Statine: Wer profitiert von den Cholesterinsenkern? ▷ Fakten

Wer profitiert von den Cholesterinsenkern? (Foto: Billion Photos | Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Das Wichtigste in Kürze
- Statine: Nur Profit für die Pharmaindustrie?
- Statin-Markt in Zahlen
- Folgen erhöhter Cholesterinwerte: aktuelle Studienlage
- Fazit
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Statine sind Medikamente, die erhöhte Cholesterinwerte im Blut senken sollen.
Erhöhte Cholesterinwerte sind die Hauptursache der Atherosklerose, umgangssprachlich als Verkalkung von Blutgefäßen bezeichnet. Atherosklerose wiederum ist die Hauptursache für Schlaganfälle, Herzinfarkte und Demenz.
Der Statin-Markt betrug im Jahr 2024 weltweit etwa 15 Milliarden US-Dollar.1
Die jährliche Wachstumsrate beträgt durchschnittlich 1,8 Prozent.1
Wenn alle Menschen, die eine Behandlung mit Statinen benötigen, diese Medikamente tatsächlich vorschriftsmäßig einnähmen, würde das die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich reduzieren. Eine US-amerikanische Studie zeigte, dass dadurch in den USA jährlich 65.000 Schlaganfälle verhindert werden könnten.2,3
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Statine: Nur Profit für die Pharmaindustrie?
Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien belegt, dass hohe Cholesterinwerte Schlaganfälle und Herzinfarkte durch die Atherosklerose verursachen.
Statine werden eingesetzt, wenn eine solche risikohafte Erhöhung des Cholesterins im Blut vorliegt.
Einige Menschen glauben, dass diese Medikamente nur ein umsatzstarkes Geschäft für die Pharmaindustrie sind, das durch Angstmacherei vor Schlaganfall und Herzinfarkt angekurbelt werden soll.
Was sind die Fakten?
Statin-Markt in Zahlen
Im Jahr 2024 betrug die Größe des Statinmarktes weltweit etwa 15 Milliarden US-Dollar (Global Market Statistics 2026).
Auch in Deutschland wächst der Markt für Cholesterinsenker wie die Statine stetig. Aufgrund des steigenden Bewusstseins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der immer älter werdenden Gesellschaft.4
Im weltweiten Umsatzvergleich liegt Deutschland hinter den USA, China, Japan und dem Vereinigten Königreich auf Platz 5.4
Da erscheint manchen der misstrauische Gedanke nicht völlig abwegig, dass mit Statinen ein riesiges Geldgeschäft gemacht werden soll.
Folgen erhöhter Cholesterinwerte: aktuelle Studienlage
Die aktuelle Studienlage belegt, dass erhöhte LDL-Cholesterinwerte die Entstehung von Arteriosklerose fördern. Denn die arteriosklerotischen Einlagerungen in den Gefäßwänden der Blutgefäße bestehen zum großen Teil aus Cholesterin.
Durch schädigende Reize wie Bluthochdruck, dauerhaft hohes LDL-Cholesterin, Rauchen und chronische Entzündungen kommt es zu Schäden an der inneren Auskleidung der Blutgefäße (Endothel).
Das löst eine Immunantwort aus, bei der Zellen des Immunsystems in die Gefäßwand einwandern. Diese nehmen überschüssiges LDL-Cholesterin aus dem Blut auf.
Es kommt zu (weiteren) Entzündungsreaktionen und zur Umwandlung der mit Cholesterin überladenen Immunzellen zu sogenannten Schaumzellen. Diese sind Bestandteil der arteriosklerotischen Gefäßwandeinlagerungen, die als Plaques bezeichnet werden.
Die Schaumzellen verstärken wiederum die Entzündungsreaktionen in der Gefäßwand und sorgen dafür, dass die arteriosklerotischen Plaques größer und instabiler werden.
Sie können aufbrechen (ulzerieren) und an der Aufbruchstelle Blutgerinnsel bilden. Diese können durch den Blutstrom abgelöst werden und Gefäße verschließen.
Gelangen diese Blutgerinnsel beispielsweise in hirnversorgende Gefäße mit einem geringeren inneren Durchmesser, kommt es zum Verschluss und damit zum Hirninfarkt.
Statine senken vor allem das “schlechte” LDL-Cholesterin. Dadurch wird der Entstehung von Arteriosklerose entgegengewirkt oder ihr Fortschreiten verlangsamt. Statine können daher tatsächlich dazu beitragen, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu verhindern.
Aktuelle Forschungsergebnisse US-amerikanischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen in konkreten Zahlen die Bedeutung der Statine in Bezug auf schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie den Schlaganfall oder Herzinfarkt.2,3
Sie analysierten die Daten von knapp 5.000 erwachsenen US-Bürgern.
Therapieempfehlung und Therapietreue ohne HKE-Notfall
Von allen Personen, die noch nie einen Herz-Kreislauf-Notfall hatten,
- kamen nach US-Richtlinien 47 Prozent für eine Behandlung mit Cholesterinsenkern infrage
- nahmen nur 23 Prozent, also nur knapp die Hälfte, tatsächlich cholesterinsenkende Medikamente ein
Therapieempfehlung und Therapietreue schwere HKE
Von allen Personen, die schon einmal eine schwere akute Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten,
- kamen nach US-Richtlinien 100 Prozent für eine Behandlung mit Cholesterinsenkern infrage
- nahmen nur 68 Prozent tatsächlich cholesterinsenkende Medikamente ein
Verhinderte Schlaganfälle und Herzinfarkte
Schätzungen des Forschungsteams zufolge könnte eine Schließung dieser Behandlungslücken jährlich in den USA Schlaganfälle und nicht tödliche Herzinfarkte verhindern. Und zwar:
- 65.000 Schlaganfälle und
- 100.000 nicht tödliche Herzinfarkte
Mehr noch: Die Behandlung mit Statinen kann zu einer erheblichen Kosteneinsparung im medizinischen Sektor beitragen. In den USA könnten jährlich 30,6 Milliarden US-Dollar durch eine Anpassung der tatsächlichen Statinbehandlung an die US-Richtlinien eingespart werden.
Warum? Weil weniger Behandlungskosten durch Schlaganfälle und andere schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen.
Fazit
Auch wenn die Verschreibung von Statinen mit Sicherheit ein umsatzstarkes Geschäft für die Pharmaindustrie ist, sind Statine vor allem zur Vorbeugung von schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie dem Schlaganfall oder Herzinfarkt von unschätzbarem Wert für die Patientinnen und Patienten.
Es profitiert also nicht nur die Pharmaindustrie. Es profitieren vor allem die Menschen, die aufgrund ihrer erhöhten Cholesterinwerte einem Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgesetzt sind.
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Artikel aktualisiert am: - Nächste geplante Aktualisierung am:
Autoren
Dipl.-Biol. Claudia Helbig unter Mitarbeit von Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen
Claudia Helbig ist Diplom-Human- und Molekularbiologin und hat zuvor eine Ausbildung zur Arzthelferin absolviert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Medizinischen Biochemie und Molekularbiologie hat sie Medizinstudenten in Pathobiochemie-Seminaren und Praktika betreut. Nach Ihrer Arbeit in der pharmazeutischen Forschung hat sie in einem Auftragsforschungsinstitut für klinische Studien unter anderem Visiten mit Studienteilnehmern zur Erhebung von Studiendaten durchgeführt und Texte für die Website verfasst. Mit ihrem interdisziplinären Hintergrund und ihrer Leidenschaft zu schreiben möchte sie naturwissenschaftliche Inhalte fachlich fundiert, empathisch und verständlich an Interessierte vermitteln. [mehr]
Quellen
- Statin-Markt; Global Market Statistics; (letzte Aktualisierung am 02.01.2026; abgerufen am 02.01.2026) - URL: https://www.globalmarketstatistics.com/de/market-reports/statin-market-12879
- US Public Health Gains from Improved Treatment of Hypercholesterolemia: A Simulation Study of NHANES Adults Treated to Guideline-Directed Therapy - Autoren: G. Caleb Alexander, Jill Curran, Alejandro Victores, Hemalkumar B. Mehta, Shanshan Lin, Xuya Xiao, Erin D. Michos, Jeromie Ballreich, Lori D. Bash, Jason Exter, Kathryn Foti, Seth S. Martin - Publikation: J Gen Intern Med (2025) - DOI: 10.1007/s11606-025-09625-0
- Tens of Thousands of Heart Attacks and Strokes Could Be Avoided Each Year if Cholesterol-Lowering Drugs Were Used According to Guidelines; Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health; (erstellt am 30.06.2025; abgerufen am 13.10.2025) - URL: https://publichealth.jhu.edu/2025/tens-of-thousands-of-heart-attacks-and-strokes-could-be-avoided-each-year-if-cholesterol-lowering-drugs-were-used-according-to-guidelines
- Lipidsenker - Weltweit; Statista; (abgerufen am 02.01.2026) - URL: https://de.statista.com/outlook/hmo/pharmazeutika/lipidsenker/weltweit

