Kann Ursachenforschung einem zweiten Schlaganfall vorbeugen?

Wenn man die Ursache für das Auftreten des ersten Schlaganfalls kennt, lässt sich einem zweiten Schlaganfall gezielt vorbeugen. (Illustration: Chizhevskaya Ekaterina | Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Erhöht ein Schlaganfall das Risiko für einen zweiten Schlaganfall?
- Wie kann man einem zweiten Schlaganfall vorbeugen?
- Zusammenarbeit von behandelnden Teams und Patienten
- Blutverdünner: Wie können sie einen zweiten Schlaganfall verhindern?
- Verschiedene Therapien zur Vermeidung eines zweiten Schlaganfalls
- Fazit: Ursachen erkennen und gezielt vorbeugen
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Ein Hirninfarkt oder eine transiente ischämische Attacke (TIA), erhöhen das Risiko für einen erneuten Schlaganfall.
Wenn man die Ursache für das Auftreten des ersten Schlaganfalls kennt, lässt sich einem zweiten Schlaganfall gezielt vorbeugen.
Gesunde Lebensgewohnheiten und medizinisch-therapeutische Behandlungsansätze zur Reduzierung von Risikofaktoren sind wichtige Bausteine einer effektiven Vorbeugung.
Nach einem Schlaganfall wird stets nach der Ursache gesucht. Die häufigsten Schlaganfallursachen sind eine Erkrankung der großen oder kleinen Arterien und die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern.
Je nach Ursache bestehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Senkung des Risikos für einen erneuten Schlaganfall. Durch die Kombination aus allgemeinen Maßnahmen zur Gefäßgesundheit und einer auf die Ursache abgestimmten Behandlung entsteht ein individuelles Vorsorgekonzept.
Eine standardisierte Diagnostik und individuelle Behandlungsplanung ist deshalb entscheidend für eine erfolgreiche Therapie.
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Erhöht ein Schlaganfall das Risiko für einen zweiten Schlaganfall?
Ja. Ein Hirninfarkt, der durch den Verschluss eines hirnversorgenden Blutgefäßes mit einem Blutgerinnsel verursacht wurde, erhöht das Risiko für einen erneuten Schlaganfall. So auch eine umgangssprachlich als Mini-Schlaganfall bezeichnete transiente ischämische Attacke, kurz TIA.
Die gute Nachricht ist: Man kann einem zweiten Schlaganfall gezielt vorbeugen!
Transitorische ischämische Attacke (TIA)
Die transitorische ischämische Attacke ist eine kurze, meist nur Minuten andauernde Durchblutungsstörung im Gehirn. Sie geht mit schlaganfallähnlichen Symptomen einher, die sich meist innerhalb einer Stunde wieder zurückbilden.
Die Rückbildung der Symptome ist dabei jedoch kein Anlass zur Sorglosigkeit.
Die TIA kann einem Hirninfarkt vorausgehen und ist daher als medizinischer Notfall zu behandeln.
Wie kann man einem zweiten Schlaganfall vorbeugen?
Untersuchung der Ursachen für den ersten Schlaganfall
Die aktuellen Leitlinien der American Heart Association zur Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls bei Patientinnen und Patienten mit Schlaganfall und TIA empfehlen, innerhalb der ersten 48 Stunden nach Beginn der Schlaganfall-Symptome nach den Ursachen für den ersten Schlaganfall oder die TIA zu suchen.1
In Deutschland erfolgt bei Schlaganfallsymptomen die Vorstellung in einer Notaufnahme. Bestätigt sich der Verdacht auf einen Schlaganfall oder eine TIA, werden Betroffene auf die Schlaganfallstation (Stroke Unit) aufgenommen, wo gemäß einem strukturierten Schema nach der Ursache gesucht wird.
Oft wird bei der Diagnostik auf der Stroke Unit eine bestimmte Schlaganfallursache gefunden. Manchmal gibt es jedoch auch die Situation, dass trotz intensiver Suche keine konkrete Ursache gefunden wird.
Auch in diesem Fall gibt es jedoch konkrete Empfehlungen, wie sich das zukünftige Schlaganfallrisiko senken lässt. Für die Verhinderung von weiteren Schlaganfällen (die sogenannte Sekundärprophylaxe) gibt es Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), die je nach Ursache spezifische Empfehlungen geben.3
Behandlung der Ursachen
Ein Schlaganfall oder eine transitorische ischämische Attacke kann unterschiedliche Ursachen haben. Viele von diesen Ursachen sind vermeidbar oder behandelbar.
Zu den möglichen Ursachen zählen:
- Kalkablagerungen (Plaques), die zu Verengungen in großen arteriellen Blutgefäßen von Hals oder Gehirn führen.
- Durch Bluthochdruck oder die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus verursachte Schädigung kleiner arterieller Blutgefäße.
- Herzrhythmusstörungen, in erster Linie Vorhofflimmern oder andere Herzerkrankungen.
Behandlungsstrategien in den Leitlinien
Die Leitlinien empfehlen folgende Behandlungsstrategien für Patientinnen und Patienten, die einen Schlaganfall oder eine TIA hatten:
Behandlung beziehungsweise bestmögliche Einstellung aller Risikofaktoren, die die Blutgefäße schädigen können, unter anderem:
- Bluthochdruck
- Zu hohe beziehungsweise zu stark schwankende Blutzuckerspiegel, insbesondere im Rahmen der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus vom Typ 2
- Erhöhte Blutfettwerte, darunter Cholesterin und Triglyceride
- Rauchen
Anpassung der Ernährung:
- Reduktion des Salzkonsums
- Umstellung auf eine mediterrane Ernährungsweise (Mittelmeerkost) mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Olivenöl, mäßigem Fisch- und reduziertem Fleischkonsum
Förderung der körperlichen Aktivitäten, sofern aus medizinischer Sicht möglich:
- 4-mal wöchentlich für mindestens 10 Minuten mäßige körperliche Aktivität oder
- 2-mal wöchentlich für mindestens 20 Minuten intensive körperliche Aktivität
Risikosenkung in Zahlen
Allein durch Vermeidung und Behandlung bekannter Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und Übergewicht sowie durch Aneignung gesunder Lebensweisen mit einer ausgewogenen Ernährung und ausreichender Bewegung kann das Risiko für einen Schlaganfall um etwa 80 Prozent gesenkt werden!1
Zusammenarbeit von behandelnden Teams und Patienten
Die Leitlinien empfehlen neben den genannten Maßnahmen zur Senkung des Risikos für Schlaganfälle und Herzinfarkte weitere diagnostische und therapeutische Ansätze zur gezielten Vermeidung eines zweiten Schlaganfalls.
Bei der Behandlung auf der Schlaganfallstation (Stroke Unit) und in der nachstationären Versorgung von Schlaganfallpatienten arbeiten Teams von medizinischen Fachkräften und Pflegekräften unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen.
So soll sichergestellt werden, dass jede betroffene Person die Behandlung bekommt, die am besten zu ihr passt. Das individuelle Risiko für einen erneuten Schlaganfall soll also bestmöglich gesenkt werden.
Die Wünsche, Ziele und Bedenken der Betroffenen können auf diese Weise bei der Entscheidungsfindung zur Therapie und der Erstellung des Pflege- und Therapieplans berücksichtigt werden.
Hierdurch wird ihre Bereitschaft gefördert, aktiv mitzuwirken und das Risiko für einen zweiten Schlaganfall zu senken.
Blutverdünner: Wie können sie einen zweiten Schlaganfall verhindern?
Die Leitlinien empfehlen standardmäßig für alle Patientinnen und Patienten eine medikamentöse Therapie zur Vorbeugung von Blutgerinnseln. Sofern aus medizinischer Sicht keine Gründe gegen diese Therapie sprechen.
Umgangssprachlich werden diese Medikamente als Blutverdünner bezeichnet. Man unterscheidet zwei Gruppen dieser Blutverdünner. Zum einen gibt es Thrombozytenaggregationshemmer, die das Verklumpen der Blutplättchen verhindern.
Diese Thrombozytenhemmer, von denen Acetylsalicylsäure (Handelsname: Aspirin®) der bekannteste Vertreter ist, werden als Basistherapie nach einem Schlaganfall empfohlen.
Neben den Thrombozytenhemmern gibt es die sogenannten Antikogulantien (Gerinnungshemmer). Diese hemmen direkt oder indirekt bestimmte Gerinnungsfaktoren im Blut und bremsen die Blutgerinnung so noch stärker als die Thrombozytenhemmer.
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Sind Thrombozytenaggregationshemmer und Gerinnungshemmer dasselbe?
Nein. Es handelt sich hierbei um zwei unterschiedliche Wirkstoffklassen. Umgangssprachlich werden beide häufig als Blutverdünner bezeichnet. Das macht die Unterscheidung schwierig.
Die echten Blutverdünner beziehungsweise Gerinnungshemmer werden als Antikoagulantien bezeichnet. Sie beeinflussen direkt oder indirekt die Gerinnungsfaktoren im Blut und verhindern dadurch die Entstehung von Blutgerinnseln. Bekannte Vertreter sind die Medikamente XareltoⓇ, EliquisⓇ und MarcumarⓇ (Handelsnamen).
Auch die Thrombozytenaggregationshemmer verhindern die Entstehung von Blutgerinnseln und wirken dadurch, dass sie das Verklumpen der Blutplättchen, also den Thrombozyten, verhindern.
Einer der wohl bekanntesten Vertreter dieser Wirkstoffklasse ist die Acetylsalicylsäure, die den meisten Menschen unter der Abkürzung ASS oder dem Handelsnamen Aspirin® geläufig ist.
Behandlung von Vorhofflimmern zur Schlaganfallprävention
Bei der Suche nach der Ursache eines Schlaganfalls wird gezielt nach der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern gefahndet. Sie gehört vor allem im höheren Lebensalter zu den häufigsten Ursachen eines Schlaganfalls.
Da Vorhofflimmern oft nur zeitweise auftritt und deshalb unbemerkt bleiben kann, lässt es sich häufig erst durch eine längere Überwachung des Herzrhythmus, zum Beispiel mit einem Langzeit-EKG, nachweisen.
Wird Vorhofflimmern festgestellt, ist das Risiko für einen weiteren Schlaganfall deutlich erhöht. Durch den unregelmäßigen Herzschlag gerät der Blutfluss im Herzen durcheinander. Das Blut strömt nicht mehr gleichmäßig.
Dadurch können sich leichter Blutgerinnsel bilden. Gelangen solche Gerinnsel über den Blutkreislauf ins Gehirn und verschließen dort ein Gefäß, kann es zu einem erneuten Schlaganfall kommen.
Dieses Risiko lässt sich wirksam senken, indem Gerinnungshemmer eingenommen werden. Sie verringern die Bildung von Blutgerinnseln und helfen so, einem weiteren Schlaganfall vorzubeugen.
In einigen Fällen kann auch eine Kombinationstherapie aus Blutplättchenhemmern und Gerinnungshemmern eingeleitet werden. Diese wird jedoch nicht standardmäßig zur Vorbeugung eines zweiten Schlaganfalls empfohlen, da das Risiko für Blutungen durch die Kombination deutlich steigt.
Eine doppelte Blutplättchenhemmer-Therapie mit zwei Medikamenten derselben Klasse wird üblicherweise nur kurzfristig bei Patientinnen und Patienten mit einem frühen, leichten Schlaganfall und einem hohen Risiko für transitorische ischämische Attacken oder einer starken Verengung der Blutgefäße eingesetzt.
Verschiedene Therapien zur Vermeidung eines zweiten Schlaganfalls
Bei Personen mit verengten Halsarterien, kann eine chirurgische Entfernung der Engstelle oder in seltenen Fällen der Einsatz einer als Stent bezeichneten Gefäßstütze in Betracht gezogen werden. Dadurch kann die kritische Stelle wieder geweitet und der ungehinderte Blutfluss gewährleistet werden.
Liegt eine Arterienverengung im Gehirn vor, die als Grund für den Schlaganfall oder den Mini-Schlaganfall vermutet wird, dann sollte alles für die Beseitigung möglicher Risikofaktoren getan werden. Ergänzend sollte eine kurzfristige Therapie mit zwei Thrombozytenaggregationshemmern erfolgen.
Auch ein kleiner, aber relativ häufig vorkommender Herzfehler, ein bleibendes Foramen ovale (PFO) kann für einen Schlaganfall oder eine TIA verantwortlich sein.
Vor der Geburt besteht beim ungeborenen Kind in der Trennwand zwischen dem linken und dem rechten Vorhof des Herzens eine kleine Öffnung. Diese ist notwendig, um die Sauerstoffversorgung des Embryos zu gewährleisten. Bei den meisten Menschen schließt sich diese als Foramen ovale bezeichnete Öffnung nach der Geburt. In etwa 25 Prozent schließt sich die Öffnung jedoch nicht oder nur unvollständig.
Üblicherweise stellt ein bleibendes Foramen ovale (PFO) kein Problem dar. In einigen Fällen kann jedoch ein aus dem Körper verschlepptes Blutgerinnsel über diese Öffnung in ein hirnversorgendes Gefäß gelangen und so einen Schlaganfall auslösen.
Um auszuschließen, dass über das offene Foramen ovale ein zweiter Schlaganfall auftritt, kann diese Öffnung mit einem relativ kleinen Eingriff verschlossen werden. Dazu wird ein Katheter über eine Vene von der Leiste bis zum Herzen eingeführt.
Durch diesen wird dann eine Art kleiner Schirm an die Öffnung zwischen dem linken und rechten Herzvorhof herangeführt. Über die Dauer von einigen Wochen kann körpereigenes Gewebe mit dem Schirm verwachsen und so die Öffnung dauerhaft verschließen.
Fazit: Ursachen erkennen und gezielt vorbeugen
Es gibt viele unterschiedliche Ursachen für einen Schlaganfall. Deshalb ist nach dem ersten Ereignis eine gründliche Diagnostik besonders wichtig. Nur so können gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um das Risiko für einen zweiten Schlaganfall wirksam zu senken.
Einige Maßnahmen sind für alle Patientinnen und Patienten wichtig. Unabhängig von der genauen Ursache.
Dazu zählen die konsequente Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Cholesterinwerten, der Verzicht auf Nikotin, ausreichend Bewegung sowie eine gesunde Ernährung.
Sie stärken die Gefäßgesundheit und helfen nicht nur Schlaganfällen, sondern auch anderen schwerwiegenden Erkrankungen wie Herzinfarkten vorzubeugen.
Daneben gibt es Therapien, die konkret an der individuellen Ursache ansetzen: etwa Gerinnungshemmer bei Vorhofflimmern, die operative Behandlung einer Engstelle der Halsarterie oder eine vorübergehende doppelte Plättchenhemmung bei Verengungen der Hirnarterien.
Erst durch die Kombination aus allgemeinen Maßnahmen zur Gefäßgesundheit und einer auf die Ursache abgestimmten Behandlung entsteht ein individuelles Vorsorgekonzept. Dieses bietet die beste Chance, einen weiteren Schlaganfall dauerhaft zu verhindern.
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Die Zeit nach der Klinik ist für Angehörige oft die größte Herausforderung. Unser Online-Kurs führt Sie in 13 kompakten Modulen durch die Zeit danach. Der Kurs ist ein kostenfreies Angebot gesetzlicher Krankenkassen nach § 45 SGB XI.
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Autoren
Dipl.-Biol. Claudia Helbig unter Mitarbeit von Dr. med. Johannes Heinemann
Claudia Helbig ist Diplom-Human- und Molekularbiologin und hat zuvor eine Ausbildung zur Arzthelferin absolviert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Medizinischen Biochemie und Molekularbiologie hat sie Medizinstudenten in Pathobiochemie-Seminaren und Praktika betreut. Nach Ihrer Arbeit in der pharmazeutischen Forschung hat sie in einem Auftragsforschungsinstitut für klinische Studien unter anderem Visiten mit Studienteilnehmern zur Erhebung von Studiendaten durchgeführt und Texte für die Website verfasst. Mit ihrem interdisziplinären Hintergrund und ihrer Leidenschaft zu schreiben möchte sie naturwissenschaftliche Inhalte fachlich fundiert, empathisch und verständlich an Interessierte vermitteln. [mehr]
Quellen
- Risk of second stroke can be reduced with prevention efforts based on cause of first stroke; American Heart Association (24.05.2021; abgerufen am 19.11.2024) - URL: https://newsroom.heart.org/news/risk-of-second-stroke-can-be-reduced-with-prevention-efforts-based-on-cause-of-first-stroke
- Offenes Foramen Ovale (PFO) und nicht erklärlicher Schlaganfall; Neurovaskuläres Netzwerk Nordelbe (abgerufen am 19.11.2024) - URL: https://www.nvn-nordelbe.de/patienten/seltenere-ursachen/offenes-foramen-ovale-pfo.html
- Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls, S2e-Leitlinie, 2022. - Autoren: Ringleb P., Köhrmann M., Jansen O., et al. - Publikation: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. - Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Neurologie. - URL: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 13.02.26)

