Migräne mit Aura und PFO: Hohes Risiko für Schlaganfall? ▷ Studie

Die Migräne mit Aura ist der wichtigste individuelle Risikofaktor für Schlaganfälle im jungen Erwachsenenalter (Foto: PeopleImages | Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Das Wichtigste in Kürze
- Was ist ein persistierendes (offenes) Foramen ovale (PFO, OFO)
- Studie zu Risikofaktoren für Schlaganfälle bei jungen Menschen
- Ablauf der Studie
- Ergebnisse der Studie
- Schlussfolgerung
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Ein Schlaganfall wird bei Personen mit persistierendem (offenem) Foramen ovale (PFO) vor allem durch Risikofaktoren wie die Migräne mit Aura begünstigt.
Bei Menschen ohne offenes Foramen ovale überwiegen beeinflussbare Risikofaktoren wie starkes Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes oder ungesunde Ernährung.
Die Migräne mit Aura ist der wichtigste individuelle Risikofaktor für Schlaganfälle im jungen Erwachsenenalter, insbesondere bei Frauen.
Die frühzeitige Erkennung und Berücksichtigung nicht beeinflussbarer oder geschlechtsspezifischer Risikofaktoren ist erforderlich, um erfolgreiche Strategien zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei jungen Menschen unter 50 Jahren zu entwickeln.
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Was ist ein persistierendes (offenes) Foramen ovale (PFO, OFO)?
Das persistierende oder offene Foramen ovale ist eine vorgeburtliche Öffnung in der Scheidewand zwischen dem linken und rechten Vorhof des Herzens. Diese Öffnung wurde nach der Geburt nicht im Rahmen der normalen Entwicklung geschlossen.1
Die Häufigkeit, mit der ein PFO in der allgemeinen Bevölkerung vorkommt, beträgt etwa 25 Prozent. Bei Menschen unter 60 Jahren, die einen Schlaganfall erlitten haben, findet man ein PFO sogar in bis zu 50 Prozent.2
Entstehung des PFO:
Bereits gegen Ende der vierten Entwicklungswoche des ungeborenen Kindes bildet sich eine erste Scheidewand im Herzen. Diese beginnt damit, den anfänglich einheitlichen Vorhof in zwei Vorhöfe zu unterteilen.
Ab der fünften Entwicklungswoche bildet sich eine zweite halbmondförmige Scheidewand, in der bis zur Geburt eine Öffnung als Verbindung zwischen linkem und rechtem Vorhof zurückbleibt.
Nach der Geburt erhöht sich mit der Ausbildung des Lungenkreislaufs der Blutdruck im linken Vorhof. Dadurch werden die beiden Scheidewände zwischen den Herzvorhöfen aneinander gedrückt und verschließen so das Foramen ovale.
Verwachsen die beiden Scheidewände nicht vollständig miteinander, bleibt das Foramen ovale weiter als Verbindung zwischen den Vorhöfen bestehen. Das wird in der medizinischen Fachsprache als persistierendes oder offenes Foramen ovale bezeichnet.1
Studie zu Risikofaktoren für Schlaganfälle bei jungen Menschen
Immer häufiger treten Hirninfarkte auch bei jungen Menschen auf. Die Ursache ist meist unklar, weil selten beeinflussbare Risikofaktoren wie ein hoher Blutdruck gefunden werden.
Ein finnisches Forschungsteam untersuchte:
- welche vermeidbaren beziehungsweise behandelbaren Risikofaktoren mit Schlaganfällen bei jungen Menschen zusammenhängen und
- wie sich diese Risikofaktoren für einen Schlaganfall zwischen Menschen mit einem offenen Foramen ovale (persistierendes Foramen ovale, PFO) und Menschen ohne PFO unterscheiden.3
Ablauf der Studie
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten in der Fall-Kontroll-Studie Daten aus Krankenakten und strukturierten Befragungen von insgesamt 1046 Studienteilnehmenden aus 19 europäischen Studienzentren aus.
- 523 Studienteilnehmende hatten einen Schlaganfall ohne erkennbare Ursache erlitten (die Fälle).
- 523 Studienteilnehmende waren Personen gleichen Alters und Geschlechts, bei denen sich kein Schlaganfall ereignet hatte (die Kontrollen).
Alle Studienteilnehmenden waren zwischen 18 und 49 Jahren alt.
Das Durchschnittsalter der Schlaganfallpatientinnen und -patienten lag bei 41 Jahren. Etwas weniger als die Hälfte waren Frauen. In 37,5 Prozent lag ein diagnostiziertes offenes Foramen ovale vor. Die weiblichen Patienten waren durchschnittlich jünger als die männlichen.
Die untersuchten Risikofaktoren umfassten:
- beeinflussbare und behandelbare Risikofaktoren für Schlaganfälle
- unbeeinflussbare Risikofaktoren und
- geschlechtsspezifische Risikofaktoren
Was sind beeinflussbare oder behandelbare und geschlechtsspezifische Risikofaktoren?
Beeinfluss- oder behandelbare Risikofaktoren sind zum Beispiel:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel Bluthochdruck oder Vorhofflimmern
- Diabetes mellitus
- erhöhte Cholesterinwerte
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- ungesunde Ernährung
- starker Alkoholkonsum
Nicht beeinflussbare Risikofaktoren sind:
- Alter
- Geschlecht
- ethnische Herkunft und
- genetische Anlagen
Weitere Risikofaktoren sind:
- Multisystemerkrankungen wie chronische Nieren- oder Lebererkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder entzündliche Darmerkrankungen
- Migräne mit Aura
- Offenes foramen ovale (PFO)
- Drogenkonsum
- bösartige Krebserkrankungen
Geschlechtsspezifische Risikofaktoren sind beispielsweise:
- Schwangerschaftsdiabetes
- Bluthochdruck in der Schwangerschaft
- Hormonelle Verhütungsmittel und Hormonersatztherapie mit Östrogen
- aktuelle Schwangerschaft oder Wochenbett
Ergebnisse der Studie
Schlaganfall bei Patienten ohne offenes Foramen ovale
Die drei häufigsten Risikofaktoren, die zum Auftreten eines kryptogenen Schlaganfalls bei Personen ohne offenes Foramen ovale beitragen können, waren:
- Migräne mit Aura (22,7 Prozent),
- Rauchen (21,9 Prozent) und
- Adipositas (starkes Übergewicht) mit Fetteinlagerungen in der Bauchregion (21,1 Prozent).
Schlaganfall bei Patienten mit offenem Foramen ovale (PFO)
Nicht-traditionelle Risikofaktoren waren stärker mit dem Auftreten eines kryptogenen Schlaganfalls bei Personen mit PFO verbunden.
Die wichtigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall, die bei Patienten mit PFO auftraten, waren:
- Migräne mit Aura (45,8 Prozent),
- Adipositas mit Fetteinlagerungen in der Bauchregion (22,5 Prozent) und
- ungesunde Ernährung (9,4 Prozent).
Mit jedem dieser Risikofaktoren stieg das Risiko für einen kryptogenen Schlaganfall um das 2,6‑Fache.
Geschlechts- und altersspezifische Unterschiede
Die stärksten Risikofaktoren für Frauen mit oder ohne offenes Foramen ovale waren Migräne mit Aura (29,3 Prozent ohne PFO und 55,5 Prozent mit PFO), Adipositas mit Fetteinlagerungen in der Bauchregion (20,3 Prozent ohne PFO und 19,4 Prozent mit PFO) sowie ungesunde Ernährung (22,0 Prozent ohne PFO und 7,4 Prozent mit PFO).
Männer mit oder ohne offenes Foramen ovale hatten das größte Risiko für einen Schlaganfall, wenn sie rauchten, psychosozialem Stress ausgesetzt waren oder starkes Übergewicht hatten, das sich vor allem auf die Bauchregion konzentrierte.
Bei der jüngeren Gruppe der 18- bis 39-jährigen Patienten waren starkes Übergewicht mit Bauchfetteinlagerungen, Migräne mit Aura und chronische Multisystemerkrankungen wie chronische Nierenerkrankungen oder entzündliche Darmerkrankungen die größten Risikofaktoren.
In der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen mit Schlaganfall waren die wichtigsten Risikofaktoren Migräne mit Aura, Rauchen und Bluthochdruck.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Eine Reihe von Risikofaktoren trägt deutlich zum Risiko für einen Schlaganfall bei Menschen unter 50 Jahren bei.
Zwischen dem Risiko von Personen mit einem persistierenden Foramen ovale (PFO) und Personen ohne PFO gibt es erhebliche Unterschiede.
Während bei Personen ohne PFO eher beeinflussbare Risikofaktoren die Entstehung eines Schlaganfalls begünstigen, überwiegen bei Personen mit offenem Foramen ovale die nicht-beeinflussbaren Risikofaktoren.
Sowohl bei Personen mit als auch ohne PFO ist Migräne mit Aura der wichtigste Risikofaktor. Das trifft insbesondere auf Frauen zu.
Vor allem nicht beeinflussbare und geschlechtsspezifische Risikofaktoren finden häufig zu wenig Beachtung. Der Fokus liegt meist klar auf den beeinflussbaren Risikofaktoren.
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Die Zeit nach der Klinik ist für Angehörige oft die größte Herausforderung. Unser Online-Kurs führt Sie in 13 kompakten Modulen durch die Zeit danach. Der Kurs ist ein kostenfreies Angebot gesetzlicher Krankenkassen nach § 45 SGB XI.
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Autoren
Dipl.-Biol. Claudia Helbig unter Mitarbeit von Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen
Claudia Helbig ist Diplom-Human- und Molekularbiologin und hat zuvor eine Ausbildung zur Arzthelferin absolviert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Medizinischen Biochemie und Molekularbiologie hat sie Medizinstudenten in Pathobiochemie-Seminaren und Praktika betreut. Nach Ihrer Arbeit in der pharmazeutischen Forschung hat sie in einem Auftragsforschungsinstitut für klinische Studien unter anderem Visiten mit Studienteilnehmern zur Erhebung von Studiendaten durchgeführt und Texte für die Website verfasst. Mit ihrem interdisziplinären Hintergrund und ihrer Leidenschaft zu schreiben möchte sie naturwissenschaftliche Inhalte fachlich fundiert, empathisch und verständlich an Interessierte vermitteln. [mehr]
Quellen
- PROMETHEUS Innere Organe: LernAtlas der Anatomie; 6. Auflage; A Aufbau und Embryonalentwicklung der Organsysteme im Überblick; 2. Kreislaufsystem; 2.5 Septierung des Herzens (Septum atriale, interventriculare und aorticopulmonale) - Autoren: Michael Schünke; Erik Schulte; Udo Schumacher; Markus Voll; Karl H. Wesker - Publikation: Georg Thieme Verlag KG Stuttgart, 2022 - ISBN: 978-3-13-244417-1; 978-3-13-244420-1 - DOI: 10.1055/b000000614
- The Incidence of Atrial Fibrillation After Percutaneous Patent Foramen Ovale Closure Detected by Implantable Loop Recorders - Autoren: Komal Imtiaz; Mohammed Ebrahim; Jianli Niu; Jonathan Roberts - Publikation: Journal of the Society for Cardiovascular Angiography & Interventions; 2024 Jul 01; 3(7):101930 - DOI: 10.1016/j.jscai.2024.101930
- Burden of Modifiable Risk Factors in Young-Onset Cryptogenic Ischemic Stroke by High-Risk Patent Foramen Ovale - Autoren: Jukka Putaala; Nicolas Martinez-Majander; Michelle Leppert; Lauri Tulkki; Jani Pirinen et al. - Publikation: Stroke; 2025; 56(6):1428-1440 - DOI: 10.1161/STROKEAHA.124.049855


