Statine: Welche Nebenwirkungen haben sie wirklich? ▷ Fakten

Statine - eine hochwirksame und seit Jahrzehnten bewährte Medikamentengruppe (Foto: Jack_the_sparow | Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Das Wichtigste in Kürze
- Angst vor Nebenwirkungen: Ist sie berechtigt?
- Diabetes mellitus
- Demenz und geistige Verwirrung
- Muskelkrämpfe und Muskelschmerzen
- Statine: Abwägungen vor der Einnahme
- Ärztliche Beratung suchen
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Die hochwirksame und seit Jahrzehnten bewährte Medikamentengruppe der Statine wird zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte eingesetzt. Mit dem Ziel, die Arteriosklerose und damit Schlaganfälle und Herzinfarkte zu verhindern.
Wie bei jedem anderen Medikament kann die Einnahme von Statinen mit Nebenwirkungen verbunden sein, muss sie aber nicht.
Gefürchtete Nebenwirkungen wie Diabetes, Demenz oder starke Muskelschmerzen sollten immer im Einzelfall und unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit des Auftretens betrachtet werden. Beispiel: Liegen bereits vor der Statin-Einnahme grenzwertige Blutzuckerwerte vor?
Vor allem ist es wichtig, das Risiko für die Nebenwirkungen gegen den Nutzen abzuwägen.
Treten unter Einnahme von Statinen tatsächlich Nebenwirkungen auf, haben die behandelnden Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit, die Dosis anzupassen. Oder sie greifen auf andere, nebenwirkungsärmere Präparate zurück.
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Angst vor Nebenwirkungen: Ist sie berechtigt?
Viele Betroffene von hohen Blutfettwerten scheuen sich vor der Einnahme von Statinen. Aus Angst vor schwerwiegenden Nebenwirkungen.
Vor allem das mögliche Risiko, unter Einnahme von Statinen einen Diabetes, geistige Verwirrungen, Demenz und starke Muskelkrämpfe zu entwickeln, ist für sie ein Grund, Statine zu meiden.1
Aber werden die Nebenwirkungen wirklich durch die aktuelle Studienlage belegt? Und treffen sie in jedem Fall zu? Oder betreffen sie möglicherweise ausschließlich Risikopatienten? Und wie häufig treten die Nebenwirkungen auf?
Diabetes mellitus
Es ist richtig, dass Statine den Blutzuckerspiegel geringfügig steigen lassen können. Diese Blutzuckererhöhung wird allerdings in den meisten Fällen erst dann relevant, wenn der Blutzuckerspiegel schon vor der Statin-Einnahme im oberen Grenzbereich lag.2
Bei Patienten, deren Blutzuckerspiegel grenzwertig hoch ist, kann die Einnahme von bestimmten Statinen also tatsächlich zur Feststellung eines Diabetes mellitus führen.
Die verschiedenen Statine beeinflussen den Blutzuckerspiegel unterschiedlich stark. Daher haben die behandelnden Ärztinnen und Ärzte einen Spielraum bei der Wahl des geeigneten Statins für Diabetes-gefährdete Personen.3
Insgesamt ist das Risiko für die Statin-bedingte Entstehung eines Diabetes mellitus eher als gering zu bewerten. Der Nutzen hinsichtlich der Vermeidung eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts ist hingegen deutlich größer.
Darüber hinaus profitieren gerade Menschen mit grenzwertig hohen Blutzuckerwerten von der Statin-Therapie. Warum? Weil ein überschüssiger Blutzucker den Blutgefäßen ebenso schadet wie überschüssiges LDL-Cholesterin.
Statine sorgen also dafür, dass die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen von zwei auf einen reduziert werden.
Demenz und geistige Verwirrung
Der Zusammenhang zwischen Statinen und Demenz wird kontrovers diskutiert. Es gibt sowohl Studien, die eine Verbesserung der Gedächtnisleistung belegen, als auch solche, in denen eine Verschlechterung beobachtet wurde.
In einer großangelegten Studie wurden Daten von fast 19.000 Teilnehmenden im Alter von 65 Jahren oder älter ausgewertet.4 Die Patienten waren zu Studienbeginn frei von Demenz, schweren körperlichen Einschränkungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die ausgewerteten Daten stammen ursprünglich aus der ASPREE-Studie, die die Auswirkungen von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure-Einnahme bei älteren Menschen ohne die oben genannten Vorerkrankungen untersuchte.
Die Teilnehmenden wurden für die Statin-Studie in zwei Gruppen eingeteilt:
- Gruppe 1: Die Untersuchten dieser Gruppe nahmen Statine ein (31 Prozent).
- Gruppe 2: In dieser Gruppe befanden sich nur Personen, die keine Statine einnahmen (69 Prozent).
Während der Nachbeobachtungszeit von etwa 5 Jahren konnte kein erhöhtes Risiko für eine Demenz oder leichte kognitive Beeinträchtigungen bei den Statin-Anwendenden im Vergleich zu Patienten beobachtet werden, die keine Statine einnahmen.
Auch die Art der eingenommenen Statine zeigte keine unterschiedlichen Auswirkungen auf das Demenzrisiko.
Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit deuten darauf hin, dass die Einnahme von Statinen nicht mit einem höheren Demenzrisiko verbunden ist.
Diese Analyse von Beobachtungsdaten muss jedoch noch durch Studien gestützt werden, bei denen die Zuteilung der Patienten zu den Gruppen nach dem Zufallsprinzip erfolgt. Solche Studien werden als randomisierte Studien bezeichnet.
Zudem sollten noch weitere Daten von jüngeren Altersgruppen erhoben werden.
Muskelkrämpfe und Muskelschmerzen
Dass Statine Muskelkrämpfe und Muskelschmerzen verursachen, trifft in seltenen Fällen zu.
Eine Auflösung von Muskelzellen, die Rhabdomyolyse , kann in extrem seltenen Fällen nach der Einnahme von Statinen vorkommen. Konkret betrifft das weniger als 2 von 100.000 Statin-Anwendende.
Die Muskelschmerzen , von denen nach Statin-Einnahme etwa 5 bis 10 Prozent der Patienten berichten, sind grundsätzlich eher mild und verursachen keine dauerhaften Schäden. Sobald das Statin abgesetzt wird, verschwinden diese Muskelschmerzen üblicherweise.
Darüber hinaus kann nicht in jedem Fall ein Zusammenhang zwischen Muskelschmerzen und der Einnahme von Statinen hergestellt werden.
Kurz:
Es können grundsätzlich leichte Muskelschmerzen oder Muskelkrämpfe auftreten. Dennoch überwiegen in der Regel die gesundheitlichen Vorteile: angefangen bei niedrigeren Cholesterinwerten bis hin zur Vorbeugung ernster Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Statine: Abwägungen vor der Einnahme
Bei der Einnahme von Statinen können, wie bei jedem anderen Medikament auch, Nebenwirkungen auftreten. Es ist jedoch entscheidend, genauer hinzusehen.
Fragen, die vor der Einnahme gestellt werden sollten
Folgende Faktoren sollten bei der Entscheidung über die Einnahme oder Nicht-Einnahme berücksichtigt werden:
- Wie hoch ist das Risiko einer Nebenwirkung tatsächlich (Wie viele Anwendende zeigen unter realen Bedingungen tatsächlich diese Nebenwirkung?)
- Betrifft die gefürchtete Nebenwirkung potenziell alle Anwendenden oder ist das Risiko nur bei bestimmten Personen (Risikogruppen) erhöht?
- Tritt die Nebenwirkung bei allen Präparaten aus der Gruppe der Statine auf oder nur bei bestimmten Wirkstoffen?
- Sind die tatsächlich zu befürchtenden Nebenwirkungen schwer oder eher nicht?
- Überwiegt der Nutzen der Einnahme des Statins das Risiko, eine Nebenwirkung zu entwickeln (zum Beispiel, weil ein geringes Risiko für leichte Muskelschmerzen besteht, aber das Risiko für einen Schlaganfall deutlich gesenkt wird?)
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über Ihre Bedenken!
Suchen Sie das offene Gespräch. Ihre Bedenken sind nicht gänzlich unbegründet und sollten Raum finden. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Sie individuell beraten. Gemeinsam mit Ihnen kann er/sie ein Statin-Präparat finden, bei dem die Risiken für Nebenwirkungen möglichst gering sind und der Nutzen deutlich überwiegt.
Machen Sie sich immer Folgendes bewusst: Natürlich können Nebenwirkungen auftreten. Aber letztlich ist das Risiko, leichte Muskelschmerzen oder eine geringfügige Blutzuckererhöhung zu entwickeln, mit Sicherheit einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt vorzuziehen.
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Autoren
Dipl.-Biol. Claudia Helbig unter Mitarbeit von Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen
Claudia Helbig ist Diplom-Human- und Molekularbiologin und hat zuvor eine Ausbildung zur Arzthelferin absolviert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Medizinischen Biochemie und Molekularbiologie hat sie Medizinstudenten in Pathobiochemie-Seminaren und Praktika betreut. Nach Ihrer Arbeit in der pharmazeutischen Forschung hat sie in einem Auftragsforschungsinstitut für klinische Studien unter anderem Visiten mit Studienteilnehmern zur Erhebung von Studiendaten durchgeführt und Texte für die Website verfasst. Mit ihrem interdisziplinären Hintergrund und ihrer Leidenschaft zu schreiben möchte sie naturwissenschaftliche Inhalte fachlich fundiert, empathisch und verständlich an Interessierte vermitteln. [mehr]
Quellen
- Zehn verbreitete Irrtümer bei der Verschreibung von Statinen; Gelbe Liste Pharmindex; (erstellt am 08.04.2019; abgerufen am 08.10.2025) - Autor: Dr. Christian Kretschmer (Arzt) - URL: https://www.gelbe-liste.de/kardiologie/verschreibung-statine-zehn-irrtuemer
- Effects of statin therapy on diagnoses of new-onset diabetes and worsening glycaemia in large-scale randomised blinded statin trials: an individual participant data meta-analysis - Autoren: Cholesterol Treatment Trialists’ (CTT) Collaboration - Publikation: The Lancet Diabetes & Endocrinology; 2024 May; 12(5):306-319 - DOI: 10.1016/S2213-8587(24)00040-8
- Statine mit unterschiedlichem Diabetesrisiko; Deutsches Ärzteblatt; (erstellt am 24.05.2013; abgerufen am 14.10.2025) - Autorenkürzel: rme - URL: https://www.aerzteblatt.de/news/statine-mit-unterschiedlichem-diabetesrisiko-e659777c-0f3c-4550-84a6-748c264e637e
- Effect of Statin Therapy on Cognitive Decline and Incident Dementia in Older Adults - Autoren: Zhen Zhou, Joanne Ryan, Michael E. Ernst, Sophia Zoungas, Andrew M. Tonkin, Robyn L. Woods, John J. McNeil, Christopher M. Reid, Andrea J. Curtis, Rory Wolfe, Jo Wrigglesworth, Raj C. Shah, Elsdon Storey, Anne Murray, Suzanne G. Orchard, Mark R. Nelson - Publikation: Journal of The American College of Cardiology - 2021 Jun; 77(25):3145-3156 - DOI: 10.1016/j.jacc.2021.04.075

