entscheidungskriterien wie beispielsweise einer notwendigen Beatmung kommen verschiedene Sondentypen infrage.
Sondentypen
Bei voraussichtlich kurzer Dauer der Schluckstörung wird meist eine nasogastrale Sonde gelegt. Dauert die Schluckstörung länger (mehr als 28 Tage) an, eine sogenannte PEG- oder PEJ-Sonde.
Nasogastrale Sonde
Eine nasogastrale Sonde wird über die Nase (naso-), den Rachen und die Speiseröhre in den Magen gelegt.
Das Anlegen einer nasogastralen Sonde ist relativ unkompliziert und kann ohne Narkose durchgeführt werden.
Die Nahrungsaufnahme entspricht dem natürlichen Vorgang. Lediglich das Kauen und Schlucken der Nahrung wird umgangen.
Allerdings ist eine nasogastrale Sonde nicht für längere Zeiträume geeignet und wird von Patienten und Patientinnen langfristig häufig als störend und unangenehm empfunden.

Nasogastrale Sonde [Grafik: Zentangle | Shutterstock]
PEG-Sonde
Das Legen einer PEG-Sonde erfolgt im Rahmen einer “perkutanen endoskopischen Gastrostomie". Das heißt, dass ein externer Zugang zum Magen von außen über die Bauchdecke gelegt wird.
Die PEG-Sonde endet wie die nasogastrale Sonde im Magen. Der Nasen-Rachen-Raum sowie die Speiseröhre werden jedoch vollständig umgangen.
Eine PEG-Sonde ist immer dann erforderlich, wenn voraussichtlich über einen längeren Zeitraum keine Nahrungsaufnahme möglich ist.
Auch wenn das Legen einer PEG-Sonde ein operativer Eingriff ist, wird die PEG-Sonde meist als angenehmer empfunden als nasogastrale Sonden. Die Dauer, die die Sonde im Körper bleiben kann, ist zudem weitaus länger.

PEG-Sonde [Grafik: Zentangle | Shutterstock]
PEJ-Sonde
Eine dritte Art der Sonde stellt die PEJ-Sonde dar. Bei der “perkutanen endoskopischen Jejunostomie” wird eine Sonde gelegt, bei der auch der Magen umgangen wird.
Hier wird ein Zugang zum Dünndarm über die Bauchdecke geschaffen.
Zur Gabe von Flüssigkeiten über eine PEJ-Sonde sind strengere Hygienemaßnahmen erforderlich. Es darf beispielsweise nur steriles Wasser zum Spülen der Sonde verwendet werden.
Hintergrund hierfür ist, dass der Darm empfindlicher auf Bakterien reagieren kann als der Magen. Im Gegensatz zum Magen gibt es dort keinen Schutz durch Magensäure, und eventuell vorhandene Keime aus zum Beispiel Mineralwasser können sich leichter vermehren.

PEJ-Sonde [Grafik: Pepermpron | Shutterstock]
Lage der Ernährungssonde
Der größte Unterschied zwischen den verschiedenen Sondentypen ist der Ort, an dem die Sonde tatsächlich endet.
Im Magen herrschen saure Verhältnisse, im Dünndarm eher basische. Dies ist besonders wichtig für die Aufnahme von Medikamenten in den Körper.
Ein weiterer großer Unterschied besteht in der Fähigkeit, Flüssigkeiten oder Nahrung zu speichern. Der Magen verträgt relativ große Mengen an Nahrung und Flüssigkeit, der Dünndarm dagegen nicht. Daher muss beispielsweise Sondennahrung über eine Dünndarmsonde viel langsamer verabreicht werden als über eine Magensonde.
Weitere Eigenschaften einer Ernährungssonde
Neben der Lage der Sonde spielt für die Medikamentengabe auch die Ernährungssonde selbst eine Rolle.
Ausschlaggebend ist hier der Sondeninnendurchmesser. Dieser wird zum einen durch das Sondenmaterial (Silikon oder Polyurethan), zum anderen durch den Außendurchmesser (wird in der Einheit Charrière angegeben) bestimmt.
Der Hersteller gibt immer nur den Außendurchmesser an. Ausschlaggebend für die Medikamentengabe ist jedoch der Innendurchmesser der Ernährungssonde.
Besondere Vorsicht bei dünner Ernährungssonde
Je dünner eine Ernährungssonde ist, desto schneller kann sie verstopfen. Das heißt auch für die Medikamentengabe, dass bei Sonden mit kleinem Innendurchmesser noch größere Sorgfalt erforderlich ist.

Sondeninnendurchmesser [Grafik: Dr. Daniela Huttner, getpaint.net]
Eignet sich das Medikament für eine Sondengabe?
Im ersten Schritt sollte immer geprüft werden, ob die behandelte Person noch in der Lage ist, zu schlucken. In diesem Fall sollten die Medikamente geschluckt und nicht über Sonde verabreicht werden.
Für manche Medikamente ist eine Umstellung auf andere Arzneiformen wie beispielsweise von Tabletten auf Säfte oder Tropfen möglich, die noch geschluckt werden können.
Durch eine Umstellung der Arzneiform kann auch die Freigabe des Medikaments in den Körper verändert werden, was auch die Wirksamkeit beeinflussen kann. Daher sollte jede Veränderung der Medikation ärztlich begleitet werden. Mehr Informationen zur Umstellung auf leichter schluckbare Arzneiformen finden Sie im Artikel “Einnahme von Medikamenten bei Schluckstörungen”.
Entscheidung für Medikamentengabe über Ernährungssonde
Wenn das Schlucken gar nicht mehr möglich ist oder keine alternativen Arzneiformen im Handel sind, muss geprüft werden, ob die jeweiligen Medikamente für die Sondengabe geeignet sind.
Diese Prüfung sollte durch medizinisches Fachpersonal in Arztpraxen oder Apotheken erfolgen.
Ist die Gabe über eine Ernährungssonde möglich, müssen feste Arzneiformen zunächst so aufbereitet werden, dass sie über eine Sonde verabreicht werden können. Dies kann beispielsweise durch Mörsern einer Tablette oder Öffnen einer Kapsel mit nachfolgendem Auflösen oder Aufschwemmen in einer Flüssigkeit geschehen.
Flüssige Arzneiformen dagegen können meist direkt über die Sonde verabreicht werden.
Aufklärung zum Umgang mit der Ernährungssonde
Alle Patienten und Patientinnen, die eine Ernährungssonde erhalten, sollten im Beisein von Angehörigen eine ausreichende Schulung sowie Informationen zur richtigen Handhabung von Ernährungssonden erhalten.
Weiterhin sollten mögliche Risiken sowie Methoden zur Behebung häufiger Probleme besprochen werden, bevor die Entlassung in das häusliche Umfeld erfolgt.
Wie gebe ich Medikamente über eine Ernährungssonde?
Nicht jede Tablette oder Kapsel darf über eine Ernährungssonde gegeben werden.
Ob ein Medikament überhaupt zerkleinert werden darf, hängt davon ab, wie der Wirkstoff in der Tablette verarbeitet ist.
Um herauszufinden, ob ein Medikament zur Sondengabe geeignet ist, kann die Gebrauchs- oder Fachinformation weiterhelfen. Informationen zu dieser Thematik sind jedoch nur selten vorhanden.
Leider lässt sich auch nicht pauschal sagen, welche Tablette oder Kapsel zur Sondengabe geeignet sind und welche nicht. Auch Fachkundige müssen für jedes Medikament individuell recherchieren.
Daher sollte vor der Sondengabe von Medikamenten immer Rücksprache mit der behandelnden Ärztin beziehungsweise dem behandelnden Arzt oder der versorgenden Apotheke gehalten werden.
individuelle Prüfung durch qualifiziertes Fachpersonal
Eine individuelle Prüfung durch qualifiziertes Fachpersonal, ob eine Sondengabe möglich ist, ist dennoch für jedes einzelne Medikament der Patientin oder des Patienten erforderlich.
Zur Abschätzung, ob eine Tablette/Kapsel über Sonde gegeben werden kann, lassen sich, abhängig von der Tablettenart, folgende Empfehlungen aussprechen.
Tabletten ohne Überzug / Filmtabletten
- Prüfen, ob eine Sondengabe möglich ist.
- Nicht zur Sondengabe geeignet, falls ein Filmüberzug vorhanden ist, der eine spezifische Funktion erfüllt (zum Beispiel Retardierung, Schutz gegenüber Magensäure)
- Tablette in Wasser zerfallen lassen. Gegebenenfalls muss vorher gemörsert werden.
Retardtabletten
Retardtabletten geben ihren Wirkstoff über einen längeren Zeitraum an den Körper ab.
- meist NICHT zur Sondengabe geeignet
- NICHT mörsern.
- Alternativ auf unretardierte Präparate umstellen (Dosisanpassung nötig!)
Magensaftresistente Tabletten
Magensaftresistente Tabletten schützen den Wirkstoff vor Magensäure.
- meist NICHT zur Sondengabe geeignet
- NICHT mörsern.
Hartkapseln
- Prüfen, ob eine Sondengabe möglich ist.
- Nicht zur Sondengabe geeignet, falls die Kapselhülle eine spezifische Funktion erfüllt (zum Beispiel Retardierung, Schutz gegenüber Magensäure)
- falls Kapselhülle ohne Funktion, kann die Kapsel geöffnet und der Kapselinhalt über Sonde verabreicht werden
Weichkapseln
- Sondengabe nicht empfohlen
- Inhalt kann nicht vollständig aus Weichkapsel entnommen werden.
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen
Bei einigen Medikamenten kann durch das Teilen Staub entstehen, dessen Einatmung riskant ist. Das trifft für alle Arzneistoffe zu, die cancerogen, mutagen oder embryotoxisch sind, also Krebs erzeugen können, das Erbgut verändern oder dem Kind im Mutterleib schaden können.
Diese Arzneistoffe sollten NICHT gemörsert werden, sondern in Wasser gelöst werden.
Falls dies nicht möglich ist, dürfen Schwangere und Stillende bei der Medikamentengabe über die Ernährungssonde nicht unterstützen.
Allgemeine Grundregeln
Zunächst sollen einige Grundregeln genannt werden, die für alle Medikamente bei Gabe über Ernährungssonden gelten.
- Arbeitsplatte desinfizieren, Hände waschen und desinfizieren
- Feste Arzneiformen erst unmittelbar vor der Sondengabe zerkleinern/in Wasser auflösen. Flüssige Arzneiformen erst unmittelbar vor der Sondengabe verdünnen (falls erforderlich)
- Medikamente einzeln und getrennt voneinander verabreichen
- Medikamente nie in Sondennahrung verabreichen. Die Sondennahrung während der Medikamentengabe abstellen
- Sonde vor und nach jeder Medikamentengabe mit Wasser spülen
Bevor Medikamente für die Sondengabe vorbereitet werden, sollte ein sauberes und keimarmes Arbeitsumfeld geschaffen werden. Die Arbeitsplatte/der Tisch sollte daher desinfiziert und auf eine ausreichende Händehygiene geachtet werden.
Die meisten Medikamente müssen zur Sondengabe vorbereitet werden. Sie werden in eine sondengängige Form gebracht. Dies darf erst kurz vor der tatsächlichen Gabe geschehen. Feste Arzneiformen (zum Beispiel Tabletten) sollten also nicht auf Vorrat gemörsert oder flüssige Arzneiformen (zum Beispiel Tropfen) nicht in größerer Menge als benötigt verdünnt werden.
Wurden alle Medikamente für die Gabe über eine Ernährungssonde vorbereitet, sollte jedes Medikament einzeln verabreicht werden. Dies verhindert mögliche Wechselwirkungen zwischen den verabreichten Medikamenten.
Erhält der Patient oder die Patientin zusätzlich Sondennahrung, muss diese während der Medikamentengabe abgestellt werden. Hintergrund sind mögliche Wechselwirkungen zwischen der Sondennahrung und den Medikamenten. Es kann zu einer Beeinflussung der Wirksamkeit der Medikamente aber auch zu einem Verstopfen der Ernährungssonde kommen.
Schließlich muss die Ernährungssonde regelmäßig gespült werden. Besonders wichtig ist das Spülen bei der Gabe von Medikamenten. Dabei sollte die Ernährungssonde vor und nach der Gabe immer mit 15 bis 30 ml Wasser gespült werden. Zwischen der Gabe verschiedener Medikamente sollte mit 3 bis 10 ml Wasser gespült werden.
Für nasale und gastrale Sonden eignet sich am besten stilles Mineralwasser. Früchtetee, schwarzer Tee sowie andere Teesorten sind als Spülflüssigkeit ungeeignet, da ihre Inhaltsstoffe (unter anderem Gerbstoffe und Fruchtsäuren) mit Medikamenten oder Sondennahrung reagieren können. Dies kann zu Ausfällungen führen und die Sonde verstopfen.
Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für eine Keimbelastung. Handelt es sich um eine duodenale Sonde oder ist die behandelte Person immungeschwächt, sollte das Spülen mit hygienisch einwandfreien Lösungen wie Wasser für Injektionszwecke erfolgen.
Das Spülen der Sonde hat mehrere Gründe. Zum einen wird die Sonde gereinigt und auf Durchgängigkeit geprüft, zum anderen erfolgt durch das Nachspülen eine Verdünnung des verabreichten Medikaments, wodurch die Verträglichkeit erhöht werden kann.
Sondengabe von festen Arzneiformen wie Tabletten oder Kapseln
Durchführung
Soweit möglich, sollten Medikamente immer in geschlossenen Systemen vorbereitet werden. Das heißt, dass man eine Tablette beispielsweise direkt in der Spritze zerfallen lässt, über die man sie nachfolgend auch über die Sonde gibt und nicht in einem separaten Becher.
Die Vorbereitung von Medikamenten zur Gabe über eine Ernährungssonde ist abhängig von der jeweiligen Arzneiform. Besonders bei Tabletten ist häufig nicht ersichtlich, ob es sich um eine “normale” Tablette ohne Überzug oder um eine Filmtablette handelt.
Auf der Faltschachtel des jeweiligen Medikaments ist jedoch immer genau beschrieben, welche Arzneiform enthalten ist. Tabletten ohne Überzug werden als “Tabletten” bezeichnet. Filmtabletten werden auch als solche ausgewiesen.
Tabletten ohne Überzug
- Die Spritze zur Sondengabe durch Herausziehen des Spritzenstempels öffnen. Die Tablette einlegen und die Spritze wieder mit dem Spritzenstempel verschließen.
- 10 bis 30 ml Wasser durch die Spritze aufziehen.
- Verschließen der Spritze mit einer Verschlusskappe.
- Die Spritze schütteln/bewegen, bis die Tablette zerfallen und eine gleichmäßige Lösung oder Suspension (= Gemisch aus Flüssigkeit und feinen Teilchen) entstanden ist.
Filmtabletten
- Die Tablette mörsern.
- Die gemörserte Tablette in ein Gefäß mit 10 bis 30 ml Wasser geben und umrühren.
- Die entstandene Lösung oder Suspension mit einer Spritze aufziehen.
- Verschließen der Spritze mit einer Verschlusskappe
- Die Spritze schütteln/bewegen, bis eine gleichmäßige Lösung oder Suspension entstanden ist.
Hartkapseln
- Die Kapsel öffnen
- Die Spritze zur Sondengabe durch Herausziehen des Spritzenstempels öffnen. Den Kapselinhalt in die Spritze geben und die Spritze wieder mit dem Spritzenstempel verschließen.
- 10 bis 30ml Wasser durch die Spritze aufziehen.
- Verschließen der Spritze mit einer Verschlusskappe
- Die Spritze schütteln/bewegen, bis eine gleichmäßige Suspension entstanden ist.

Tabletten-Mörser (Foto: Pinky En Pe | Shutterstock)
Flüssige Arzneiformen
Flüssige Arzneiformen wie Tropfen oder Säfte lassen sich einfacher über eine Sonde verabreichen. Das Medikament kann direkt, ohne vorheriges Auflösen, verwendet werden.
Doch auch bei der Verwendung von flüssigen Arzneiformen gibt es einige Punkte zu beachten.
Vor allem bei Dünndarmsonden können flüssige Arzneiformen mit bestimmten Eigenschaften Probleme verursachen. Sind Tropfen zum Beispiel besonders sauer, kann das die Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt reizen und die Verdauung der Patienten beeinträchtigen. Hier macht es Sinn, das Medikament vor der Sondengabe mit 15 bis 60 ml Wasser zu verdünnen. Auch Sirupe oder sehr dickflüssige Säfte sollten vor der Gabe verdünnt werden.
Manche flüssigen Arzneiformen enthalten weiterhin Hilfsstoffe, die Probleme verursachen können. Als Beispiel lässt sich hier ein hoher Gehalt an Sorbitol als Süßungsmittel nennen, der zu Verdauungsbeschwerden führen kann.
Werden Brausetabletten oder Granulate über eine Ernährungssonde gegeben, muss abgewartet werden, bis die Brausetablette oder das Granulat komplett zerfallen ist. Weiterhin sollte mit circa 50 ml Wasser verdünnt werden, da enthaltene Hilfsstoffe zu einer Reizung der Schleimhäute führen können.
Um Probleme bei der Verabreichung flüssiger Arzneiformen über eine Ernährungssonde von vornherein zu vermeiden, sollte auch in diesem Fall die Medikation durch qualifiziertes Fachpersonal geprüft werden.

Anweisung zur Medikamentengabe über Ernährungssonde [modifiziert nach Dolpedia.de]
Ein detailliertes Video, das die Gabe von Medikamenten über eine Ernährungssonde zeigt, findet sich auf der Website von Dolp Medical.
Was tun bei verstopfter Sonde?
Ernährungssonden müssen immer ausreichend gespült werden. Das gilt sowohl für die Gabe von Sondennahrung als auch für die Gabe von Medikamenten.
Auch unbenutzte Sonden sollten regelmäßig gespült werden, um zu vermeiden, dass die Sonde verstopft und im schlechtesten Fall neu gelegt werden muss.
Das erneute Legen einer PEG- oder PEJ-Sonde stellt einen erneuten operativen Eingriff dar.
Wichtige Hinweise
Eine verstopfte Sonde sollte nie mit mechanischen Maßnahmen wie beispielsweise der Verwendung von Drähten wieder durchgängig gemacht werden.
Ist eine Ernährungssonde verstopft, kann versucht werden, die Sonde durch mehrmaliges Spülen mit warmem Wasser wieder durchgängig zu machen.
Spülen Sie jedoch nie mit zu hohem Druck, da es zu Verletzungen im Gastrointestinaltrakt sowie Schäden an der Ernährungssonde kommen kann. Zur Vermeidung einer zu hohen Druckentwicklung, sollte zum Spülen immer mindestens eine 10-ml-Spritze verwendet werden.
Ist die Sonde auch nach einigen Spülversuchen nicht wieder durchgängig, muss ein Arzt aufgesucht werden.
Eine Spülung der Ernährungssonde mit Coca Cola oder sauren Lösungen wie Fruchtsäften sollte nicht erfolgen, da hier das Risiko besteht, die Sonde noch weiter zu verstopfen. Bei einer Dünndarmsonde kann dies zusätzlich zu gastrointestinalen Beschwerden führen.
Sie möchten eine schnelle Antwort? Dann fragen Sie unsere KI-Assistentin Lola.
- Einnahme von Medikamenten bei Schluckstörungen
- Komplikationen nach Schlaganfall
- Hilfsmittelversorgung bei Schlaganfall-Patienten

Bestellen Sie jetzt unseren Newsletter! Wir schicken Ihnen regelmäßig und kostenlos aktuelle Informationen rund zum Schlaganfall: Grundlagen-Informationen, Ratgeber, konkret umsetzbare Tipps und aktuelle Studien.
Die Zeit nach der Klinik ist für Angehörige oft die größte Herausforderung. Unser Online-Kurs führt Sie in 13 kompakten Modulen durch die Zeit danach. Der Kurs ist ein kostenfreies Angebot gesetzlicher Krankenkassen nach § 45 SGB XI.
Artikel aktualisiert am: - Nächste geplante Aktualisierung am:
Autoren
Dr. Daniela Huttner
Dr. Daniela Huttner (geborene Stelzer) ist Fachapothekerin am Klinikum der Universität München und arbeitet im Bereich klinische Pharmazie. Ihre täglichen Aufgaben umfassen die pharmazeutische Beratung und Betreuung des medizinischen Fachpersonals zu sämtlichen Fragen der klinischen Pharmazie und des praktischen Klinikalltags sowie die Erfassung und Bewertung von Patientenmedikationen.
Ihre Approbation und Promotion sowie die Weiterbildung zur Fachapothekerin für Klinische Pharmazie absolvierte sie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und am Klinikum der Universität München. Im Rahmen ihrer Promotion betreute sie lungentransplantierte Patientinnen und Patienten in einem Kooperationsprojekt zwischen dem Promotionsprogramm Klinische Pharmazie, der Krankenhausapotheke und der Abteilung für Pneumologie. Diese klinisch-pharmazeutische Information wurde von Frau Dr. Huttner in Kooperation mit der Stiftung Patient & Klinische Pharmazie erstellt.
Quellen
- Dysphagia after stroke: incidence, diagnosis, and pulmonary complications. - Autoren: Martino, Rosemary, et al. - Publikation: stroke 36.12 (2005): 2756-2763.
- Current practices in feeding tube placement for US acute ischemic stroke inpatients. - Autoren: George, Benjamin P. et al. - Publikation: Neurology 83.10 (2014): 874-882.
- Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der GESKES, der AKE, der DGN und der DGG. Klinische Ernährung in der Neurologie–Teil des laufenden S3-Leitlinienprojekts Klinische Ernährung. - Autoren: Wirth, R. et al. - Publikation: Aktuel Ernahrungsmed 2013; 38: e49–e89
- Medication administration considerations for patients receiving enteral tube feedings. - Autor: Dickerson, Roland N. - Publikation: Hospital Pharmacy 39.1 (2004): 84-90.
- Enterale Ernährung: Medikamentenapplikation über Sonden. - Autoren: Behnken, I., T. Gaschott, and J. Stein - Publikation: Zeitschrift für Gastroenterologie 43.11 (2005): 1231-1241.
- Arzneimittelapplikation über Sonde und enterale Ernährung. - Autoren: Petri, H. - Publikation: Krankenhauspharmazie 2010;31:306–330.
- Nutrition support for adults: oral nutrition support, enteral tube feeding and parenteral nutrition Clinical guideline. CG32
- Arzneimittelanwendung über Sonden. - Autoren: Pfaff A. - Publikation: Therapeutische Umschau 63.6 (2006): 423-432.
- A guide to drug therapy in patients with enteral feeding tubes: dosage form selection and administration methods. - Autoren: Beckwith, M. Christina et al. - Publikation: Hospital Pharmacy 39.3 (2004): 225-237.
- Fresenius Kabi, Medikamentengabe über Sonde. 1. Auflage, Juni 2001
- The NEWT Guidelines. Wrexham Maelor Hospital, Pharmacy Department for administration of medication to patients with enteral feeding tubes or swallowing difficulties. - URL: https://www.newtguidelines.com/PracticalPoints.html
- Dolpedia. Die herstellerunabhängige Wissensplattform rund um die enterale Ernährung. - URL: https://dolpedia.de/

