Vorhofflimmern ▷ Symptome, Behandlung, Lebenserwartung, Risiko

Die medizinische Diagnostik erfolgt mithilfe eines Ruhe-Elektrokardiogramms, von Langzeit-EKG-Untersuchungen oder Event-Recordern (Foto: Minoli | Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Das Wichtigste in Kürze
- Was ist Vorhofflimmern?
- Symptome: Wie bemerkt man Vorhofflimmern?
- Verkürzt Vorhofflimmern die Lebenserwartung?
- Wie wird Vorhofflimmern festgestellt?
- Behandlung: Wie wird Vorhofflimmern therapiert?
- Was sind die Ursachen von Vorhofflimmern?
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Vorhofflimmern (VHF) ist eine häufige Herzrhythmusstörung, bei der es durch unkoordinierte und zu schnelle Bewegungen der Herzvorhöfe zu einem gesteigerten, unregelmäßigen Herzschlag kommt.
Im Gegensatz zum Kammerflimmern ist Vorhofflimmern nicht akut lebensgefährdend. Kammerflimmern ist eine akute Notfallsituation und erfordert sofortigen lebensrettenden Einsatz durch medizinisches Notfallpersonal!
Es gibt zwei Arten von Vorhofflimmern: das anfallsartige, intermittierende und das fortdauernde, persistierende oder permanente.
Symptome: Wenn Vorhofflimmern anfallsartig auftritt, spüren Betroffene meistens ein plötzlich einsetzendes Herzstolpern. Schwindel, ein Druckgefühl in der Brust, Atemnot oder Schweißausbrüche begleiten diesen Eindruck. Diese Symptome sind oft mit einem Angstgefühl verbunden.
Der häufig erheblich schnellere Herzschlag beim anfallsartigen Vorhofflimmern wird als Herzrasen empfunden.
Liegt anhaltendes Vorhofflimmern vor, bemerken die Betroffenen oft nur wenige oder geringe Symptome wie Herzstolpern oder Leistungsminderung.
Wenn die Herzrhythmusstörung frühzeitig erkannt und behandelt wird, muss die Lebenserwartung nicht beeinträchtigt sein. Voraussetzung dafür ist es jedoch, zugrunde liegende und vielleicht bisher unbekannte Herzerkrankungen zu erkennen.
Beim Vorhofflimmern besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln. Durch Verschleppung in ein hirnversorgendes Blutgefäß können diese einen ischämischen Schlaganfall beziehungsweise Hirninfarkt verursachen.
Zu den Hauptrisikofaktoren gehören Bluthochdruck, bestimmte Herzkrankheiten und die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. Aber auch übermäßiger Alkoholkonsum und Stress können eine Rolle spielen.
Wie wird Vorhofflimmern festgestellt?
Die regelmäßige Überprüfung des eigenen Herzrhythmus durch Tasten des Pulsschlags am Handgelenk ist die einfachste Methode. Auch Smartwatches, Apps und Wearables können zur Früherkennung von Vorhofflimmern dienen. Sie ersetzen jedoch keinen Arztbesuch.
Die medizinische Diagnostik erfolgt mithilfe eines Ruhe-Elektrokardiogramms, von Langzeit-EKG-Untersuchungen oder Event-Recordern. Ergänzende Untersuchungen wie Blutdruckmessung, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und gegebenenfalls ein Belastungs-EKG helfen, die Diagnose einzugrenzen.
Eine Behandlung des Vorhofflimmerns kann mit Medikamenten und in einigen Fällen auch durch kleinere Eingriffe erfolgen, um einen Herzschlag mit normaler Frequenz, seltener auch mit normalem Rhythmus wiederherzustellen.
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Was ist Vorhofflimmern?
Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern
Das Vorhofflimmern ist eine Form der Herzrhythmusstörung, die in der Arbeitsmuskulatur des Herzens auftritt.
Vor allem ältere Menschen sind hiervon betroffen, aber vermehrt auch jüngere.
Es kommt zu einer ungeregelten und zu schnellen elektrischen Erregung der Herzvorhöfe.
Charakteristische Anzeichen für das Vorhofflimmern sind beispielsweise ein Unruhe-, Beklemmungs- oder Schwindelgefühl.
Die elektrische Erregungsbildung des Herzens beginnt beim Sinusknoten, dem unabhängigen Taktgeber der Herzbewegung.1 Er befindet sich im Dach des rechten Herzvorhofs an der Mündung der oberen Hohlvene.
Die Frequenz dieses Taktgebers kann durch das vegetative Nervensystem entweder beschleunigt oder verlangsamt werden. Üblicherweise liegt die Frequenz bei gesunden Menschen in Ruhe zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute.
Im Bereich des rechten Vorhofs erzeugt der Sinusknoten normalerweise einen regelmäßigen Rhythmus, den man auch als Sinusrhythmus bezeichnet.
Beim Vorhofflimmern treten im Bereich der Vorhöfe hingegen vielfache ungerichtete, kreisende Erregungswellen mit Frequenzen > 300/min auf.
Vom Sinusknoten ausgehend erfolgt die Erregungsleitung in Richtung des Atrioventrikularknotens oder kurz AV-Knotens. Der AV-Knoten ist nach dem Sinusknoten das zweite Schrittmacherzentrum des Herzens. Er liegt im rechten Herzvorhof.
Die Bezeichnung „Knoten” ist etwas irreführend, da es sich auf die Gestalt bezogen nicht um eine knotenförmige Struktur handelt.
Der AV-Knoten fungiert als natürliche Barriere zwischen dem Herzvorhof und einer weiteren spezialisierten Herzstruktur, dem sogenannten His-Bündel. Diese Schrankenfunktion ist von enormer Bedeutung beim Vorhofflimmern und anderen Zuständen, bei denen elektrische Impulse in zu schneller Abfolge aus dem Vorhof ankommen. Denn die elektrischen Impulse werden im Folgenden an das His-Bündel und somit in die Herzkammern weitergeleitet.
Der AV-Knoten hat bei gesunden Menschen eine Eigenfrequenz von etwa 40 bis 60 Schlägen pro Minute und ist damit langsamer als die des Sinusknotens. Auch hier kann das vegetative Nervensystem entweder beschleunigend oder verlangsamend eingreifen.
Ohne die Schrankenfunktion des AV-Knotens würden ungeordnete schnelle elektrische Impulse zum Kammerflimmern führen. Dieses ist im Gegensatz zum Vorhofflimmern lebensbedrohlich!
Das His-Bündel liegt im Herzmuskel und verläuft in der Scheidewand zwischen der linken und rechten Herzseite. Es ist die Verbindung der Erregungsleitung zwischen AV-Knoten und den Herzkammern. Nach kurzem Verlauf teilt sich das His-Bündel in zwei Teile auf, die man als linken und rechten Tawara-Schenkel bezeichnet. Die beiden Schenkel verzweigen sich dann weiter zu den sogenannten Purkinje-Fasern.
Welche Arten von Vorhofflimmern gibt es?
Anfallsartiges Vorhofflimmern
Tritt Vorhofflimmern anfallsartig auf, nennt man dies auch paroxysmales oder intermittierendes Vorhofflimmern. Es hört dann nach wenigen Minuten bis wenigen Tagen wieder auf.
Fortdauerndes Vorhofflimmern
Hält das Vorhofflimmern länger an, spricht man von persistierendem Vorhofflimmern. Wenn es auch unter Therapie verbleibt, ist die Bezeichnung permanentes Vorhofflimmern.
Bei der Mehrzahl der Betroffenen mit anfallsartigem Vorhofflimmern häufen sich die Anfälle im Laufe der Zeit und gehen in anhaltendes Vorhofflimmern über. Das passiert vor allem ohne Therapie.
Vorhofflimmern als Ursache für eine absolute Arrhythmie
Vorhofflimmern ist die häufigste Ursache für die absolute Arrhythmie. Je nach Blockade und damit der Frequenz übergeleiteter Impulse an die Kammern unterscheiden wir zwischen
- normofrequenter Arrhythmia absoluta,
- langsamer Bradyarrhythmia absoluta,
- und der am häufigsten vorkommenden schnellen Tachyarrhythmia absoluta.
Was ist Kammerflimmern?
Das Kammerflimmern ist, im Gegensatz zum Vorhofflimmern, eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, bei der kein Puls mehr erzeugt wird.
Der Herzmuskel kann sich aufgrund ungeordneter elektrischer Erregungen in den Herzkammern nicht mehr rhythmisch zusammenziehen, um Blut in den Körper zu pumpen.
Kammerflimmern ist eine akute Notfallsituation und erfordert sofortigen lebensrettenden Einsatz durch medizinisches Notfallpersonal!
Symptome: Wie bemerkt man Vorhofflimmern?
Wenn Vorhofflimmern anfallsartig auftritt, spüren Betroffene meistens ein plötzlich einsetzendes Herzstolpern und haben das Gefühl, das Herz würde bis zum Hals schlagen. Schwindel, ein Druckgefühl in der Brust, Atemnot oder Schweißausbrüche begleiten diesen Eindruck.
Diese Symptome sind oft mit einem Angstgefühl verbunden. Der häufig erheblich schnellere Herzschlag beim anfallsartigen Vorhofflimmern wird als Herzrasen empfunden.
Liegt anhaltendes Vorhofflimmern vor, bemerken die Betroffenen oft nur wenige oder geringe Symptome wie Herzstolpern oder Leistungsminderung.
Verkürzt Vorhofflimmern die Lebenserwartung?
Wenn die Herzrhythmusstörung frühzeitig erkannt und behandelt wird, muss die Lebenserwartung nicht beeinträchtigt sein.
Wichtig ist neben der Arrhythmiebehandlung auch die Hemmung der Blutgerinnung zur Vermeidung eines Schlaganfalls. Bei Menschen unter 65 Jahren, die an keiner zusätzlichen Herzerkrankung leiden, ist nicht mit einer verkürzten Lebenserwartung zu rechnen.
Auch Menschen über 65 Jahre und jene mit anderweitigen Herzerkrankungen haben einen Nutzen von modernen Behandlungsmethoden, sodass gegenüber früheren Zeiten eine höhere Lebenserwartung erreicht werden kann.
Voraussetzung dafür ist es jedoch, zugrunde liegende und vielleicht bisher unbekannte Herzerkrankungen zu erkennen.
Untersuchung: Wie wird Vorhofflimmern festgestellt?
Feststellung durch Selbstkontrolle
Die regelmäßige Überprüfung des eigenen Herzrhythmus durch Tasten des Pulsschlags am Handgelenk ist die einfachste Methode, um Unregelmäßigkeiten im Herzschlag festzustellen.
Neuerdings haben sich auch Smartwatches zur Erfassung von Herzrhythmusstörungen bewährt.2 Neben der regelmäßigen Pulsmessung eignen sich auch Apps und Wearables zur Früherkennung von Vorhofflimmern.
Smartphone-Apps messen den Herzrhythmus anhand der Pulswellen in den Fingern. Dafür platziert man die Fingerkuppe eine Minute lang auf der Kameralinse des Smartphones. Das dazu geschaltete Blitzlicht macht die Pulswellen sichtbar, die die App in eine Analyse des Herzrhythmus umwandelt.
Ein Beispiel für eine solche App ist Heartbeats. Sie ist kostenlos für iOS und Android verfügbar.
Apps zur Überwachung des Herzrhythmus ersetzen nicht den Arztbesuch!
Eine abschließende Diagnose mit Verordnung einer Therapie kann nur ärztlich erfolgen.
Die App liefert aber Hinweise, ob eine Herzrhythmusstörung vorliegen kann und hilft den Nutzenden, ihren Herzrhythmus im Blick zu behalten. Insbesondere dann, wenn spürbare Symptome wie Herzrasen oder -stolpern auftreten, kann die Anwendung sehr entlastend sein.
Die Messergebnisse lassen sich innerhalb der App speichern, sodass sie bei einem späteren Arzttermin die Rhythmusstörungen dokumentieren.
Wenn Vorhofflimmern anfallsartig auftritt, kann der Arzt oder die Ärztin den Hinweisen gezielt nachgehen. Durch eine Therapie wird frühzeitig einem erhöhten Schlaganfallrisiko vorgebeugt.
Feststellung durch medizinisches Fachpersonal
Ruhe-Elektrokardiogramm
Die diagnostische Einordnung einer Herzrhythmusstörung erfolgt vor allem durch die Ableitung der Herzstromkurve mithilfe eines Elektrokardiographen, kurz EKG. Gerade bei nur kurzfristigem Auftreten des Vorhofflimmerns sind wiederholte Messungen sinnvoll.
Langzeit-Elektrokardiogramm
Es hat sich gezeigt, dass durch Langzeit-EKG-Untersuchungen beispielsweise 3 Mal an 10 Tagen dreimal häufiger Vorhofflimmern nachgewiesen wurde als mit der Standarddiagnostik.3
Heute gibt es auch im Rahmen eines kleinen Eingriffs ambulant implantierbare Event-Recorder, die kontinuierlich den Herzrhythmus aufzeichnen und auch seltene oder kürzere Episoden aufdecken.
Auf diese Weise kann auch die Effizienz therapeutischer Maßnahmen überwacht werden.
Ergänzende Untersuchungen
Zur umfassenden Diagnostik sollten folgende Untersuchungen ergänzend durchgeführt werden:
- Blutdruckmessung
- Ultraschalluntersuchung des Herzens, die sogenannte Echokardiographie
- gegebenenfalls ein Belastungs-EKG
- Überprüfung der Schilddrüsenfunktion, da eine Überfunktion das Auftreten von Vorhofflimmern begünstigen kann
- In manchen Fällen, zum Beispiel bei einem krankhaften Befund im Belastungs-EKG, ist eine Untersuchung mittels Herzkatheter notwendig.
Kombinierte Untersuchungsmethode
Ein weiteres, wissenschaftlich gut erprobtes Verfahren, mit dem Vorhofflimmern nachgewiesen werden kann, ist das Screening per App in Verbindung mit telemedizinischer und telekardiologischer Diagnostik.
Entsprechende Präventionsprogramme werden bereits von einigen Krankenversicherungen angeboten. Es handelt sich dabei um eine kostenfreie Zusatzleistung, die sich an Versicherte der besonders betroffenen Alters- und Risikogruppen richtet.
Das Verfahren war Gegenstand einer klinischen Studie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München mit 5.500 Teilnehmenden im Alter zwischen 50 und 90 Jahren.
Die Studie verglich anhand von zwei Kontrollgruppen das telemedizinisch gestützte Vorhofflimmer-Screening mit der konventionellen Symptom-basierten Untersuchungsmethode.
Im Ergebnis bestätigt die Studie: Verglichen mit der ärztlichen Routineuntersuchung wird Vorhofflimmern mit Screening-Programmen mehr als doppelt so oft erkannt und behandelt.
Fragen Sie Ihre Krankenkasse nach entsprechenden Präventionsprogrammen
Präventionsprogramme für bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden bereits von einigen Krankenversicherungen angeboten. Es handelt sich dabei um eine kostenfreie Zusatzleistung, die sich an Versicherte der besonders betroffenen Alters- und Risikogruppen richtet. Besonders an Menschen mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.
Die Teilnehmenden erhalten eine erweiterte Version der App, die ihnen bei auffälligen Messwerten innerhalb von zwei Wochen einen Termin bei einer kardiologischen Praxis des Programms vermittelt. Sie führen ein 14-tägiges Langzeit-EKG durch, das Vorhofflimmern häufiger erkennt als das übliche 24-Stunden-EKG.
Während der Tragedauer werten telemedizinische Fachkräfte Dauer und Schweregrad der Flimmerepisoden aus. Beim abschließenden Termin in der kardiologischen Praxis liegt dem Arzt oder der Ärztin ein Dossier mit allen relevanten Ergebnissen vor.
Wie wird Vorhofflimmern behandelt?
Rhythmuserhaltende medikamentöse Behandlung mit Antiarrhythmika
Die Wirkung der Antiarrhythmika, wörtlich übersetzt sind dies Substanzen gegen einen unregelmäßigen Herzschlag, beruht darauf, dass sie die elektrische Erregbarkeit von Herzmuskelzellen beeinflussen.
Zwei Ansätze der antiarrhythmischen Behandlung
Die Medikamente, die zur Behandlung des unregelmäßigen Herzschlags eingesetzt werden, können im Wesentlichen zwei Ziele verfolgen.
- Frequenzkontrolle: Das Ziel ist eine weitgehend normofrequente, das heißt, normal schnelle Arrhythmie. Das Flimmern besteht also fort, aber die Folgen des zusätzlich sehr schnellen Herzschlags auf Herzfunktion und Kreislauf werden vermindert.
- Rhythmuskontrolle: Dabei wird eine Rhythmisierung der Vorhöfe wieder hin zu einem normalen Sinusrhythmus angestrebt. Es wird also wieder Ordnung in das Erregungschaos der Herzvorhöfe gebracht. Die Rhythmuskontrolle ist zweifellos schwieriger zu erreichen, insbesondere bei schon länger anhaltendem Vorhofflimmern.
Bisher konnte in Studien kein sicherer prognostischer Vorteil der kombinierten Rhythmus- und Frequenzkontrolle gegenüber der reinen Frequenzkontrolle nachgewiesen werden. Dennoch sollte sie gerade bei frühem paroxysmalem Vorhofflimmern angestrebt werden, auch im Hinblick auf die Komplikationen der Arrhythmie.
- Welches Antiarrhythmikum das geeignete ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: Welches Ziel wird verfolgt, Frequenz- oder Rhythmuskontrolle?
- Liegen weitere Erkrankungen von Herz, Leber oder Niere vor, die die Anwendung gewisser Antiarrhythmika einschränken oder gar verbieten?
- Und wie werden die einzelnen Substanzen vertragen?
Wichtig sind also eine individuelle Einstellung, eine vorsichtige Dosierung und regelmäßige Kontrolluntersuchungen gewisser Blutwerte und durch ein EKG.
Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten
Gerinnungshemmende Medikamente, die auch gerne Blutverdünner genannt werden, heißen im medizinischen Sprachgebrauch Antikoagulantien. Sie sorgen dafür, dass bestimmte Bestandteile des Blutes nicht so leicht aneinanderhaften.
Damit schützen sie vor der Bildung von Blutgerinnseln und vermindern das Risiko für das Auftreten von Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Lungenembolien, die durch Blutgerinnsel verursacht werden.
Als Antikoagulantien, die bei Vorhofflimmern zum Schutz vor einer Gerinnselbildung eingesetzt werden, stehen unterschiedliche Substanzen zur Verfügung.
Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten
Vitamin-K-Antagonisten werden bereits seit vielen Jahren eingesetzt. Bekannte Vertreter dieser Wirkstoffgruppe heißen:
- Phenprocoumon/MarcumarⓇ,
- FalithromⓇ oder
- Warfarin/CoumadinⓇ.
Ihre Wirksamkeit beruht darauf, dass viele die Blutgerinnung fördernde Substanzen Vitamin K benötigen, um in der Leber gebildet zu werden. Wird ein Gegenspieler, ein sogenannter Antagonist des Vitamin K eingesetzt, so werden diese Substanzen in geringerem Ausmaß gebildet. Die Folge: eine Gerinnselbildung wird erschwert.
Das Ausmaß der Gerinnungshemmung ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden, sodass sehr unterschiedliche Dosierungen erforderlich sein können. Daher muss der Therapieeffekt regelmäßig durch Bestimmung des INR-Wertes (früher: Quick-Wert) im Blut gemessen werden.
Da Vitamin K in vielen Nahrungsmitteln wie in grünem Salat oder Kohlgemüse vorkommt, kann die Ernährung die Wirksamkeit der Vitamin-K-Antagonisten beeinflussen.
Wegen der aufwendigen und oft unzuverlässigen Kontrollen der Blutgerinnung wurden die Vitamin-K-Antagonisten weitgehend durch die sogenannten nicht-Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien, kurz NOAK, abgelöst.
Neuere Behandlungsstrategien mit nicht-Vitamin-K-Antikoagulantien (NOAK)
Seit einigen Jahren gibt es unter anderem die NOAK:
- Apixaban/EliquisⓇ
- Dabigatran/PradaxaⓇ
- Edoxaban/LixianaⓇ
- Rivaroxaban/XareltoⓇ
Diese Medikamente nehmen direkten Einfluss auf die Wirkung einzelner Faktoren der Blutgerinnung. Sie sind in einer Standarddosis verfügbar. Die Bestimmung des Ausmaßes der Blutgerinnungshemmung durch Blutuntersuchungen ist in der Regel nicht nötig.
NOAK haben zudem den Vorteil, dass sie genauso effektiv wirken wie die Vitamin-K-Antagonisten, während das Risiko für eine Blutung, beispielsweise eine Hirnblutung, geringer ist. Dies ist offensichtlich dadurch bedingt, dass sie einen gezielteren Angriffspunkt in der Gerinnungshemmung haben.
Bei der Einnahme von NOAK sollten die Nierenwerte regelmäßig kontrolliert werden, da diese Substanzen überwiegend über die Niere wieder ausgeschieden werden. Verschlechtert sich die Nierenfunktion, kann es zu einer Ansammlung der Medikamente im Körper kommen, mit der Gefahr von Nebenwirkungen in Form einer erhöhten Blutungsneigung.
Behandlung mit speziellem Eingriff: Die Katheter-Ablation
Die als Katheter-Ablation bezeichnete Abtragung beziehungsweise Verödung am Herzmuskelgewebe verfolgt das Ziel, das Vorhofflimmern zu beenden und wieder einen normalen Sinusrhythmus herzustellen.
Da das Vorhofflimmern nicht wie viele andere Rhythmusstörungen einen definierten Ursprung hat, ist die Ablation hier anspruchsvoller.
Es werden letztlich potenzielle Ursprünge an den Einmündungen der Lungenvenen in den linken Vorhof mittels Hitze oder Kälte ausgeschlossen. Und es werden Grenzlinien in den Vorhöfen gezogen, die die Ausbreitung der kleinen ungeordneten Wellen begrenzen und die elektrische Ausbreitung wieder in eine einheitliche Richtung lenken.
Damit kann wieder ein Sinusrhythmus hergestellt werden. Der Vorhof transportiert wieder geordnet Blut in die Herzkammer.
Der Erfolg einer solchen Katheter-Ablation hängt wesentlich von der Dauer des Vorhofflimmerns und auch von der Vergrößerung der Vorhöfe ab. In einigen Fällen ist eine zweite Ablation erforderlich.
Bei langem Verlauf und Vergrößerung der Vorhöfe über eine gewisse Grenze hinaus kehrt auch dann die Arrhythmie wieder.
Wichtig zur Erfolgskontrolle sind nicht nur (Langzeit-)EKGs, sondern auch Ultraschalluntersuchungen des Herzens, um die Arbeit der Vorhöfe zu beurteilen. Denn bewegen sich die Vorhofwände auch bei Sinusrhythmus im EKG nicht wieder ausreichend, kann es weiterhin zu Gerinnselbildungen kommen.
Dann ist eine Fortsetzung der Gerinnungshemmung erforderlich.
Nach komplexen oder wiederholten Ablationen werden heute Event-Recorder eingesetzt. Damit lässt sich das Wiederauftreten eines paroxysmalen Vorhofflimmerns ausschließen oder erkennen, da auch dies sich auf die Gerinnungstherapie auswirken würde.
Gleichzeitige Behandlung von zusätzlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Um weitere Schäden am Herz möglichst gering zu halten, sollten zusätzlich vorliegende Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems behandelt werden.
Dazu gehören eine medikamentöse Behandlung von Bluthochdruck, der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus, einer Herzmuskelschwäche oder einer anderen Herzerkrankung.
Wichtig ist auch eine Änderung des Lebensstils durch Reduktion von Übergewicht, Einschränkung des Alkoholkonsums, Beenden des Rauchens und regelmäßige Bewegung.
Eingriff mittels Vorhofohrverschluss
Etwa 90 Prozent aller Blutgerinnsel, die sich bei Vorhofflimmern im Herzen bilden, entstehen im Vorhofohr. Das ist eine Ausstülpung im linken Vorhof.
Durch das Ausschalten dieser Struktur soll der Ort der Gerinnselbildung entfernt und damit eine Verschleppung von Gerinnseln verhindert werden.
Ein Vorhofohrverschluss kann sinnvoll sein, wenn eine dauerhafte Einnahme einer gerinnungshemmenden Medikation nicht möglich ist. Das kann der Fall sein, wenn das Risiko für das Auftreten von Blutungen sehr hoch ist oder Unverträglichkeiten gegenüber gerinnungshemmenden Medikamenten vorliegen.
Was ist ein Vorhofohrverschluss?
Das Vorhofohr ist eine beutelförmige Ausstülpung am linken Herzvorhof. Diese kann verschlossen werden, um eine Entstehung von Blutgerinnseln an diesem Ort zu vermeiden.
Ablauf: Ein von der Leistenvene aus eingebrachter Katheter wird durch ein Durchstechen der Herzscheidewand vom rechten Vorhof in den linken Vorhof eingebracht. Über diesen Katheter wird ein als Occluder bezeichnetes Verschluss-System in den Hals des Vorhofohres implantiert. Damit wird die Ausstülpung des Herzohres verschlossen.
So können in diesem Bereich keine Gerinnsel mehr entstehen.
Da der Occluder erst in das Herz einwachsen muss, um einen kompletten Verschluss zu sichern, benötigen Patientinnen und Patienten in den ersten 6 Monaten nach dem Eingriff noch weiterhin eine blutverdünnende Medikation.
Erst nach einer Kontroll-Ultraschalluntersuchung, die einen kompletten Verschluss beweist, darf die Gerinnungshemmung endgültig abgesetzt werden.
Die Entscheidung, für welche Betroffenen dieses Verfahren geeignet ist, muss immer im Einzelfall und nach ausführlicher fachärztlicher Beratung erfolgen. Die Kardiologin oder der Kardiologe sollte mit dem Verfahren gut vertraut sein.
Was sind die Ursachen von Vorhofflimmern?
Für die Entstehung von Vorhofflimmern gibt es keine einheitliche Ursache. Man unterscheidet zwischen valvulärem und nicht-valvulärem Vorhofflimmern.
Valvuläres, die Herzklappen betreffendes Vorhofflimmern
Beim valvulären Vorhofflimmern durch Erweiterung der Vorhöfe sind Erkrankungen an den Herzklappen verantwortlich. Das betrifft vor allem die zweizipflige Segelklappe (Mitralklappe), aber auch die Aortenklappe und seltener die dreizipflige Segelklappe (Trikuspidalklappe).
Nicht-valvuläres Vorhofflimmern ohne Beteiligung der Herzklappen
Beim nicht-valvulären Vorhofflimmern spielen unterschiedliche Risikofaktoren eine Rolle, die wir auch bei anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen finden. Neben dem schon angesprochenen Alter besonders der Bluthochdruck, aber auch die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus, Übergewicht und die koronare Herzkrankheit.
Somit beinhaltet die Therapie des Vorhofflimmerns auch die Diagnostik und Behandlung dieser Herz-Kreislauf-Risikofaktoren.
Welche Risikofaktoren gibt es für das Vorhofflimmern?
Vorhofflimmern nimmt mit zunehmendem Lebensalter an Häufigkeit zu.
Bei valvulären Vorhofflimmern sind Erkrankungen an den Herzklappen ursächlich.
Nicht-valvuläres Vorhofflimmern wird durch die typischen Risikofaktoren für eine Herzerkrankung verursacht, beispielsweise
- die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus
- Bluthochdruck
- Übergewicht
Risikofaktoren für ein Vorhofflimmern können auch gewisse Herzkrankheiten selbst sein:
- eine als Herzinsuffizienz bezeichnete Herzmuskelschwäche
- Verengungen der Herzkranzgefäße im Rahmen der koronaren Herzerkrankung, kurz KHK
- ein Herzinfarkt in der Vergangenheit
- als Myokarditis bezeichnete Herzmuskelentzündungen
Alkoholmissbrauch als unterschätzter Risikofaktor
Studien haben wiederholt einen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und der Häufigkeit von Vorhofflimmern gefunden.
Eine vor einigen Jahren veröffentlichte Metaanalyse, also eine statistische Zusammenfassung der Daten aus vielen Einzeluntersuchungen, bezifferte den Anstieg des relativen Risikos, an Vorhofflimmern zu erkranken, auf 8 Prozent pro 12 Gramm Alkohol.
Das entspricht 0,3 Litern Bier oder 0,125 Litern Wein pro Woche.
2 Mal täglich Alkohol: Risikopotenzial für Vorhofflimmern
Bereits 2 alkoholische Getränke pro Tag verdoppeln das Risiko für Vorhofflimmern.
Immer noch kontrovers diskutiert wird, ob Alkohol primär ursächlich oder auslösend ist. Unabhängig davon sollte Alkohol besonders von Menschen in der Risikogruppe gemieden werden.
Atemaussetzer im Schlaf: erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern
Das Schlaf-Apnoe-Syndrom, eine schlafbezogene Atmungsstörung, die zu nächtlichen Atemaussetzern führt, kann das Auftreten einer Herzinsuffizienz begünstigen. Diese Erkrankung ist wiederum ein Risikofaktor für Vorhofflimmern.
Ambulante Polysomnographie bei Schlaf-Apnoe-Syndrom
Mit der sogenannten Polysomnographie, kurz PSG, können zahlreiche verschiedene biologische Prozesse im Schlaf überwacht werden. Unter anderem auch der Atemfluss durch Mund und Nase.
Besonders beim Schlaf-Apnoe-Syndrom bietet sich eine regelmäßige Kontrolle mittels PSG an. Diese muss heutzutage nicht mehr zwangsläufig in einem Schlaflabor erfolgen, sondern ist bequem im häuslichen Umfeld mit kleinsten Geräten möglich.
In diesem Fall werden Sie unter ambulanten Bedingungen mit dem Messgerät verkabelt, schlafen in Ihrem gewohnten Umfeld und bringen das Gerät anschließend zur Auswertung durch einen Schlafmediziner zurück. Dieser wertet Ihre Daten aus und erstellt ein Schlafprofil.
Bei bereits festgestelltem Schlaf-Apnoe-Syndrom kann die Therapie dann mit einem sogenannten CPAP-Gerät erfolgen.
Die Abkürzung CPAP steht für continuous positive airway pressure. Das bedeutet, dass das Gerät einen gleichmäßigen Luftstrom über eine Maske abgibt, um die Atemaussetzer auszugleichen. Hierdurch werden die oberen Atemwege freigehalten.
Selten kommt es auch zu einer familiären Häufung von Vorhofflimmern, die Anlage dazu kann also vererbt sein.
Zusammenhang zwischen Vorhofflimmern und Schlaganfall
Bei Vorhofflimmern besteht das Risiko, dass sich im Herzen Blutgerinnsel, sogenannte Thromben, bilden.
Vorhofflimmern bewirkt, dass die Muskulatur der Herzvorhöfe nicht mehr rhythmisch das Blut in Richtung der Kammern pumpt, sondern sich völlig unkoordiniert in Form kleinster Wellen bewegt.
Durch das Fehlen der koordinierten Bewegung fließt das Blut sozusagen nur noch passiv durch die Vorhöfe und wird von den Kammern in der als Diastole bezeichneten Herzruhephase angesogen.
Dabei können sich am Rand, an den praktisch stillstehenden Wänden der Vorhöfe oder im Vorhofohr, Blutgerinnsel bilden.
Diese Blutgerinnsel werden dann mit dem Blutstrom in die Blutbahn des Körpers ausgeschwemmt und können in unterschiedlichen Organen zu Durchblutungsstörungen führen, indem sie Blutgefäße verstopfen.
Es entstehen dann sogenannte Ischämien oder Infarkte.
Wenn Gefäße verschlossen werden, die das Gehirn mit Blut versorgen, kommt es zu einer Mangeldurchblutung und damit Sauerstoffversorgung in einer Hirnregion. In diesem Fall wird von einem ischämischen Schlaganfall oder einem Hirninfarkt gesprochen.
Vorhofflimmern als Risikofaktor für einen Schlaganfall
Das Vorhofflimmern ist eine sehr häufige, oft unerkannte und gefährliche Rhythmusstörung des Herzens und verantwortlich für viele Schlaganfälle. Bei Vorhofflimmern sind die Pausen zwischen den Herzschlägen ganz unterschiedlich lang.
Bei Vorhofflimmern können im Herzen Blutgerinnsel entstehen, die mit dem Blutstrom in den Körperkreislauf gelangen. Arterien, die das Gehirn mit Blut versorgen, können hierdurch verstopft werden. Man spricht dann von einer Thromboembolie, die einen Hirninfarkt verursachen kann.
In Deutschland leben fast 2 Millionen Menschen mit Vorhofflimmern. Pro Jahr kommt es bei 40.000 bis 50.000 von ihnen zu einem Schlaganfall.
Vorhofflimmern tritt oft unbemerkt das heißt, ohne Beschwerden auf. Deshalb wird es oft, wie erst nach einem Schlaganfall, zu spät erkannt und behandelt.
Da Vorhofflimmern oft nur über Stunden oder Tage auftritt, entzieht es sich leicht der Diagnose. Deshalb ist es wichtig, dass Sie selbst lernen, Ihren Puls zu beobachten, auch wenn Sie keine Beschwerden haben.
So ertasten Sie Vorhofflimmern selbst
Sie können Vorhofflimmern durch regelmäßiges Pulstasten selbst feststellen. Dazu braucht es zunächst keine ärztliche Unterstützung. Wichtig ist, immer mal wieder den Puls zu tasten:
Legen Sie zwei Fingerspitzen mit leichtem Druck auf das pulsierende Blutgefäß an der Innenseite des Handgelenks und spüren Sie eine Minute lang Ihren Herzrhythmus.
Ist der Pulsschlag regelmäßig? Wenn nicht, sollten Sie unverzüglich eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus aufsuchen.
Ungefährlich sind gelegentlich auftretende, harmlose Stolperer oder Extraschläge des Herzens. Der medizinische Fachbegriff für solche zusätzlichen Herzschläge ist Extrasystole.
Die Prävention eines Schlaganfalls bei Vorhofflimmern erfolgt meist mit Medikamenten, die die Bildung von Blutgerinnseln hemmen. Umgangssprachlich werden sie auch Blutverdünner genannt. Hier bestehen vonseiten unserer Patientinnen und Patienten oft massive und unbegründete Vorbehalte. Lassen Sie sich ärztlich beraten, um Ihre Bedenken auszuräumen.
CHA2DS2-VASc-Score zur vereinfachten Einschätzung des Schlaganfallrisikos
Vorhofflimmern ist einer der Hauptrisikofaktoren für einen Schlaganfall. Dieses Risiko ist jedoch nicht für jeden Patienten mit Vorhofflimmern gleich groß. Vielmehr hängt es davon ab, welche weiteren Risikofaktoren neben dem Vorhofflimmern noch vorliegen: beispielsweise ein fortgeschrittenes Lebensalter, Bluthochdruck oder die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus.
Um eine geeignete Behandlungsstrategie zu entwickeln, ist eine zuverlässige und einfache Einschätzung erforderlich, mit der das individuelle Risiko bestimmt werden kann.
Es gibt hierfür zahlreiche Risiko-Bewertungsinstrumente. Die meisten beziehen zwischen vier und acht Risikofaktoren in die Bewertung ein. Besonders häufig werden bei diesen Bewertungsinstrumenten Informationen zu vergangenen Schlaganfällen beziehungsweise transitorischen ischämischen Attacken, Lebensalter, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit verwertet.
Alle bekannten Risiko-Bewertungssysteme haben unterschiedliche Einschränkungen. Bislang wurde das sogenannte CHA2DS2-VASc-System als sehr zuverlässig eingestuft und ist daher für die Risikobewertung bei Vorhofflimmern von großer Bedeutung.
Was ist der CHA2DS2-VASc-Score?
Der CHA2DS2-VASc-Score ist ein punktbasiertes Risiko-Bewertungssystem, das zur Einschätzung des Schlaganfallrisikos und im Folgenden als Entscheidungshilfe für eine Therapie mit blutverdünnenden beziehungsweise gerinnungshemmenden Medikamenten bei Patienten mit Vorhofflimmern eingesetzt wird.
Das Bewertungsinstrument wurde im Jahr 2010 von einem Expertengremium auf der Basis wissenschaftlicher Studien als Weiterentwicklung des klassischen CHADS2-Systems eingeführt.4 Die einzelnen bewerteten Risikofaktoren für den Schlaganfall werden anhand des Scores mit bestimmten Punktzahlen bewertet. Mit steigender Punktzahl steigt auch das Risiko des Patienten mit Vorhofflimmern für einen Schlaganfall.
Die Abkürzung CHA2DS2-VASc steht für:
| EN | D | Wert | |
|---|---|---|---|
| C | Congestive heart failure | Herzschwäche mit eingeschränkter Pumpleistung des Herzens | 1 |
| H | Hypertension | Bluthochdruck | 1 |
| A2 | Age ≥ 75 | Alter von oder über 75 | 2 |
| D | Diabetes mellitus | Zuckerkrankheit Diabetes mellitus | 1 |
| S2 | Stroke/TIA/Thromboembolism | Schlaganfall, Mini-Schlaganfall (TIA), verschlepptes Blutgerinnsel | 2 |
| V | Vascular disease | Gefäßerkrankung | 1 |
| A | Age 65 to 74 | Alter zwischen 65 und 74 | 1 |
| Sc | Sex category (i. e. female gender) | Kategorie Geschlecht (d. h. weibliches Geschlecht) | 1 |
Das CHA2DS2-VASc-Bewertungssystem zur Risikoeinschätzung für einen Schlaganfall bei Menschen mit Vorhofflimmern.3
Die im November 2024 aktualisierten Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) zur Behandlung von Vorhofflimmern empfehlen eine geschlechtsunabhängige zeitgemäße Variante des bisherigen CHA2DS2-VASc-Systems. Denn dem Einfluss des weiblichen Geschlechts wird als Risikofaktor nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen nur eine geringe Bedeutung beigemessen.
Das empfohlene System wird als CHA2-DS2-VA-Score bezeichnet. Bei einem Score von mehr als einem Punkt wird nach den neuen Leitlinien nun geschlechtsunabhängig die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten empfohlen.5
Wie häufig ist Vorhofflimmern?
Vom Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. wird Vorhofflimmern als Volkskrankheit bezeichnet.
Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Ursachen für Schlaganfälle. In Deutschland waren im Jahr 2020 über 2 Millionen Menschen betroffen. Dazu kommt eine Dunkelziffer von Personen, bei denen ein nicht erkanntes und damit auch nicht behandeltes Vorhofflimmern vorliegt.
Aufgrund der zunehmenden Alterung der Bevölkerung und der Zunahme von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus und Übergewicht wird sich die Zahl der Betroffenen in den kommenden 50 Jahren voraussichtlich verdoppeln.
Jährlich kommt es zu 40.000 bis 50.000 Schlaganfällen durch Vorhofflimmern.
Die Häufigkeitsverteilung nach Alter und Geschlecht ist in der untenstehenden Abbildung dargestellt. Männer sind insgesamt etwas häufiger betroffen. Auf jeden Fall ist Vorhofflimmern keine Alterskrankheit. Aber das Alter ist der größte Risikofaktor.

Diagramm: Häufigkeit von Vorhofflimmern nach Alter und Geschlecht
Zusammenfassung
Vorhofflimmern ist eine sehr häufige Herzrhythmusstörung und ein Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle.
Es tritt oft nur kurzzeitig auf und ist dann nur mit großem und konsequentem apparativen Aufwand nachzuweisen. Dieser Aufwand lohnt sich allerdings sehr, da durch die folgende medikamentöse Therapie viele Schlaganfälle verhindert werden können.
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- Interview: Dr. med. Georges von Degenfeld zum Thema Vorhofflimmern

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Autoren
unter Mitarbeit von Dr. med. Christina Rückert
Prof. Dr. med. Rainer Moosdorf widmet sich seit mehr als 35 Jahren der Herz- und Gefäßchirurgie. Die Schwerpunkte innerhalb der Herz- und Gefäßchirurgie sind Laser- und Arrhythmiechirurgie, endovaskuläre Verfahren einschließlich TAVI’s und endovaskuläre Rekonstruktionen des Aortenbogens, rekonstruktive Chirurgie der Herzkranzgefäße und noch einige Arten der “Französischen Korrektur”. Als Vorstandsvorsitzender des “Medizinischen Netzwerks Hessen” ist er offizieller Vertreter des Landes Hessen auf dem Gebiet der klinischen Medizin und der medizinischen Ausbildung. [mehr]
Quellen
- Checkliste EKG; Grauer Teil; Anatomie und Physiologie des Erregungsleitungssystems, 5. überarbeitete Auflage (2023) - Autoren: Hamm, Christian; Willems, Stephan - Publikation: Georg Thieme Verlag, Stuttgart - ISBN: 978-3-13-245303-6; 978-3-13-245306-7 - DOI: 10.1055/b000000841
- Arrhythmias Other Than Atrial Fibrillation in Those With an Irregular Pulse Detected With a Smartwatch: Findings From the Apple Heart Study (2021) – Autoren: Alexander C. Perino, Santosh E. Gummidipundi, Justin Lee, Haley Hedlin, Ariadna Garcia, Todd Ferris, Vidhya Balasubramanian, Rebecca M. Gardner, Lauren Cheung, Grace Hung, Christopher B. Granger, Peter Kowey, John S. Rumsfeld, Andrea M. Russo, Mellanie True Hills, Nisha Talati, Divya Nag, David Tsay, Sumbul Desai, Manisha Desai, Kenneth W. Mahaffey, Mintu P. Turakhia, Marco V. Perez – Publikation: Circulation: Arrhythmia and Electrophysiology. 2021;14:e010063 – DOI: 10.1161/CIRCEP.121.010063
- Holter-electrocardiogram-monitoring in patients with acute ischaemic stroke (Find-AFRANDOMISED): an open-label randomised controlled trial (2017) – Autoren: Prof Rolf Wachter MD, Klaus Gröschel, Prof Götz Gelbrich PhD, Prof Gerhard F Hamann MD, Prof Pawel Kermer MD, Jan Liman MD, Joachim Seegers MD, Katrin Wasser MD, Anna Schulte MS, Falko Jürries MD, Anna Messerschmid MS, Nico Behnke MD, Sonja Gröschel MD, Timo Uphaus MD, Anne Grings MD, Tugba Ibis MD, Sven Klimpe MD, Michaela Wagner-Heck MD, Magdalena Arnold MD, Evgeny Protsenko MD, Prof Peter U Heuschmann MD, Prof David Conen MD, Mark Weber-Krüger MD – Publikation: The Lancet Neurology Volume 16, Issue 4, April 2017, Pages 282-290 – DOI: 10.1016/S1474-4422(17)30002-9
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- Dabigatran for Prevention of Stroke after Embolic Stroke of Undetermined Source – Autoren: Hans-Christoph Diener, M.D., Ph.D., Ralph L. Sacco, M.D., J. Donald Easton, M.D., Christopher B. Granger, M.D., Richard A. Bernstein, M.D., Ph.D., Shinichiro Uchiyama, M.D., Jörg Kreuzer, M.D., Lisa Cronin, M.D., Daniel Cotton, M.S., Claudia Grauer, Ph.D., Martina Brueckmann, M.D., Marina Chernyatina, M.D., Ph.D., et al., for the RE-SPECT ESUS Steering Committee and Investigators – Publikation: N Engl J Med 2019; 380:1906-1917 – DOI: 10.1056/NEJMoa1813959
- Positionspapier zur Detektion von Vorhofflimmern nach ischämischem Schlaganfall – Arbeitsgemeinschaft Herz und Hirn der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft e.V. (DSG) – Autoren: Karl Georg Häusler, Klaus Gröschel, Martin Köhrmann, Renate B. Schnabel, Stefan D. Anker, Johannes Brachmann, Michael Böhm, Hans-Christoph Diener, Wolfram Doehner, Matthias Endres, Christian Gerloff, Hagen B. Huttner, Manfred Kaps, Paulus Kirchhof, Darius Günther Nabavi, Christian H. Nolte, Waltraud Pfeilschifter, Burkert Pieske, Sven Poli, Wolf Rüdiger Schäbitz, Götz Thomalla, Roland Veltkamp, Thorsten Steiner, Ulrich Laufs, Joachim Röther, Rolf Wachter – Publikation: Akt Neurol 2018; 45(02): 93-106 – DOI: 10.1055/s-0043-118476
- Refinement of detecting atrial fibrillation in stroke patients: results from the TRACK‐AF Study – Autoren: F. Reinke, M. Bettin, L. S. Ross, S. Kochhäuser, I. Kleffner, M. Ritter, J. Minnerup, D. Dechering, L. Eckardt, R. Dittrich – Publikation: Eur J Neurol, 25: 631-636. DOI: 10.1111/ene.13538
- Atrial fibrillation is associated with cognitive decline in stroke‐free subjects: the Tromsø Study – Autoren: S. Tiwari, M. L. Løchen, B. K. Jacobsen, L. A. Hopstock, A. Nyrnes, I. Njølstad, E. B. Mathiesen, K. A. Arntzen, J. Ball, S. Stewart, T. Wilsgaard, H. Schirmer – Publikation: Eur J Neurol, 24: 1485-1492 – DOI: 10.1111/ene.13445
- Automatic detection of paroxysmal atrial fibrillation in patients with ischaemic stroke: better than routine diagnostic workup? – Autoren: T. Uphaus, A. Grings, S. Gröschel, A. Müller, M. Weber‐Krüger, R. Wachter, K. Gröschel – Publikation: Eur J Neurol, 24: 990-994. DOI: 10.1111/ene.13326
- Epidemiologie des Vorhofflimmerns – Autor: Stefan Sack – Publikation: Herz volume 27, pages294–300(2002) – DOI: 10.1007/s00059-002-2395-2
- Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.(AFNET) – URL: https://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de
- 2016 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation developed in collaboration with EACTS – Autoren: Paulus Kirchhof, Stefano Benussi, Dipak Kotecha, Anders Ahlsson, Dan Atar, Barbara Casadei, Manuel Castella, Hans-Christoph Diener, Hein Heidbuchel, Jeroen Hendriks, Gerhard Hindricks, Antonis S Manolis, Jonas Oldgren, Bogdan Alexandru Popescu, Ulrich Schotten, Bart Van Putte, Panagiotis Vardas, ESC Scientific Document Group – Publikation: European Heart Journal, Volume 37, Issue 38, 7 October 2016, Pages 2893–2962 – DOI: 10.1093/eurheartj/ehw210
- Incidence and prevalence of atrial fibrillation: an analysis based on 8.3 million patients – Autoren: Thomas Wilke, Antje Groth, Sabrina Mueller, Matthias Pfannkuche, Frank Verheyen, Roland Linder, Ulf Maywald, Rupert Bauersachs, Günter Breithardt – Publikation: EP Europace, Volume 15, Issue 4, April 2013, Pages 486–493 – DOI: 10.1093/europace/eus333

