Komplikationen nach Schlaganfall ▷ Folgen

Komplikationen nach einem Schlaganfall sind häufig (Foto: sfam_photo | Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Das Wichtigste in Kürze
- Wie häufig sind Komplikationen nach einem Schlaganfall?
- Welche Komplikationen treten nach einem Schlaganfall auf?
- Haben Komplikationen Einfluss auf die Prognose?
- Was sind die häufigsten Komplikationen?
- Hat das Geschlecht einen Einfluss?
- Lassen sich Komplikationen nach einem Schlaganfall verhindern?
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Komplikationen nach einem Schlaganfall sind häufig. Bis zu 85 Prozent aller Betroffenen entwickeln bereits während der Krankenhausbehandlung eine Komplikation.2
Der Einfluss auf die Prognose über bleibende Einschränkungen oder Sterblichkeit hängt von der jeweiligen Komplikation ab.
Einige Komplikationen lassen sich verhindern, viele lassen sich gut behandeln.
Aufgrund der hohen Komplikationsrate erfolgt die Akutbehandlung auf spezialisierten Schlaganfallstationen. Die sogenannten Stroke Units retten Leben, weil sie diese Risiken kennen, früh erkennen und behandeln.
Die Zeit nach der Klinik ist für Angehörige oft die größte Herausforderung. Unser Online-Kurs führt Sie in 13 kompakten Modulen durch die Zeit danach. Der Kurs ist ein kostenfreies Angebot gesetzlicher Krankenkassen nach § 45 SGB XI.
Wie häufig sind Komplikationen nach einem Schlaganfall?
Nach einem Schlaganfall ist das Risiko für Folgekomplikationen hoch. Je nach wissenschaftlicher Studie entwickeln bis zu 85 Prozent aller Schlaganfallbetroffenen eine Komplikation noch während der Krankenhausbehandlung.2
Auch deshalb erfolgt die Akutbehandlung auf spezialisierten Schlaganfallstationen, sogenannten Stroke Units. Das Personal ist speziell geschult, um die typischen Komplikationen zu verhindern oder zu behandeln.
Tatsächlich ist das bessere Behandlungsergebnis bei einer Behandlung auf einer Stroke Unit im Wesentlichen auf das effektive Verhindern und die schnelle Behandlung von Komplikationen zurückzuführen.1
Welche Komplikationen treten nach einem Schlaganfall auf?
Die Komplikationen nach einem Schlaganfall lassen sich unterschiedlich einteilen:
- Neurologische Komplikationen: betreffen das zentrale Nervensystem, zum Beispiel Wesensveränderungen, Verwirrtheitszustände (Delir) oder ein wiederholter Schlaganfall (Rezidiv-Schlaganfall)
- Internistische Komplikationen: betreffen andere Organsysteme, zum Beispiel eine Lungenentzündung (Pneumonie) oder ein Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene (Beinvenenthrombose)
- Frühkomplikationen: treten in den ersten Tagen nach einem Schlaganfall auf, beispielsweise ein Delir oder eine Lungenentzündung durch Fremdkörper wie Speichel und Nahrungsreste (Aspirationspneumonie)
- Spätkomplikationen: treten Wochen bis Monate nach einem Schlaganfall auf, unter anderem Depressionen nach dem Schlaganfall (Post-Stroke-Depression) oder chronische Schmerzen
Haben Komplikationen Einfluss auf die Prognose?
Maßgeblich für die langfristigen Auswirkungen eines Schlaganfalls sind die Komplikationen.
Der Einfluss auf die Prognose hängt von der jeweiligen Komplikation ab. Ein erneuter Schlaganfall oder eine Pneumonie wiegen besonders schwer, da sie die Chancen, nach 90 Tagen wieder selbstständig zu sein, erheblich verschlechtern.
Auch Infektionen insgesamt erhöhen das Risiko für bleibende Einschränkungen, wenn auch in geringerem Maße. Eine Ausnahme bilden Harnwegsinfekte: Sie treten zwar häufig auf, beeinflussen die Prognose aber kaum.3
Auch der Tod nach einem Schlaganfall wird häufig nicht durch den Schlaganfall selbst, sondern durch Komplikationen verursacht.6 Tritt eine Lungenentzündung (Pneumonie) nach einem Schlaganfall auf, ist das Risiko, innerhalb von 30 Tagen zu versterben, dreimal so hoch.5
Was sind die häufigsten Komplikationen?
Die Häufigkeit der einzelnen Komplikationen unterscheidet sich von Studie zu Studie. In einer aktuellen Untersuchung aus den USA ergaben sich folgende Häufigkeiten:
- Harnwegsinfektion: 11,8%
- Akutes Nierenversagen: 10,1%
- Lungenentzündung (Pneumonie): 3,2 %
- Herzinfarkt: 2,5 %4
Andere häufige Komplikationen, die in der genannten Studie nicht erfasst worden sind:
- Wesensveränderung/Verwirrtheitszustände (Delir)
- Wiederholter Schlaganfall (Rezidiv-Schlaganfall)
- Depression nach Schlaganfall (Post-Stroke-Depression)
Weitere Komplikationen, die zwar selten, aber schwerwiegend sind:
- Hirndrucksteigerung durch Schwellung des Schlaganfalls
- Hirnblutung (Intrakranielle Blutung)
- Verschluss eines Blutgefäßes in der Lunge durch ein Blutgerinnsel (Lungenembolie)

Die häufigsten Komplikationen nach einem Schlaganfall. Je nach Studie können die Häufigkeiten, mit denen Komplikationen nach einem Schlaganfall auftreten, variieren. Die in der Grafik angegebenen Häufigkeiten stammen aus einer aktuellen US-amerikanischen Untersuchung.4
Welchen Einfluss hat das Geschlecht?
Die Häufigkeit bestimmter Komplikationen unterscheidet sich je nach Geschlecht: So sind Frauen beispielsweise deutlich häufiger von einer Harnwegsinfektion betroffen. Dies ist anatomisch bedingt, da die kürzere Harnröhre die Harnwege weniger gut vor dem Eindringen von Bakterien schützt.
Andere häufige Komplikationen wie Pneumonie oder Venenthrombosen unterscheiden sich in großen Untersuchungen hingegen nicht in ihrer Häufigkeit zwischen Männern und Frauen.4
Lassen sich Komplikationen nach einem Schlaganfall verhindern?
Viele Komplikationen lassen sich verhindern, beziehungsweise das Risiko lässt sich durch geeignete präventive Maßnahmen deutlich senken.
Sind Komplikationen einmal aufgetreten, stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die ihre negativen Auswirkungen abmildern können.
Beispiel Pneumonie
Eine Lungenentzündung (Pneumonie) nach einem Schlaganfall wird beispielsweise häufig durch Aspiration verursacht, also durch das Einatmen von Nahrungsresten oder Speichel.
Das Risiko hierfür lässt sich senken, wenn eine Beeinträchtigung des Schluckens (Dysphagie) frühzeitig erkannt und entsprechend darauf reagiert wird.
Deshalb wird bei der Behandlung auf der Stroke Unit viel Wert auf die logopädische Beurteilung des Schluckens gelegt.
Tritt nach einem Schlaganfall eine Dysphagie auf, wird die Nahrung entsprechend angepasst. Entweder darf die betroffene Person nur passierte Kost zu sich nehmen oder die Ernährung erfolgt zunächst sogar vollständig über eine Magensonde.
So lässt sich das Risiko für eine Aspiration und damit eine Pneumonie nach einem Schlaganfall deutlich senken. Eine schlechte Erholung nach dem Schlaganfall und Todesfälle können vermieden werden.
Schlussfolgerung
Nicht der Schlaganfall allein entscheidet über die Prognose, sondern oft die Komplikationen.
Stroke Units retten Leben, weil sie diese Risiken kennen, früh erkennen und behandeln.
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- Lungenentzündung nach Schlaganfall
- Beinvenenthrombose und Lungenembolie nach Schlaganfall
- Erhöhter Hirndruck nach Schlaganfall

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Artikel aktualisiert am: - Nächste geplante Aktualisierung am:
Autor
Dr. med. Johannes Heinemann Facharzt für Neurologie an der Universitätsklinik Freiburg Dr. Johannes Heinemann ist Facharzt für Neurologie an der Universitätsklinik Freiburg. Sein klinischer Schwerpunkt ist die Notfall- und Intensivneurologie. Die Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten bereitet ihm große Freude, da hier schnelle Entscheidungen und präzises Handeln gefragt sind. Sein Ziel ist es, Wissen über den Schlaganfall und seine Behandlung verständlich und praxisnah zu vermitteln, um Betroffenen und ihren Angehörigen zu helfen, den Weg der Genesung und Prävention besser zu verstehen und zu meistern. [mehr]
Quellen
- Does the prevention of complications explain the survival benefit of organized inpatient (stroke unit) care?: further analysis of a systematic review. - Autoren: Govan L, Langhorne P, Weir CJ; Stroke Unit Trialists Collaboration - Publikation: Stroke. 2007 Sep;38(9):2536-40 - DOI: 10.1161/STROKEAHA.106.478842 - Epub: 2007 Aug 9 - PMID: 17690313
- Medical complications after stroke: a multicenter study. - Autoren: Langhorne P, Stott DJ, Robertson L, MacDonald J, Jones L, McAlpine C, Dick F, Taylor GS, Murray G. - Publikation: Stroke. 2000 Jun;31(6):1223-9 - DOI: 10.1161/01.str.31.6.1223 - PMID: 10835436
- Functional outcome after common poststroke complications occurring in the first 90 days. - Autoren: Rohweder G, Ellekjær H, Salvesen Ø, Naalsund E, Indredavik B. - Publikation: Stroke. 2015 Jan;46(1):65-70 - DOI: 10.1161/STROKEAHA.114.006667 - Epub: 2014 Nov 13 - PMID: 25395415
- Age- and Sex-Specific Trends in Medical Complications After Acute Ischemic Stroke in the United States. - Autoren: Ahmed R, Mhina C, Philip K, Patel SD, Aneni E, Osondu C, Lamikanra O, Akano EO, Anikpezie N, Albright KC, Latorre JG, Chaturvedi S, Otite FO. - Publikation: Neurology. 2023 Mar 21;100(12):e1282-e1295 - DOI: 10.1212/WNL.0000000000206749 - Epub: 2023 Jan 4 - PMID: 36599695 - PMCID: PMC10033158
- Medical complications after stroke. - Autoren: Kumar S, Selim MH, Caplan LR. - Publikation: Lancet Neurol. 2010 Jan;9(1):105-18 - DOI: 10.1016/S1474-4422(09)70266-2 - PMID: 20083041
- The effect of pneumonia on mortality among patients hospitalized for acute stroke. - Autoren: Katzan IL, Cebul RD, Husak SH, Dawson NV, Baker DW. - Publikation: Neurology. 2003 Feb 25;60(4):620-5. - DOI: 10.1212/01.wnl.0000046586.38284.60 - PMID: 12601102


