Stevia und Steviolglycoside ▷ Gesund oder gefährlich?

Stevia ist eine subtropische Pflanze, in deren Blättern verschiedene süß schmeckende Stoffe stecken (Foto: HandmadePictures | Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Das Wichtigste in Kürze
- Was ist Stevia?
- Steviolglycoside
- Steviolglycoside: Auswirkung auf die Gesundheit
- Sicherheit und Verwendung von Steviolglycosiden
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Steva in der Geschichte
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Stevia ist eine subtropische Pflanze, in deren Blättern verschiedene süß schmeckende Stoffe stecken. Diese Stoffe werden als Steviolglycoside bezeichnet.
Die Lebensmittelindustrie verwendet sie als Süßungsmittel zur Herstellung verschiedener Stevia-Produkte.
Steviolglycoside haben eine 100- bis 400-mal stärkere Süßkraft als herkömmlicher Haushaltszucker (Saccharose) bei einem Energiegehalt von 0 Kilokalorien (kcal).
Die Verwendung von Steviolglycosiden wurde von großen Lebensmittelbehörden wie der europäischen EFSA und der US-amerikanischen FDA als sicher eingestuft.
Steviablätter dürfen ausschließlich in Früchte- oder Kräutertees verwendet werden, da sie als “neuartiges Lebensmittel” (Novel Food) besonderen Bestimmungen unterliegen.
Die von der EFSA festgelegte zulässige Tageshöchstdosis beträgt 4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Die Zeit nach der Klinik ist für Angehörige oft die größte Herausforderung. Unser Online-Kurs führt Sie in 13 kompakten Modulen durch die Zeit danach. Der Kurs ist ein kostenfreies Angebot gesetzlicher Krankenkassen nach § 45 SGB XI.
Was ist Stevia?
Sind Stevia und Steviolglycoside dasselbe?
Nein. Auch wenn im alltäglichen Sprachgebrauch das Süßungsmittel gerne kurz als Stevia bezeichnet wird, ist das eigentlich nicht ganz korrekt.
Denn während Stevia eine natürlich vorkommende subtropische Pflanze ist (Stevia rebaudiana Bertoni)1, besteht das beliebte Süßungsmittel aus einem Gemisch von sogenannten Steviolglycosiden.
Aus botanischer Sicht ist die Pflanze ein mehrjähriger Strauch aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae).2 Sie stammt ursprünglich aus Südamerika und wird heute in vielen Regionen der Welt (zum Beispiel in Asien, Europa und Nordamerika) angebaut.2
Von den über 200 derzeit bekannten Stevia-Arten besitzt nur Stevia rebaudiana einen süßlichen Geschmack. Daher wird sie auch manchmal als Süßkraut oder Honigkraut bezeichnet. Frische Steviablätter haben einen milden Lakritzgeschmack.3
Die als Süßungsmittel verwendeten Steviolglycoside werden in einem aufwändigen Prozess chemisch aus der Pflanze extrahiert. So wird aus dem natürlichen Rohstoff letztlich ein mittels chemischen Verfahren aufbereitetes Produkt.
Die Blätter der Stevia-Pflanze enthalten über 30 verschiedene Steviolglycoside4, die sich in ihren Mengenanteilen in den Blättern und auch in ihrem Süßegrad unterscheiden. Das Haupt-Steviolglycosid, Steviosid, besteht aus drei Glucose-Molekülen und dem Glucon-Rest, der als Steviol bezeichnet wird.

Steviolglycoside werden chemisch aus der Steviapflanze gewonnen. Neben Rebaudiosid A ist Steviosid einer der beiden Hauptbestandteile im Steviolglycosid-Gemisch “Stevia”. Insgesamt umfassen die süßen Stevia-Bestandteile acht verschiedene sogenannte Diterpenglycoside (Steviosid, Steviolbiosid, Rebaudiosid A, B, C, D, E und Dulcosid A).3
Steviolglycoside
Süßkraft und Kalorien
Steviolglycoside schmecken etwa 100- bis 400-mal süßer als handelsüblicher Haushaltszucker.5
Das Hauptglycosid Steviosid hat die 300-fache Süßkraft. Steviolglycoside haben einen Energiegehalt von 0 Kilokalorien (kcal).1,2
Steviosid hat ein ähnliches Süßeprofil wie Haushaltszucker. Es hat jedoch einen unangenehmen, menthol- beziehungsweise lakritzartigen und bitteren Nachgeschmack.3
Rebaudiosid A, das zweite Haupt-Steviolglycosid, hat diesen bitteren Nachgeschmack nicht.
Herstellung
Stevia-Süßstoffe werden aus den getrockneten Blättern extrahiert, geklärt und kristallisiert.3
Das Steviolglycosid Steviosid macht etwa 5 bis 10 Prozent des Trockengewichts der Steviablätter aus, Rebaudiosid A etwa 2 bis 4 Prozent. Dulcosid A und Rebaudiosid C sind mit 1 bis 2 Prozent weitere süße Hauptbestandteile der Blätter.
Stevia und Steviolglycoside: Verwendung
Hauptsächlich werden Steviolglycoside verwendet, um herkömmlichen Haushaltszucker (Saccharose) in Lebensmitteln zu ersetzen. Aber auch als Lösungsmittel und funktionelle Lebensmittelzutat kommen sie zum Einsatz.
Stevia in bekannten Markenprodukten
Die Coca-Cola Company startete im Jahr 2013 unter dem Produktnamen Coca-Cola Life die Produktion von Softdrinks mit Stevia als Zuckerersatz und rund 30 Prozent niedrigerem Energiegehalt (Kilokalorien).4
Diese Getränke wurden in verschiedenen Ländern weltweit angeboten, darunter auch in Deutschland. Erstmals eingeführt wurde Coca-Cola Life testweise in Argentinien und Chile.6
Nach einer Überprüfung der Marktentwicklung nahm Coca-Cola das “Life”-Produkt jedoch schrittweise vom Markt.7
Die Steviolglycoside eignen sich zum Beispiel neben ihrer Funktion als Süßungsmittel auch als natürliche Emulgatoren (Bindemittel) zur Stabilisierung von Öl-in-Wasser-Emulsionen und als Schaumbildner in Lebensmitteln.2
Stevia hat ein breites Nährstoff- und Phytochemikalienprofil und aufgrund verschiedener positiver Effekte auf die Gesundheit das Potenzial, zum Nutrazeutikum (engl. Nutraceutical) weiterentwickelt zu werden.2 Ein Nutrazeutikum ist ein Nahrungsmittel, das eine gesundheitsfördernde Wirkung besitzt, zum Beispiel einen karieshemmenden Effekt.
Nicht zuletzt findet Stevia Anwendung in Tierfutter und Düngemitteln.3
Was sind Phytochemikalien?
Phytochemikalien sind chemische Verbindungen, die natürlicherweise in Pflanzen vorkommen beziehungsweise von ihnen produziert werden. Sie sind bioaktiv (biologisch aktiv). Das heißt, sie wirken auf lebende Organismen, Gewebe oder Zellen.
Ein Beispiel sind Ballaststoffe, die sich positiv auf unsere Verdauung auswirken. Auch Polyphenole, wie sie unter anderem in Kaffee oder Kakao vorkommen, zählen zu den Phytochemikalien. Sie wirken entzündungshemmend, antioxidativ und wirken sich positiv auf unsere Darmflora aus.
Steviolglycoside: Auswirkung auf die Gesundheit
Wissenschaftliche Erkenntnisse aus mehreren Studien deuten darauf hin, dass Stevia unter anderem
- Blutzucker regulierend (antidiabetisch)
- Fettleibigkeit vorbeugend (antiobesogen)
- tumorhemmend (antitumoral)
- blutdrucksenkend (antihypertensiv)
- Bakterienwachstum hemmend (antibakteriell)
- karieshemmend und
- antioxidativ
wirkt.2

Eigenschaften von Stevia.4 Steviablätter enthalten eine Vielzahl von Steviolglycosiden, Diterpenglycosiden und phenolischen Verbindungen. Diese wirken auf unterschiedliche Weise oxidativem Stress, Entzündungen und damit auch Erkrankungen wie Adipositas, Krebs, Karies, dem metabolischen Syndrom, Diabetes, Bluthochdruck, Arteriosklerose und Nierenschäden entgegen. Die Erkenntnisse stammen bislang nur aus Zellkultur- und Tierexperimenten.
In jedem Organismus entstehen zum Beispiel freie Radikale als Folge von Stoffwechselprozessen oder durch verschiedene Stressfaktoren. Diese können unter anderem zu Krankheiten wie Krebs, Adipositas, Diabetes, Demenz oder einem Schlaganfall beitragen.
Einige Studien zeigen, dass die antioxidativen Eigenschaften von Stevia das Potenzial haben, diesen Erkrankungen vorzubeugen. Die phenolischen Verbindungen der Steviablätter können freie Radikale neutralisieren.
Wirkung auf Blutdruck und Blutzucker
Die zusammenfassende wissenschaftliche Analyse von neun Studien mit insgesamt 756 Studienteilnehmenden aus dem Jahr 2015 kam zu dem Ergebnis, dass die antidiabetischen und antihypertensiven Effekte von Steviosid nur gering sind.
Rebaudiosid A scheint gar keine nennenswerten Effekte auf den Blutdruck und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu haben.8
Bei Ratten zeigt Steviosid experimentell blutzuckersenkende Wirkungen9, indem es
- die Insulinausschüttung steigert
- die Glucosekonzentration im Blut senkt und
- die Freisetzung von Glucagon (dem Gegenspieler von Insulin) aus der Bauchspeicheldrüse hemmt.
Neben der verbesserten Insulinwirkung senkt Stevia in Tierexperimenten auch den systolischen und diastolischen Blutdruck. Es stabilisiert arteriosklerotische Plaques und verhindert, dass diese größer werden.
Wirkung auf Tumorwachstum
Der Stevia-Stoffwechsel kann zu einem niedrigeren Blutzuckerspiegel beitragen. Dadurch wird Tumorzellen eine wichtige Energiequelle entzogen. Zudem zeigt Stevia zelltoxische und wachstumshemmende Effekte auf Krebszellen und in Experimenten an Tumoren in lebenden Organismen.
Eine zuckerreiche Ernährung wird mit Adipositas in Verbindung gebracht. Diese Erkrankung gilt als unabhängiger Risikofaktor für Brust- und Darmkrebs.10 Darüber hinaus fördert ein übermäßiger Zuckerkonsum Entzündungen und oxidativen Stress im Körper. Beides ist mit der Entstehung verschiedener bösartiger Tumorerkrankungen assoziiert.
Aus diesem Grund könnte die Umstellung auf eine Ernährung mit weniger Zucker eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Krebserkrankungen spielen. Stevia als kalorienfreies Süßungsmittel kann zu einer solchen Ernährungsumstellung beitragen.
Bei der Verstoffwechselung von Stevia entsteht Glucose, die nicht in den Blutkreislauf gelangt. Indem Stevia auf diese Weise den Blutzuckerspiegel senkt und damit Risikofaktoren wie Adipositas, Entzündungen und oxidativen Stress verhindert, kann es der Entstehung von Tumoren vorbeugen.
Darüber hinaus wird durch den niedrigeren Blutzuckerspiegel auch die Versorgung von Tumorzellen mit einem wichtigen Nährstoff- und Energielieferanten eingeschränkt.
Mehrere Forschungsergebnisse deuten auf eine mit konventionellen Krebsmitteln vergleichbare zytotoxische Wirkung von Stevia hin. Das heißt, Stevia-Produkte sorgen in ähnlicher Weise für das Absterben von Tumorzellen.
Stevia-Bestandteile scheinen vor allem in den Zellzyklus der Tumorzellen einzugreifen. Das heißt, die Zellteilung wird an einer bestimmten Stelle unterbrochen und es können keine weiteren Zellen gebildet werden. Damit wird verhindert, dass geschädigte Zellen sich weiter vermehren.
Zudem leiten Stevia-Produkte in den Tumorzellen den programmierten Zelltod (Apoptose) ein. Das ist ein Schutzmechanismus, der zu stark geschädigte Zellen gezielt entfernt, ohne Entzündungen im umliegenden Gewebe hervorzurufen.
Wirkung auf die Darmgesundheit
US-amerikanische Forschende haben herausgefunden, dass das beliebte Süßungsmittel Stevia offenbar keinen negativen Einfluss auf die Darmgesundheit hat.11,12
Bislang wurden nur wenige Studien zur Untersuchung der Auswirkung von Stevia auf die Darmflora durchgeführt.
Experimente in kontrollierter Umgebung (wie einem Reagenzglas) unter definierten Laborbedingungen (in vitro) und in lebenden Organismen (in vivo) zeigen, dass die in Stevia-Extrakten enthaltenen Verbindungen die Bakterienzusammensetzung im Magen-Darm-Trakt nicht entscheidend verändern.
Steviolglycoside beeinflussen darüber hinaus anscheinend nicht unsere natürliche Darmfunktion und greifen nicht in wichtige Stoffwechselprozesse ein.
Eine im Jahr 2022 veröffentlichte Analyse mehrerer Studien zum Thema Stevia und Darmgesundheit ergab keine eindeutigen, allgemeingültigen Ergebnisse, ob Stevia eine gesunde Darmflora unterstützt oder eher ein Ungleichgewicht der im Darm lebenden Bakterien fördert.9
Im Jahr 2024 wurde eine Studie veröffentlicht, die darauf hindeutet, dass eine Gefährdung der Darmgesundheit durch Stevia sehr unwahrscheinlich ist. Die 12-wöchige Studie zeigte, dass Stevia nicht die Zusammensetzung der menschlichen Darmflora verändert.13
Ist Stevia gefährlich für Schwangere?
Der Verzehr von Stevia-Produkten, die mit Rebaudiosid A hergestellt wurden, gilt bei moderatem Konsum in der Schwangerschaft als unbedenklich.18
Allerdings sollte bei einer Empfindlichkeit gegenüber Zuckeralkoholen darauf geachtet werden, Produkte ohne Erythrit oder vergleichbare Süßungsmittel zu wählen.
Natürliche Stevia-Produkte besser nicht in der Schwangerschaft
Die Verwendung von rohem Stevia-Extrakt oder Produkten aus ganzen Stevia-Blättern ist während der Schwangerschaft hingegen nicht sicher, auch wenn sie im Gegensatz zu den hoch verarbeiteten Stevia-Alternativen natürlich sind.
Es gibt zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausreichend Belege für eine sichere Verwendung natürlicher Stevia-Produkte.
Steviolglycoside und Verdauung
Steviolglycoside können nicht von den Enzymen unseres Verdauungstraktes, die üblicherweise für die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten unserer Ernährung verantwortlich sind, gespalten werden.9
Zu diesen Enzymen zählen die Pankreas-alpha-Amylase, Pepsin und Pankreatin, die in unserem Speichel und dem Magensaft vorkommen. Steviolglycoside passieren den oberen Abschnitt des Magen-Darm-Traktes unverändert.
Durch die Darmbakterien im Dickdarm werden sie schließlich in einer Reaktion unter Abspaltung von Wasser vollständig zu Steviol und Glucose verstoffwechselt. Das Steviol wird über die Pfortader, ein großes Blutgefäß, das zur Leber führt, zur Leber transportiert und dort weiter zu Steviolglucuronid abgebaut. Die Ausscheidung erfolgt dann über die Nieren mit dem Urin.
Steviolglycoside: In der EU zugelassene Höchstmengen und Sicherheit
Verschiedene Studien belegen, dass Steviolglycoside aus Steviablättern nicht krebserregend (karzinogen) sind, keine Veränderungen im menschlichen Erbgut hervorrufen (nicht mutagen sind) und keine Fehl- oder Missbildungen beim ungeborenen Kind auslösen (nicht teratogen sind).2
Auch ist durch den einmaligen oder mehrfach täglichen Verzehr von Steviolglycosiden keine sonstige Schädigung (akute oder subakute Toxizität innerhalb von 24 Stunden bis zu mehreren Wochen) zu erwarten.2
Steviolglycoside sind aktuell in der Europäischen Union für 32 verschiedene Lebensmittelkategorien mit 42 Verwendungszwecken zugelassen.14
Stevia wird beispielsweise in zuckerfreiem Kaugummi, Senf und energiereduzierten Frühstückszerealien mit mehr als 15 Prozent Ballaststoffgehalt eingesetzt.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bewertete die Sicherheit der Steviolglycoside im Jahr 2010 und legte die zulässige Tagesdosis auf 4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht fest.
Ende 2011 erfolgte die EU-Zulassung als Lebensmittelzusatzstoff mit der Bezeichnung E 960.
Die zulässige Tagesdosis wurde auch nach Neubewertung im Jahr 2024 nicht erhöht, weil keine neuen biologischen und toxikologischen Daten vorlagen.
Die zulässigen Höchstmengen für die zugelassenen Verwendungszwecke liegen bei 20 bis 3300 Milligramm Stevioläquivalenten pro Kilogramm.
In Tafelsüßstoffen gilt der Grundsatz “Quantum satis”, was “so viel wie nötig” bedeutet. Es darf also nur so viel verwendet werden, wie für eine definierte Wirkung erforderlich ist.
Auch die US-amerikanische Lebensmittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat Stevia als sicher anerkannt.9
Verwendung von Steviakraut
In der EU dürfen Steviablätter zwar in Früchte- und Kräutertees verwendet werden, nicht jedoch in anderen Lebensmitteln.15
Steviablätter werden, egal ob frisch oder getrocknet, allgemein als “Novel Food” (neuartiges Lebensmittel) eingestuft und benötigen somit eine Zulassung, damit Hersteller sie anderweitig verarbeiten dürfen.
Auch in der Schweiz dürfen getrocknete Teile der Steviapflanze (Steviakraut) seit 2017 als Lebensmittel verkauft werden. Sie werden hier ebenfalls zur Herstellung von Früchte- oder Kräutertees verwendet.16
Für alle anderen Verwendungszwecke besteht die Bewilligungspflicht für neue Lebensmittel.
Häufige Fragen (Frequently asked questions, FAQ)
Bestehen Stevia-Produkte nur aus Steviolglycosiden?
Nein, das ist nicht immer der Fall. Häufig sind den im Handel erhältlichen Stevia-Produkten Zuckeralkohole wie Erythrit oder Xylit beigemischt, um das Volumen zu erhöhen. Denn Steviolglycoside allein haben eine zu starke, als unangenehm empfundene Süßkraft.
Verursachen Steviolglycoside Nebenwirkungen?
Nein, Steviolglycoside verursachen in der zulässigen Tagesdosis üblicherweise keine Nebenwirkungen. Die beiden großen europäischen und US-amerikanischen Lebensmittelbehörden EFSA und FDA stufen sie als “generally recognized as safe” ein und erkennen damit das Süßungsmittel allgemein als sicher an.
In seltenen Fällen können Stevia-Produkte, in denen auch Zuckeralkohole wie Erythrit enthalten sind, unter Umständen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Durchfälle verursachen. Diese sind aber eher auf die Zuckeralkohole als auf die Steviolglycoside selbst zurückzuführen.
Besteht ein Zusammenhang zwischen Stevia und Krebs?
Es gibt Hinweise darauf, dass Stevia möglicherweise der Entwicklung einiger Krebsarten vorbeugen oder deren Bekämpfung unterstützen kann.
Verschiedene Studien mit Zellkulturen und Versuchstieren zeigen, dass
- die Tumorzellen in einer bestimmten Zellzyklusphase angehalten werden und sich somit nicht teilen (vermehren) können
- der “programmierte Zelltod” (Apoptose) ausgelöst wird, um Tumorzellen zu eliminieren, ohne dass im umliegenden Gewebe eine Entzündungsreaktion hervorgerufen wird.
Wofür steht der Zusatz “a-d” bei dem Code E 960a-d für Lebensmittelzusatzstoffe?
Der Zusatz “a-d” gibt an, dass die Steviolglycoside in unterschiedlichen Herstellungsverfahren gewonnen wurden:
- E 960a: Steviolglycoside aus Stevia (die “klassischen” Steviolglycoside aus der Stevia-Pflanze)
- E 960b: Steviolglycoside aus Fermentation (Herstellung der Steviolglycoside durch Fermentation einfacher Zucker mit Hilfe der Hefe Yarrowia lipolytica)
- E 960c: Enzymatisch hergestellte Steviolglycoside (Umwandlungsprozess durch Enzyme)
- E 960d: Glykosylierte Steviolglycoside (chemisch modifizierte Steviolglycoside mit angehängten Zuckergruppen)19,20,21
Stevia: Historisches
Stevia ist den Menschen schon lange bekannt, genauer gesagt seit der Antike.
Der indigene Stamm der Guarani verwendete Stevia zur Süßung bitterer Getränke wie Mate. Sie bezeichneten Stevia als “Ka-a He-e”. Frei übersetzt bedeutet das so viel wie “süßes Gras”.4
Berichten nach kannten die Spanier Stevia bereits ab dem 16. Jahrhundert. In anderen Teilen Europas dauerte es jedoch bis ins späte 19. Jahrhundert, bis der Schweizer Botaniker Moisés Santiago Bertoni17 die Pflanze bekannt machte.4
Im Jahr 1931 isolierten die französischen Chemiker Briedel und Lavieille erstmals das süße Hauptglycosid Steviosid aus der Stevia-Pflanze.4
In Großbritannien wurde Stevia aufgrund der Zuckerknappheit und Rationierung während des Zweiten Weltkriegs häufig zum Süßen verwendet.
In den 1970er-Jahren begann die Erforschung des gesundheitsfördernden Potenzials von Stevia.4
Japan ist heute einer der größten Stevia-Produzenten weltweit.4
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Autoren
Dipl.-Biol. Claudia Helbig unter Mitarbeit von Dr. med. Mark Dankhoff
Claudia Helbig ist Diplom-Human- und Molekularbiologin und hat zuvor eine Ausbildung zur Arzthelferin absolviert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Medizinischen Biochemie und Molekularbiologie hat sie Medizinstudenten in Pathobiochemie-Seminaren und Praktika betreut. Nach Ihrer Arbeit in der pharmazeutischen Forschung hat sie in einem Auftragsforschungsinstitut für klinische Studien unter anderem Visiten mit Studienteilnehmern zur Erhebung von Studiendaten durchgeführt und Texte für die Website verfasst. Mit ihrem interdisziplinären Hintergrund und ihrer Leidenschaft zu schreiben möchte sie naturwissenschaftliche Inhalte fachlich fundiert, empathisch und verständlich an Interessierte vermitteln. [mehr]
Quellen
- Lebensmitteln mit Steviolglycosiden - Untersuchungsergebnisse 2012; Bayrisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL); (erstellt 2012, abgerufen am 01.04.2026) - URL: https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/technologien/funktionelle_lebensmittel/ue_2012_steviolglycoside.htm
- Stevia rebaudiana Bertoni.: an updated review of its health benefits, industrial applications and safety - Autoren: Jamil Ahmad, Imran Khan, Renald Blundell, Joseph Azzopardi, Mohamad Fawzi Mahamoodally - Publikation: Trends in Food Science & Technology; 2020 Jun; 100:177-189 - DOI: 10.1016/j.tifs.2020.04.030
- Stevia rebaudiana – A review on agricultural, chemical and industrial applications - Autor: Suweesha Amarakoon - Publikation: Journal of Nature and Applied Research; 2021; 1(1):14-27 - URL: https://www.researchgate.net/publication/355124847_Stevia_rebaudiana_-A_review_on_agricultural_chemical_and_industrial_applications
- Natural sweetener Stevia rebaudiana: functionalities, health benefits and potential risks - Autoren: Victoria Peteliuk, Lesia Rybchuk, Maria Bayliak, Kenneth B. Storey, Oleh Lushchak - Publikation: EXCLI Journal; 20:Doc1412; ISSN 1611-2156 - Verlag: IfADo - Leibniz Research Centre for Working Environment and Human Factors, Dortmund - DOI: 10.17179/EXCLI2021-4211
- Aspartame and Other Sweeteners in Food; U. S. Food & Drug Administration (FDA); (erstellt am 27.02.2025; abgerufen am 09.04.2026) - URL: https://www.fda.gov/food/food-additives-petitions/aspartame-and-other-sweeteners-food
- Neue Coke; Meininger Verlag; (erstellt am 06.05.2015; abgerufen am 09.04.2026) - URL: https://www.meininger.de/neue-coke
- Die grüne Coke ist gefloppt; Handelsblatt; (erstellt am 27.05.2017; abgerufen am 09.04.2026) - Autor: Christoph Kapalschinski - URL: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/coca-cola-life-die-gruene-coke-ist-gefloppt/19848846.html
- Effect of the natural sweetener, steviol glycoside, on cardiovascular risk factors: A systematic review and meta-analysis of randomised clinical trials - Autoren: Igho J. Onakpoya, Carl J. Heneghan - Publikation: European Journal of Preventive Cardiology; 2015 Dec.; 22(12):1575-1587 - DOI: 10.1177/2047487314560663
- The Effects of Stevia Consumption on Gut Bacteria: Friend or Foe? - Autoren: Arezina Kasti, Maroulla Nikolaki, Kalliopi Synodinou, Konstaninos Katsas, Konstantinos Petsis, Sophia Lambrinou, Ioannis Pyrousis, Konstantinos Triantafyllou - Publikation: Microorganisms; 2022 Mar 30; 10(4):744 - DOI: 10.3390/microorganisms10040744
- Anti-Cancer Properties of Stevia rebaudiana; More than a Sweetener - Autoren: Nikos Iatridis, Anastasia Kougioumtzi, Katerina Vlataki, Styliani Papadaki, Angeliki Magklara - Publikation: Molecules; 2022 Feb 17; 27(4):1362 - DOI: 10.3390/molecules27041362
- Produce Quality and New Uses (NP 306) 2020 Annual Report; U. S. Department of Agriculture (USDA); (erstellt 2020; abgerufen am 09.04.2026) - URL: https://www.ars.usda.gov/ARSUserFiles/np306/FY20%20NP306%20Annual%20Reports%20%20GEL%20edits%20120820.pdf
- Natural Sweetener Stevia Makes a Gutsy Comeback; U. S. Department of Agriculture (USDA); (abgerufen am 09.04.2026) - URL: https://scientificdiscoveries.ars.usda.gov/tellus/stories/articles/natural-sweetener-stevia-makes-a-gutsy-comeback
- Consumption of the Non-Nutritive Sweetener Stevia for 12 Weeks Does Not Alter the Composition of the Human Gut Microbiota - Autoren: Gurdeep Singh, Andrew J. McBain, John T. McLaughlin, Nikoleta S. Stamataki - Publikation: Nutrients; 2024 Jan 18; 16(2):296 - DOI: 10.3390/nu16020296
- Safety evaluation of the modification of the food additive enzymatically produced steviol glycosides (E 960c) - Autoren: EFSA Panel on Food Additives and Flavourings (FAF), Laurence Castle, Monica Andreassen, Gabriele Aquilina, Maria Lourdes Bastos, Polly Boon, Biagio Fallico, Rex FitzGerald, Maria Jose Frutos Fernandez, Bettina Grasl-Kraupp, Ursula Gundert-Remy, Rainer Gürtler, Eric Houdeau, Marcin Kurek, Henriqueta Louro, Patricia Morales, Sabina Passamonti, José Manuel Barat Baviera, Gisela Degen, David Gott, Lieve Herman, Jean-Charles Leblanc, Peter Moldeus, Ine Waalkens-Berendsen, Detlef Wölfle, Consuelo Civitella, Borana Dino, Simone Lunardi, Agnieszka Mech, Samuele Multari, Laura Ruggeri - Publikation: EFSA Journal; 2026 Jan; 24(1) - DOI: 10.2903/j.efsa.2026.9779
- Tee mit Steviablättern - ist das erlaubt?; Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände - Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv); Team Lebensmittelklarheit; (Stand: 15.08.2024; abgerufen am 01.04.2026) - URL: https://www.lebensmittelklarheit.de/fragen-antworten/tee-mit-steviablaettern-ist-das-erlaubt
- Stevia; Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen; (letzte Aktualisierung am 13.09.2022; abgerufen am 01.04.2024) - URL: https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/lebensmittel-und-ernaehrung/lebensmittelsicherheit/stoffe-im-fokus/inhalts-und-zusatzstoffe/stevia.html
- Bertoni, Moisés Santiago; The Palgrave Biographical Encyclopedia of Psychology in Latin America - Autorin: Tania Mendes de Oxilia Dávalos - Publikation: Springer International Publishing, Cham, 2020, Seiten 1-3 - ISBN: 978-3-030-38726-6 - DOI: 10.1007/978-3-030-38726-6_569-1
- Everything You Need to Know About Stevia; Healthline; (letzte Aktualisierung am 02.03.2020; abgerufen am 14.04.2026) - Autorin: Annette McDermott - Medizinische Prüfung: Katherine Marengo LDN, R. D. - URL: https://www.healthline.com/health/food-nutrition/stevia-side-effects
- Lebensmittelzusatzstoffe; Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA); (zuletzt aktualisiert am 14.04.2026; abgerufen am 15.04.2026) - URL: https://www.efsa.europa.eu/de/topics/topic/food-additives
- Süßungsmittel; Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA); (zuletzt aktualisiert am 08.01.2026; abgerufen am 15.04.2026) - URL: https://www.efsa.europa.eu/de/topics/topic/sweeteners
- Safety evaluation of the food additive steviol glycosides, predominantly Rebaudioside M, produced by fermentation using Yarrowia lipolytica VRM - Autoren: EFSA Panel on Food Additives and Flavourings (FAF), Maged Younes, Gabriele Aquilina, Gisela Degen, Karl-Heinz Engel, Paul Fowler, Maria Jose Frutos Fernandez, Peter Fürst, Ursula Gundert-Remy, Rainer Gürtler, Trine Husøy, Melania Manco, Wim Mennes, Sabina Passamonti, Peter Moldeus, Romina Shah, Ine Waalkens-Berendsen, Matthew Wright, José Manuel Barat Baviera, David Gott, Lieve Herman, Jean-Charles Leblanc, Detlef Wölfle, Jaime Aguilera Entrena, Civitella Consuelo, Agnieszka Mech, Salvatore Multari, Vasantha Palaniappan, Laura Ruggeri, Camilla Smeraldi, Alexandra Tard, Laurence Castle - Publikation: EFSA Journal; 2023 Dec; 21(12) - DOI: 10.2903/j.efsa.2023.8387

