Täglich ein Ei – Keine höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall ▷ Studien

Das Frühstücksei erhöht das Risiko für Herzkreislauferkrankungen nicht (Foto: congerdesign | Pixabay)
In diesem Artikel:
Eier sind eine Hauptquelle für Cholesterin in der Nahrung, sie enthalten aber auch hochwertiges Protein, Eisen, ungesättigte Fettsäuren, Phospholipide und Carotinoide.
Diese Stoffe sind u.a. wichtig für den Zellstoffwechsel im Körper. Die Studienlage hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen dem Cholesteringehalt in Eiern und des Risikos, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, ist jedoch nicht eindeutig.
Die Fragestellung
Um die Frage zu beantworten, welche Auswirkung der Konsum von Eiern auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat, wurden in den USA groß angelegte Studien durchgeführt. Darin wurde analysiert, welche Effekte hohe Cholesterinwerte in der Nahrung auf die Cholesterinwerte im Blut haben. Daraus wurde errechnet, welches damit verbundene Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse besteht.
Die Studien
Bis Anfang 2020 wurden die Daten aus 3 verschiedenen Studien1,2,3 ausgewertet4, welche in einem Zeitraum zwischen 1980 und 2013 durchgeführt wurden. Insgesamt wurden Daten von knapp 180 000 Patienten aus 60 Ländern auf 5 Kontinenten untersucht. Es sollte in erster Linie herausgefunden werden, wie hoch die gesamte Sterblichkeit war und wie oft sich Herzinfarkte, Todesfälle durch Herzerkrankungen oder Schlaganfälle ereigneten. Zudem wurden Auswertungen erstellt für Blutfettwerte und Bluthochdruck.
Bezüglich des Ei-Konsums wurden die Teilnehmer gefragt, wie häufig sie im Durchschnitt im vergangenen Jahr Eier gegessen haben. Hierbei wurde sowohl nach dem reinen Verzehr von Eiern (gekocht, gebraten) gefragt als auch nach dem Verzehr von eierhaltigen Speisen und Nahrungsmitteln (Kuchen, Mayonnaise, Omelette).
Die Ergebnisse
Ein Konsum von einem Ei pro Tag war statistisch nicht mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse oder einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. Es fand sich kein Hinweis darauf, dass der Eierkonsum mit erhöhten Cholesterinwerten oder erhöhten Blutfettwerten einherging.
Damit wurde die Schlussfolgerung gezogen, dass der Verzehr von bis zu einem Ei pro Tag nicht problematisch ist in Bezug auf Herz-Kreislauf-Ereignisse. In der asiatischen Bevölkerung ist dieser Konsum möglicherweise sogar mit einem geringeren Risiko verbunden.
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Kommentar
Das Meiste im Körper vorhandene Cholesterin wird in der Leber gebildet und stammt gar nicht aus der Nahrung. Nimmt man Nahrungsmittel zu sich, die einen hohen Anteil gesättigter Fettsäuren enthält (z.B. Butter, Schmalz, Fleisch, Süßigkeiten, Kakaobutter, Palmfett), so kurbelt das die körpereigene Cholesterin-Produktion an und kann zu erhöhten Cholesterinwerten im Blut führen. Daran ist aber nicht das Ei schuld! Ganz im Gegenteil: Eier enthalten auch für den Körper wichtige Bestandteile, wie z.B. Proteine, Vitamin D, Eisen und bestimmte Phospholipide.
Die American Heart Association (AHA) empfiehlt inzwischen sogar den Verzehr von bis zu einem Ei pro Tag als Teil einer gesunden Ernährung.
Insgesamt gilt nach einem Schlaganfall weiterhin die Empfehlung zu einer ausgewogenen, fleischarmen, mediterranen Mischkost, ausreichend Bewegung und der Einnahme der medikamentösen Sekundärprophylaxe.
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Autorin
unter Mitarbeit von stud. med. Nina Siegmar
Dr. med. Christina Rückert ist Fachärztin für Neurologie und Geriatrie und arbeitete mehr als 10 Jahre als Oberärztin an der Oberschwabenklinik in Ravensburg. Ihre berufliche Tätigkeit beinhaltete auch die stellvertretende ärztliche Leitung der Zentralen Notaufnahme. Seit Juli 2021 ist sie gemeinsam mit ihrem Mann – ebenfalls Facharzt für Neurologie – in eigener Praxis in Rothenburg ob der Tauber niedergelassen. Ein Schwerpunkt ihrer ambulanten Tätigkeit ist die Nachsorge von Patienten nach einem Schlaganfall. [mehr]Sie erhalten von uns regelmäßig und kostenlos aktuelle Informationen rund um den Schlaganfall.
Quellen
- The Prospective Urban Rural Epidemiology (PURE) study: examining the impact of societal influences on chronic noncommunicable diseases in low-, middle-, and high-income countries. – Autoren: Koon Teo, Clara K Chow, Mario Vaz, Sumathy Rangarajan, Salim Yusuf, PURE Investigators-Writing Group – Publikation: Am Heart J. 2009 Jul;158(1):1-7.e1. – DOI: 10.1016/j.ahj.2009.04.019
- Renal outcomes with telmisartan, ramipril, or both, in people at high vascular risk (the ONTARGET study): a multicentre, randomised, double-blind, controlled trial. – Autoren: Johannes F E Mann, Roland E Schmieder, Matthew McQueen, Leanne Dyal, Helmut Schumacher, Janice Pogue, Xingyu Wang, Aldo Maggioni, Andrzej Budaj, Suphachai Chaithiraphan, Kenneth Dickstein, Matyas Keltai, Kaj Metsärinne, Ali Oto, Alexander Parkhomenko, Leopoldo S Piegas, Tage L Svendsen, Koon K Teo, Salim Yusuf – Publikation: Lancet. 2008 Aug 16;372(9638):547-53. – DOI: 10.1016/S0140-6736(08)61236-2
- Rationale, design, and baseline characteristics of 2 large, simple, randomized trials evaluating telmisartan, ramipril, and their combination in high-risk patients: the Ongoing Telmisartan Alone and in Combination with Ramipril Global Endpoint Trial/Telmisartan Randomized Assessment Study in ACE Intolerant Subjects with Cardiovascular Disease (ONTARGET/TRANSCEND) trials – Autoren: Koon Teo, Salim Yusuf, Peter Sleight, Craig Anderson, Farouk Mookadam, Barbara Ramos, Lutz Hilbrich, Janice Pogue, Helmut Schumacher – Publikation: Am Heart J. 2004 Jul;148(1):52-61. – DOI: 10.1016/j.ahj.2004.03.020
- Association of egg intake with blood lipids, cardiovascular disease, and mortality in 177,000 people in 50 countries. – Autoren: Mahshid Dehghan, Andrew Mente, Sumathy Rangarajan, Viswanathan Mohan, Scott Lear, Sumathi Swaminathan, Andreas Wielgosz, Pamela Seron, Alvaro Avezum, Patricio Lopez-Jaramillo, Ginette Turbide, Jephat Chifamba, Khalid F AlHabib, Noushin Mohammadifard, Andrzej Szuba, Rasha Khatib, Yuksel Altuntas, Xiaoyun Liu, Romaina Iqbal, Annika Rosengren, Rita Yusuf, Marius Smuts, AfzalHussein Yusufali, Ning Li, Rafael Diaz, Khalid Yusoff, Manmeet Kaur, Biju Soman, Noorhassim Ismail, Rajeev Gupta, Antonio Dans, Patrick Sheridan, Koon Teo, Sonia S Anand, Salim Yusuf – Publikation: The American Journal of Clinical Nutrition, Volume 111, Issue 4, April 2020, Pages 795–803. – DOI: 10.1093/ajcn/nqz348