Kann roter Reis Statine ersetzen? ▷ Cholesterinsenker

Roter Reis (Rotschimmelreis) enthält den cholesterinsenkenden Wirkstoff Monacolin K(Foto: boommaval
| Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Roter Reis: pharmakologisch wirksame Inhaltsstoffe
- Ist es sinnvoll, Statine durch das Essen von rotem Reis zu ersetzen?
- Frage mit Risiko: Lieber roter Reis oder Statine?
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Roter Reis (Rotschimmelreis) enthält den cholesterinsenkenden Wirkstoff Monacolin K. Unter dem Freinamen Lovastatin ist er als LDL-Cholesterin-senkendes Statin auf dem Markt erhältlich.
Produkte, die nennenswert pharmakologisch wirksame Mengen Monacolin K enthalten, sollen laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als Arzneimittel eingestuft werden.
Die Verbraucherzentrale rät von einer Verwendung von rotem Reis zu cholesterinsenkenden Zwecken ab.
Grund dafür ist, dass keine sichere Aufnahmemenge ermittelt werden kann und die Monacolin-K-Gehalte herstellungsbedingt schwanken.
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Roter Reis: pharmakologisch wirksame Inhaltsstoffe
Roter Reis ist keine eigene Reissorte. Er entsteht durch Fermentation von weißem Reis (Oryza sativa) mit dem Schimmelpilz Monascus purpureus (Purpurmönchspilz).
Während der Fermentation entstehen sowohl der charakteristische rote Farbstoff als auch verschiedene pharmakologisch und toxikologisch wirksame Stoffe. Also Substanzen, die entweder eine therapeutische (Arzneimittel-)Wirkung auf Prozesse unseres Körpers haben oder eine schädigende.
Produkte aus fermentiertem rotem Reis oder auch Rotschimmelreis enthalten überwiegend eine Substanz, die als Monacolin K bezeichnet wird.

Monacolin K (Lovastatin). In rotem Reis, auch Rotschimmelreis genannt, steckt der cholesterinsenkende Stoff Monacolin K, der als Statin unter dem Freinamen Lovastatin bekannt ist.
Das Interessante daran in Bezug auf die cholesterinsenkende Wirkung: Monacolin K ist chemisch identisch mit einem Statin-Wirkstoff, dem Lovastatin, das den Spiegel des “schlechten” LDL-Cholesterins senken kann.1
Weil Monacolin K ab einer täglichen Dosis von 5 mg eine deutlich pharmakologische Wirkung zeigt, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dazu Stellung genommen:
Produkte mit nennenswert pharmakologisch wirksamen Mengen von Monacolin K sollen als Arzneimittel eingestuft werden.2
Ist es sinnvoll, Statine durch das Essen von rotem Reis zu ersetzen?
Seit 2022 gelten folgende Regelungen bezüglich Monacolin K aus Rotschimmelreis:
- Es dürfen höchstens 3 mg Monacolin K aus Rotschimmelreis pro Einzelportion eines Produkts für den täglichen Verzehr enthalten sein.
- Warnhinweise sind verpflichtend. Produkte mit Monacolin K müssen gekennzeichnet werden.3
Das Gremium des EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA) veröffentlichte im Februar 2025 eine Stellungnahme zur Sicherheit des Monacolin K aus Rotschimmelreis:
„Es ist anhand der vorliegenden Daten nicht möglich, einen Nachweis über die Sicherheit von Monacolin K unterhalb der Tageshöchstdosis von 3 mg zu erbringen. Zudem kann keine sichere tägliche Aufnahmemenge in Nahrungsergänzungsmitteln ermittelt werden.”
Die Verbraucherzentrale rät daher von einer Verwendung ab.4
Darüber hinaus kann es zu Wechselwirkungen mit anderen, zum Beispiel blutverdünnenden Medikamenten, kommen.
Zudem ist der Wirkstoff für bestimmte Personengruppen, darunter Schwangere und Menschen über 70 Jahre, nicht geeignet.
Effekt und Dosierung
Der cholesterinsenkende Effekt von rotem Reis mag vielleicht in entsprechender Dosierung mit demjenigen von pharmazeutisch hergestellten Statinen vergleichbar sein. Dennoch ist die Verwendung zu diesem Zweck nicht ratsam.
Eine sichere Dosierung von Rotschimmelreis-Erzeugnissen ist nicht möglich. Das liegt unter anderem daran, dass die Monacolin-K-Gehalte herstellungsbedingt unterschiedlich ausfallen können.5
Frage mit Risiko: Lieber roter Reis oder Statine?
Viele Menschen haben den Wunsch, ihre Erkrankungen auf natürliche Weise zu behandeln, statt synthetisch von der Pharmaindustrie hergestellte Medikamente einnehmen zu müssen.
6 Gründe für den Wunsch nach einer Alternative
- Angst vor Nebenwirkungen
- der Wunsch, den Körper nicht mit “Chemie” zu belasten
- Hoffnung auf bessere Verträglichkeit und sanftere Wirkung
- Wunsch nach Nachhaltigkeit und Berücksichtigung anderer Umweltaspekte
- Angst vor Medikamentenabhängigkeit
- Vertrauen in die Natur
Risikoreiche Entscheidung
Wenn Sie aus Angst vor Nebenwirkungen und Hoffnung auf bessere Verträglichkeit und sanftere Wirkung roten Reis anstelle des ärztlich verordneten Statins einnehmen, gehen Sie ein Risiko ein.
Denn durch die herstellungsbedingten schwankenden Mengen des enthaltenen Monacolin K ist keine sichere Dosierung möglich!
Lösungen im ärztlichen Gespräch finden
Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Gemeinsam können Sie eine individuell angepasste Behandlungsstrategie entwickeln.
Schlussfolgerung
Roter Reis enthält tatsächlich einen pharmakologisch wirksamen Stoff, der eine cholesterinsenkende Wirkung hat: das sogenannte Monacolin K (Lovastatin).
Die ärztlich verschriebenen Statine jedoch abzusetzen und die vorliegende Fettstoffwechselstörung stattdessen durch den Verzehr von rotem Reis zu behandeln, ist keine gute Idee.
Weder ist die Anwendung erwiesenermaßen sicher, noch kann ermittelt werden, wie viel des Wirkstoffs eigentlich genau in den Körper gelangt.
Darüber hinaus ermöglichen die unterschiedlichen Statin-Wirkstoffe, die in Deutschland zugelassen sind, eine individuelle Behandlung.
Dosisabhängig kann somit eine für Patienten angemessene Senkung des LDL-Cholesterins erzielt und Rücksicht auf die Verträglichkeit genommen werden.
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Artikel aktualisiert am: - Nächste geplante Aktualisierung am:
Autoren
Dipl.-Biol. Claudia Helbig unter Mitarbeit von Dr. med. Mark Dankhoff
Claudia Helbig ist Diplom-Human- und Molekularbiologin und hat zuvor eine Ausbildung zur Arzthelferin absolviert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Medizinischen Biochemie und Molekularbiologie hat sie Medizinstudenten in Pathobiochemie-Seminaren und Praktika betreut. Nach Ihrer Arbeit in der pharmazeutischen Forschung hat sie in einem Auftragsforschungsinstitut für klinische Studien unter anderem Visiten mit Studienteilnehmern zur Erhebung von Studiendaten durchgeführt und Texte für die Website verfasst. Mit ihrem interdisziplinären Hintergrund und ihrer Leidenschaft zu schreiben möchte sie naturwissenschaftliche Inhalte fachlich fundiert, empathisch und verständlich an Interessierte vermitteln. [mehr]
Quellen
- Roter Reis zur Cholesterinsenkung; Cardiopraxis Düsseldorf & Meerbusch; (erstellt am 04.09.2020; abgerufen am 31.03.2026) - Autor: Dr. Stefan Dierkes - URL: https://www.cardiopraxis.de/roter-reis-zur-cholesterinsenkung/
- Roter Reis - Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel? - Stellungnahme der Gemeinsamen Expertenkommission von BVL und BfArM; Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit; (erstellt am 24.02.2016; heruntergeladen am 16.10.2025) - URL: https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Fachmeldungen/01_lebensmittel/2016/2016_02_24_Expertenkommission_veroeffentlicht_Stellungnahme_%20Rotschimmelreis.html
- Stellungnahme zur Einstufung von Rotschimmelreisprodukten; Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL); (erstellt 2025; abgerufen am 16.10.2025) - URL: https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/01_Lebensmittel/expertenkommission/Dritte_Stellungnahme_Rotschimmelreis.html;jsessionid=059DDE41041DF5B9E07A7A1A5018C915.internet942?nn=11033830
- Roter Reis - ganz natürlich den Cholesterinspiegel senken?; Verbraucherzentrale NRW e. V.; (erstellt am 08.08.2025; abgerufen am 16.10.2025) - Chefredaktion (inhaltlich verantwortlich): Oliver Havlat - URL: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/roter-reis-ganz-natuerlich-den-cholesterinspiegel-senken-43467
- Mini-Review: medication safety of red yeast rice products - Autoren: André Farkouh, Christoph Baumgärtel - Publikation: Int J Gen Med. 2019 Apr 30;12:167-171 - DOI: 10.2147/IJGM.S202446

