Bluthochdruck bei Kindern reduziert Lebenserwartung ▷ Studie

Die Herz-Kreislauf-Gesundheit kann schon in der Kindheit unterstützt werden (Foto: Roman Zaiets | Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Das Wichtigste in Kürze
- Informationen zur Studie
- Ablauf
- Studienergebnisse
- Schlussfolgerung
- Einordnung der Studienergebnisse
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Bluthochdruck im Alter von 7 Jahren erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter und reduziert die Lebenserwartung. Das ergab eine US-amerikanische Studie.1
Etwa jedes fünfte Kind, das an der Studie teilnahm, litt unter Bluthochdruck.
Die Herz-Kreislauf-Gesundheit kann schon in der Kindheit unterstützt werden:
- durch regelmäßige Überwachung des Blutdrucks
- und frühzeitige Behandlung eines Bluthochdrucks.
Ein Peer-Review, also die Einordnung der Studienergebnisse durch unabhängige Expertinnen und Experten desselben Fachgebiets, steht noch aus.
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Die Studie
Die Zahl der Kinder mit hohem Blutdruck steigt stetig an. Bluthochdruck ist der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor für einen Schlaganfall. Doch wie wirkt sich Bluthochdruck im Grundschulalter auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Lebenserwartung aus?
Das untersuchte eine US-amerikanische Forschungsgruppe in einer großen Studie mit siebenjährigen Kindern. Die Studienergebnisse veröffentlichte die medizinische Fachzeitschrift Journal of the American Medical Association (JAMA).1
Ablauf der Studie
Es wurden die medizinischen Daten von 37.081 Kindern mit einem durchschnittlichen Alter von 7,1 Jahren ausgewertet.
Die Mütter der Kinder nahmen zwischen 1959 und 1965 an einer großen Studie teil, die untersuchte, wie sich Schwangerschaftskomplikationen auf die Geburt und Entwicklung von Kindern auswirken.
Der Blutdruck der Kinder wurde im Alter von 7 Jahren einmalig mit einem manuellen Blutdruckmessgerät bestimmt.
Was ist ein manuelles Blutdruckmessgerät?
Das manuelle Blutdruckmessgerät ist ein Gerät zur Messung des Blutdrucks. Es besteht aus Manschette, Pumpball, Schlauch und Manometer.
Die Manschette wird am Arm der untersuchten Person angelegt und mithilfe des Pumpballs aufgepumpt.
Das medizinische Fachpersonal schiebt das Bruststück des Stethoskops unter die Manschette und hört die sogenannten Korotkow-Geräusche ab. Sie werden von der Membran des Stethoskops über den Schlauch, die Ohrbügel und das Kopfstück bis in die Ohroliven übertragen.
Die Korotkow-Geräusche setzen ein, wenn der Druck in der Manschette dem systolischen (oberen) Blutdruckwert entspricht. Ablesen kann das medizinische Fachpersonal diesen Wert mithilfe des Manometers.
Das Verstummen der Korotkow-Geräusche nach dem letzten hörbaren Ton markiert den diastolischen Blutdruckwert. Auch dieser wird auf der Manometeranzeige abgelesen.
Damit unterscheidet sich das manuelle Blutdruckmessgerät stark von digitalen Blutdruckmessgeräten.
Bei digitalen Blutdruckmessgeräten erfolgt die Messung automatisch per Knopfdruck (ohne Pumpball), und der Blutdruck wird digital (nicht mittels Manometer) angezeigt.
Ein in die Manschette integrierter Sensor ersetzt das Stethoskop.
Die manuelle Blutdruckmessung ist bei richtiger Anwendung genauer, erfordert jedoch eine geschulte Handhabung und Kenntnisse zur Interpretation.
Die systolischen (oberen) und diastolischen (unteren) Blutdruckwerte wurden in sogenannte Perzentile umgerechnet, die dem jeweiligen Alter, Geschlecht und der Körpergröße entsprechen.
Gemäß den Richtlinien der amerikanischen Akademie für Kinderheilkunde (American Academy of Pediatrics) wurden die Werte anschließend folgenden Kategorien zugeordnet:
- normal: Werte unterhalb des 90. Perzentils
- erhöht: Werte zwischen dem 90. und 94. Perzentil
- hyperton (hoch): Werte ab dem 95. Perzentil
Es wurde der Gesundheitszustand der Probanden ermittelt. Und im Falle von Verstorbenen die Todesursache bis zum Jahr 2016 und bis zum Lebensalter von 52 bis 55 Jahren.
Dazu setzten die Wissenschaftler eine leistungsstarke statistische Methode ein. So konnten sie die Daten aus Studien anhand von statistischen Wahrscheinlichkeiten mit nationalen Sterbedaten verbinden.2
Die Untersuchungen berücksichtigten Einflussfaktoren wie den Body-Mass-Index im Kindesalter, die ethnische Zugehörigkeit und den Bildungs- und Familienstand der Mutter.
Die Zusammenhänge zwischen dem Blutdruck im Kindesalter und der Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und allgemeiner Ursachen wurden untersucht.
Ergebnisse der Studie
Die Durchschnittswerte für den Blutdruck der Kinder lagen zu Studienbeginn
- systolisch bei 101,9 mmHg
- diastolisch bei 61,2 mmHg.
Etwa 21 Prozent der Kinder hatten einen Bluthochdruck.
Die Nachbeobachtungszeit erfolgte durchschnittlich bis zu einem Alter von 54 Jahren.
In dieser Nachbeobachtungszeit starben
- 487 Studienteilnehmende an Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- 2242 Studienteilnehmende an anderen Ursachen.
Schon ein geringfügig systolisch und diastolisch erhöhter Blutdruck war mit einer deutlich früheren Sterblichkeit infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Insbesondere ein Bluthochdruck im Alter von 7 Jahren.
Das höchste Risiko hatten Kinder, deren Blutdruck zu den höchsten 10 Prozent in Bezug auf Körpergröße, Alter und Geschlecht zählte.
Dieser Zusammenhang war stärker bei Männern ausgeprägt als bei Frauen.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse der in diesem Artikel diskutierten Studie unterstreichen die Bedeutung des Risikofaktors Bluthochdruck im Kindesalter. Für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die damit einhergehende reduzierte Lebenserwartung.
Bereits in einem Alter von 7 Jahren kann ein Bluthochdruck zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigem Tod im mittleren Erwachsenenalter führen.
Es ist wichtig, die frühkindliche Herz-Kreislauf-Gesundheit zu fördern. Insbesondere die regelmäßige Überwachung des Blutdrucks im Kindesalter und die frühzeitige Behandlung von hohen Blutdruckwerten können dazu beitragen.
Einordnung der Studienergebnisse
Die Studienergebnisse wurden auf den Hypertension Scientific Sessions 2025 der American Heart Association (AHA) vorgestellt. 3
Die Studie hatte einige Einschränkungen:
- Es wurde lediglich eine einzige Blutdruckmessung im Alter von 7 Jahren durchgeführt. Allerdings stimmten die Bluthochdruckraten mit national repräsentativen Daten aus demselben Zeitraum überein.
- Verschiedene Ethnien waren nur begrenzt vertreten. Daher ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf unterschiedliche Ethnien eingeschränkt.
- Die Ergebnisse waren auf Todesfälle bis einschließlich 2016 beschränkt.
Trotz der Einschränkungen liefert die Studie wichtige Erkenntnisse zur Bedeutung der frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Bluthochdruck schon im Kindesalter.
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Autoren
Dipl.-Biol. Claudia Helbig unter Mitarbeit von Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen
Claudia Helbig ist Diplom-Human- und Molekularbiologin und hat zuvor eine Ausbildung zur Arzthelferin absolviert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Medizinischen Biochemie und Molekularbiologie hat sie Medizinstudenten in Pathobiochemie-Seminaren und Praktika betreut. Nach Ihrer Arbeit in der pharmazeutischen Forschung hat sie in einem Auftragsforschungsinstitut für klinische Studien unter anderem Visiten mit Studienteilnehmern zur Erhebung von Studiendaten durchgeführt und Texte für die Website verfasst. Mit ihrem interdisziplinären Hintergrund und ihrer Leidenschaft zu schreiben möchte sie naturwissenschaftliche Inhalte fachlich fundiert, empathisch und verständlich an Interessierte vermitteln. [mehr]
Quellen
- High Blood Pressure in Childhood and Premature Cardiovascular Disease Mortality - Autoren: Alexa A. Freedman, Amanda M. Perak, Linda M. Ernst, Ann Borders, Gregory E. Miller, Norrina B. Allen, Stephen E. Gilman, Sadiya S. Khan - Publikation: JAMA. 2025 Nov 04; 334(17):1555 - DOI: 10.1001/jama.2025.14405
- Probabilistic methods in matching census samples to the National Death Index - Autoren: Eugene Rogot, Paul Sorlie, Norman J. Johnson - Publikation: Journal of Chronic Diseases. 1986 Jan; 39(9):719-234 - DOI: 10.1016/0021-9681(86)90155-4
- This Metric At Age 7 Could Predict Your Risk Of Cardiovascular Death In Mid-Life; IFLScience; (erstellt am 08.09.2025; abgerufen am 09.12.2025) - Redakteurin und Autorin: Maddy Chapman - Redakteur: Johannes Van Zijl - URL: https://www.iflscience.com/this-metric-at-age-7-could-predict-your-risk-of-cardiovascular-death-in-mid-life-80719


