Schlaganfallbehandlung ▷ Therapie von Hirninfarkt und Hirnblutung

Mit der Bildgebung (MRT/CT) gelingt die Differenzierung zwischen Hirnblutung und Hirninfarkt (Foto: Gorodenkoff | Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Jede Minute zählt
- Behandlung bei einem Hirninfarkt
- Behandlung einer Hirnblutung
- Behandlung in der Akutklinik
- Dauer des Krankenhausaufenthalts
- Rehabilitation
- Einflüsse auf die akute Behandlung eines Schlaganfalls
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Bei Schlaganfallsymptomen zählt jede Minute für eine wirkungsvolle Therapie („Zeit ist Hirn!“). Dies gilt auch heute noch, selbst wenn moderne Behandlungsformen eine wirksame Therapie in ausgewählten Fällen bis 24 Stunden nach Symptombeginn ermöglichen.
Vor Beginn der Notfalltherapie des Schlaganfalls muss durch eine Bildgebung wie eine Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT) mit Angiographie des Gehirns untersucht werden, ob ein Hirninfarkt oder eine Hirnblutung als Ursache der Schlaganfallsymptome vorliegt.
Personen mit Schlaganfallsymptomen müssen durch den Rettungsdienst schnellstens in ein geeignetes Krankenhaus gebracht werden.
Keine Therapie kann einen Schlaganfall ungeschehen machen. Auch wenn manche Schlaganfallbetroffenen nach der Behandlung komplett symptomfrei sind. Therapien können aber oft die Folgen begrenzen und die Erholung begünstigen.
Die Zeit nach der Klinik ist für Angehörige oft die größte Herausforderung. Unser Online-Kurs führt Sie in 13 kompakten Modulen durch die Zeit danach. Der Kurs ist ein kostenfreies Angebot gesetzlicher Krankenkassen nach § 45 SGB XI.
Jede Minute zählt
In der Notfalltherapie eines Schlaganfalls muss schnellstens untersucht werden, ob eine Gehirnblutung oder ein Hirninfarkt vorliegt. Allein aufgrund der Symptome, die Betroffene zeigen, ist diese Unterscheidung nicht sicher möglich.
Die Diagnose wird durch eine Schnittbildgebung des Gehirns, entweder mithilfe der Computertomografie (CT) oder der Kernspintomografie (MRT/MRI) mit Darstellung der hirnversorgenden Blutgefäße (Angiographie) gestellt. Erst danach ist es möglich, eine gezielte und sinnvolle Therapie einzuleiten.
In jeder Minute, in der eine Hirnregion nicht mit Blut und damit nicht mit Sauerstoff versorgt wird, gehen etwa 2 Millionen Nervenzellen unwiderruflich zugrunde. Daher müssen die Weichen für die Akuttherapie des Schlaganfalls schnellstmöglich gestellt werden.
Jeder Schlaganfall ist ein Notfall, gleichgültig, wie schwerwiegend die Symptome sind oder ob sie andauern, schwanken oder sich wie bei einer TIA zurückbilden. Daher muss der Schlaganfall zunächst durch den Rettungsdienst und/oder notärztlich behandelt werden.
Die vor der eigentlichen Schlaganfallbehandlung stattfindenden Maßnahmen können das Überwachen der Vitalfunktionen Blutdruck, Herzrhythmus, Puls, Atmung und Sauerstoffversorgung betreffen. Dazu kommt die Stabilisierung der Herz-Kreislauf-Situation, die Schaffung venöser Zugänge oder auch die Sicherung von Atemweg oder Atmung.
Schon die Blutdruckbehandlung in dieser Frühphase erfordert das Wissen, ob es sich um einen Hirninfarkt oder eine Hirnblutung handelt.1
Behandlung bei einem Hirninfarkt
Bei einem plötzlichen Verschluss eines Hirngefäßes, dem Hirninfarkt, ischämischen Schlaganfall oder auch zerebrale Ischämie genannt, geht es vor allem um die schnellstmögliche Wiedereröffnung des verschlossenen Blutgefäßes. Dies wird als Rekanalisierung bezeichnet.
Für die Akutbehandlung des ischämischen Schlaganfalls gibt es von deutschen Fachgesellschaften eine sehr ausführliche Leitlinie, die im Jahr 2025 aufgrund neuer Studienergebnisse aktualisiert werden wird.
Gerinnselauflösende Therapie (Thrombolyse)
Durchblutungsgestörte Bereiche im Gehirn führen zu neurologischen Ausfällen. Ziel der Thrombolyse ist es, schnellstmöglich die durch ein Gerinnsel in einer Hirnarterie gestörte Durchblutung wiederherzustellen.
Bei der Thrombolyse wird ein Medikament, das Blutgerinnsel auflösen kann, über den Zeitraum von einer Stunde über die Vene verabreicht. Eine möglichst schnelle Wiedereröffnung des betroffenen Gefäßes kann das Risiko für eine bleibende Behinderung nach einem Schlaganfall verringern.
2024 wurde in Deutschland ein neues Medikament für die Thrombolyse zugelassen. Dieses Medikament lässt sich im Gegensatz zum bisherigen Medikament als sogenannter Bolus geben. Es muss nicht mehr über eine Stunde als Infusion verabreicht werden und ist dabei mindestens genauso wirksam.
Ob darüber hinaus Vorteile bestehen, wird derzeit untersucht. Jedenfalls erweitern sich damit die Möglichkeiten der Thrombolyse.
Die Thrombolyse eignet sich in Abhängigkeit von Vorerkrankungen oder Blutveränderungen nicht für alle Patienten. Denn als unerwünschte Nebenwirkungen dieser Therapie können Blutungen sowohl im Gehirn als auch an anderen Stellen des Körpers auftreten. Daher kann sie nicht immer durchgeführt werden.
Das Zeitfenster für diese Therapie ist für die meisten Patientinnen und Patienten eng. Die Thrombolyse ist für einen Therapiebeginn innerhalb von viereinhalb Stunden nach Auftreten der ersten Symptome des Schlaganfalls zugelassen. Wird diese Therapie später durchgeführt, so ist ihre Wirksamkeit deutlich geringer.
Das Risiko einer Blutung in das abgestorbene Hirngewebe erhöht sich mit jeder Minute. Ursache hierfür ist die zunehmende Brüchigkeit der Gefäße im Bereich des Hirninfarkts und die Blutgerinnungshemmung durch das Lyse-Medikament.
In den letzten Jahren haben jedoch viele Studien gezeigt, dass für ausgewählte Schlaganfallpatienten die Thrombolyse noch später, also 6, 9 oder sogar mehr Stunden nach Symptombeginn angewandt werden kann.
Dies setzt aber eine Bildgebung voraus, die zeigt, dass die Hirnschäden des Infarkts noch nicht zu fortgeschritten sind. Es muss sogenanntes ausreichend viel rettbares Gewebe vorhanden sein. Umgehungskreisläufe (Kollateralen) müssen die Versorgung aufrechterhalten. Und die Einblutungsgefahr darf nicht zu groß sein.
Solche Bildgebungstechnologien haben sich zuletzt deutlich weiterentwickelt. So ist es beispielsweise mittels MRT möglich, Patientinnen und Patienten zu erkennen, denen auch nach einem Schlaganfall im Schlaf, dessen Beginn also unbekannt ist, mit einer Thrombolyse geholfen werden kann.2
Insofern geht die Entwicklung bei der Thrombolyse weg von einem starren Zeitfenster hin zu einer individuellen Therapie, basierend auf der Gehirnbildgebung. Deshalb ist es so wichtig, dass die betroffene Person so schnell wie möglich in ein Krankenhaus mit dieser Bildgebung gelangt.
Trotz der heutzutage später möglichen Behandlung gilt für den Therapieerfolg weiterhin: Je früher, desto besser. Zeit ist Hirn!
Mechanische Thrombektomie
Verstopft ein Blutgerinnsel ein sehr großes Hirngefäß, hilft die Thrombolyse nur in 30 Prozent der Fälle.
Hier kann die mechanische Thrombektomie als Behandlung infrage kommen.1 Dabei wird ein dünner Katheter über die Leiste an die Stelle des Gefäßverschlusses gebracht. Mithilfe des Katheters kann das Gerinnsel dann vor Ort eingefangen und herausgezogen oder abgesaugt werden.
Diese Therapie sollte möglichst innerhalb von sechs Stunden nach Beginn der ersten Schlaganfallsymptome durchgeführt werden, weil dann der Behandlungserfolg am besten ist.
2014 und 2015 haben mehrere große Studien bewiesen, dass die Kombination der Thrombolyse mit einer nachfolgenden Thrombektomie für Schlaganfallbetroffene mit einem großen Hirngefäßverschluss eindeutig wirksamer ist als die Thrombolyse allein.
In den letzten Jahren haben weitere Studien gezeigt, dass für per Bildgebung ausgewählte Patienten und Patientinnen auch ein späterer Beginn der Therapie möglich ist. Es handelt sich dabei um bis zu 24 Stunden nach Symptombeginn ohne vorherige Thrombolyse.
Ganz aktuell zeigten mehrere Studien, dass selbst große, fortgeschrittene Hirninfarkte mittels Thrombektomie behandelt werden können.3
Insgesamt wird sich die Schlaganfallbehandlung mittels Thrombektomie also erweitern und es bestehen viel bessere Chancen für die Betroffenen als früher.
Die Thrombektomie kann auch bei Patienten angewendet werden, für die eine Thrombolyse aufgrund von Begleiterkrankungen oder wechselwirkenden Medikamenten nicht möglich ist.
Allerdings ist die Thrombektomie aber nur möglich, wenn der Gefäßverschluss auch technisch mit dem Katheter erreichbar ist. Bei Verschlüssen in sehr dünnen Gefäßen oder sehr weit in der Peripherie des Gehirns gelegenen Gefäßen ist sie noch nicht gut genug durchführbar. Die technischen Möglichkeiten sind noch nicht ausreichend durch klinische Ergebnisse bestätigt.
Die Thrombektomie ist ein aufwendiges Verfahren, das nur von erfahrenen Spezialistinnen und Spezialisten, den interventionellen Neuroradiologen zusammen mit Spezialteams aus der Neurologie und Anästhesie, durchgeführt werden kann. Sie wird daher nur in entsprechenden Schlaganfall-Zentren angeboten.
Schlaganfallbetroffene, für die eine mechanische Thrombektomie als Therapie infrage kommt, werden nach Beginn der Lysetherapie gegebenenfalls anschließend in ein entsprechendes Zentrum verlegt.
Der Zugang zu und die individuelle Auswahl von gefäßeröffnenden Therapien ist eine große Herausforderung, die aber heute allen Patienten bestmöglich angeboten werden muss.4
Blutverdünnende Therapie
Diese Therapie erhalten Patientinnen und Patienten, die weder für eine gerinnselauflösende Therapie noch für eine mechanische Thrombektomie infrage kommen. Beispielsweise, weil ihr Hirninfarkt bereits zu weit fortgeschritten ist oder weil sie Begleiterkrankungen haben oder Begleitmedikamente einnehmen, die eine Thrombolyse nicht erlauben. Und/oder sie leiden an einem für die Thrombektomie nicht zugänglichen Gefäßverschluss.
Auch Betroffene mit sehr kleinen oder flüchtigen Schlaganfällen und sehr geringen neurologischen Ausfällen erhalten gegebenenfalls alternativ gerinnungshemmende Therapie. Manchmal geschieht das durch Medikamentenkombinationen.
In diesen Fällen erhalten die Patienten in der Akutphase ein Medikament, das die Zusammenballung der Blutplättchen hemmt (Thrombozyten-Aggregationshemmer). Dadurch sollen sie vor dem Auftreten einer erneuten zerebralen Ischämie geschützt werden.
Solche Medikamente bekommen auch viele rekanalisierte Patientinnen und Patienten mit gewissem Abstand zur Akutbehandlung und dann nicht selten dauerhaft.
Behandlung einer Hirnblutung
Auch wenn die Hirnblutung als Folge des Platzens eines Blutgefäßes im Gehirn unter den Schlaganfällen nur 10 bis 15 Prozent ausmacht, ist sie sehr bedeutsam. Denn sie gehört zu den besonders schweren Schlaganfällen.
Die Behandlung einer Hirnblutung beruht auf zwei Prinzipien: Zum einen sollte die Blutung zum Stillstand gebracht werden, falls es noch nicht von allein geschehen ist. Zum anderen muss versucht werden, negative Folgen für das umliegende Hirngewebe zu vermeiden.
Zur Behandlung der Hirnblutung gibt es mehrere internationale Leitlinien, die aber bald überarbeitet werden müssen, weil es glücklicherweise seit 2023 neue Studienergebnisse zu Behandlungsmöglichkeiten gibt.5
Konservative Therapie
Nicht jede Hirnblutung muss operiert werden. Insbesondere kleine Einblutungen in die Gehirnsubstanz können sich gut von allein wieder zurückbilden, ähnlich wie ein Bluterguss unter der Haut.
Voraussetzung hierfür ist eine normale Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Wenn diese durch Medikamente verändert ist, beispielsweise durch sogenannte Antikoagulantien, umgangssprachlich auch Blutverdünner genannt, so muss sie medikamentös normalisiert werden.
Hauptrisikofaktor hierfür ist ein hoher Blutdruck. Daher ist eine sehr strenge Blutdruckeinstellung mit Werten unter 140/90 mmHg anzustreben. In der Akutphase ist daher immer eine Behandlung auf einer Überwachungsstation (Stroke Unit oder Intensivstation) nötig, um engmaschige Blutdruckkontrollen sicherzustellen. Außerdem lässt sich eine anfangs zumeist intravenöse Gabe von blutdrucksenkenden Medikamenten einleiten.
Eine frühe Blutdrucksenkung konnte in einer aktuellen großen Studie die Situation von Patientinnen und Patienten mit einer Hirnblutung verbessern. Zusammen mit anderen konservativen Maßnahmen wie Stabilisierung der Blutgerinnung, Blutzuckereinstellung oder Fiebersenkung.6
Manche Hirnblutungen liegen so tief im Gehirngewebe, dass ein operativer Zugang sehr schwierig oder gefährlich für die behandelte Person wäre. In diesen Fällen müssten die Operierenden sich den Weg durch viel gesundes Gehirngewebe bahnen und würden dieses dadurch schädigen, um überhaupt die Blutung zu erreichen.
Eine Möglichkeit kann dann die sogenannte dekompressive Hemikraniektomie sein, also die druckentlastende Entfernung des Schädeldeckels. Sie hat sich als eine denkbare Option gezeigt.7
Operative Therapie
Bei größeren Hirnblutungen, die massiven Druck auf das umliegende Hirngewebe ausüben, kann es erforderlich sein, die Blutung auszuräumen, also mittels Operation zu entfernen.2 Allerdings haben große Studien zu diesem Vorgehen bisher keine Vorteile gezeigt.
Teilweise kann es auch nötig sein, mittels eines dünnen Schlauchs (Katheter) der in die Hirnkammern eingelegt wird, Druck im Gehirn zu reduzieren. So wird Blut oder Nervenwasser (Liquor) vorübergehend nach außen abgeleitet. Wenn Blut in diese mit Hirnwasser gefüllten Räume eingedrungen ist, kann mittels eines solchen Schlauchs auch eine dortige Thrombolyse zur besseren Ableitung durchgeführt werden.
Nachdem sich über 30 Jahre in Studien kein chirurgischer Ansatz zur Ausräumung von Hirnblutungen als vorteilhaft gezeigt hat, hat sich aktuell die gewebeschonende, minimal-invasive Ausräumung per Port als vorteilhaft erwiesen. Dabei wird ein dauerhafter Zugang zum Gefäßsystem in das Unterhautfettgewebe implantiert.
Die positiven Studienergebnisse beschränkten sich aber auf die mehr an der Hirnoberfläche gelegenen, also nicht auf die tief liegenden Blutungen. Zahlreiche weitere Studien mit ähnlichem Ansatz laufen momentan. Es darf auf vielversprechende Ergebnisse gehofft werden.
Insgesamt haben die positiven Signale zu diesen frühen Behandlungsoptionen (unter 48 Stunden) zu neuer Hoffnung für Betroffene von Hirnblutungen geführt, die zunehmend mittels eines ganzen Maßnahmenbündels behandelt werden sollten.8,9
Die weitere Behandlung in der Akutklinik
An die akute Behandlung in den ersten Stunden nach Aufnahme in der Klinik schließt sich die Behandlung auf einer Schlaganfallspezialstation, also der Stroke Unit und seltener sogar auf der Intensivstation an. Im weiteren Verlauf auf einer Normalstation.
Dort findet eine weitere diagnostische Abklärung statt, damit eine mögliche Ursache für den Schlaganfall gefunden werden kann.
Nur wenn man die Ursache kennt, kann für die Zukunft eine wirkungsvolle Therapie eingeleitet werden, die möglichst ein erneutes Schlaganfall-Ereignis verhindern kann. Diese Therapie wird als Sekundärprophylaxe bezeichnet.
Dauer des Krankenhausaufenthalts
Die Dauer des Klinikaufenthaltes richtet sich danach, ob sich bei den weiteren Untersuchungen andere behandlungsbedürftige Erkrankungen zeigen oder ob eine Entlassung direkt in eine Rehabilitationseinrichtung erfolgt.
Bei komplikationsloser stationärer Behandlung ist mit 3 bis 5 Tagen Krankenhausaufenthalt zu rechnen, bei erschwerten Behandlungsabläufen können auch 2 bis 3 Wochen erforderlich sein.
Rehabilitation – die Behandlung nach der Akuttherapie
Ein großer Teil von Schlaganfallbetroffenen durchläuft nach einem Schlaganfall eine Rehabilitationsbehandlung.3 Diese kann stationär in einer Klinik oder ambulant erfolgen.
Stationäre Behandlung
Eine stationäre Behandlung ist geeignet für Patientinnen und Patienten, die intensive neurologische Rehabilitation benötigen. Oft sind diese durch ihre Schlaganfallsymptome so beeinträchtigt, dass sie eine ambulante Therapie von zu Hause aus nicht durchführen können.
Zumeist wird die Dauer für zunächst 3 Wochen durch den Kostenträger (Krankenkasse oder Rentenversicherung) bewilligt. Wenn jedoch weiterer stationärer Behandlungsbedarf im Anschluss besteht, kann eine Verlängerung beantragt werden.
Für ältere Schlaganfallbetroffene mit reduzierter körperlicher Belastbarkeit und/oder vielen Vorerkrankungen besteht statt einer neurologischen Rehabilitationsbehandlung die Möglichkeit zu einer geriatrischen Rehabilitation.
Ambulante Behandlung
Eine ambulante Behandlung ist geeignet für Schlaganfallbetroffene, die sich selbst versorgen können oder eine entsprechende Unterstützung im häuslichen Umfeld haben. Es muss ihnen möglich sein, die Rehabilitationseinrichtung regelmäßig zu den vorgegebenen Terminen zu erreichen.
Da die Person sich in ihrer gewohnten Umgebung aufhält, kann mit den therapeutischen Fachkräften sehr gezielt für die Aktivitäten des täglichen Lebens geübt werden. Denn es ist unmittelbar ersichtlich, in welchen Bereichen noch Rehabilitationsbedarf besteht.
Egal, ob stationär oder ambulant: Rehabilitation ist für die Betroffenen harte Arbeit. Sie benötigen Willenskraft, Ausdauer und Fleiß, denn das Gehirn lernt nur durch ständiges Wiederholen.
Oft geben die Therapeutinnen und Therapeuten Aufgaben für zu Hause mit. Und auch nach einer stationären Rehabilitationsbehandlung wird es mit ambulanter Therapie weitergehen.
Die Rehabilitationsbehandlung nach einem Schlaganfall dauert oftmals Monate, bei manchen Menschen sogar Jahre. Denn auch nach längerer Zeit können noch Erfolge erzielt werden.
Was beeinflusst die akute Behandlung eines Schlaganfalls?
Zeit: Je eher ein Schlaganfall erkannt und medizinische Hilfe geleistet wird, desto schneller kann eine zielgerichtete Therapie eingeleitet werden. Für die Betroffenen bedeutet das ein geringeres Risiko für eine bleibende Behinderung nach dem Schlaganfall.
Symptome: Die Schwere der Symptomatik ist wichtig.
Schlaganfallbetroffene mit nur sehr leichter Symptomatik würde man nicht dem Risiko einer möglicherweise komplikativen Therapie aussetzen. Weil sich die Symptome aber verschlechtern können, müssen Personen mit Schlaganfallsymptomen trotzdem schnell ins Krankenhaus.
Auch die Dauer der Symptome ist entscheidend: Wichtig ist eine korrekte Angabe, wann die Symptome begonnen haben. Falsch und gefährlich ist es, eine Zeit zu raten, zu spekulieren oder den Zeitpunkt des Auffindens der betroffenen Person mit ihren Symptomen zu nennen.
In unklaren Fällen muss dies dem behandelnden Ärzteteam durch die Patienten, Angehörigen oder den Rettungsdienst auch so mitgeteilt werden. Ebenso der Zeitpunkt, zu dem die Person zuletzt beschwerdefrei gesehen wurde. Andernfalls laufen Patientinnen und Patienten durch eine mögliche, wohlgemeinte Therapie Gefahr, Komplikationen zu erleiden.
Ursache der Symptome: Nur wenn die Ursache der Symptome schnell und richtig diagnostiziert wird, lässt sich die richtige Therapie wählen. Sollte dies nicht möglich sein, wird eine Therapie vorgenommen, die den meisten Schlaganfallpatienten hilft.
Begleiterkrankungen und Begleitmedikation: Für die richtige Therapieentscheidung sind diese sehr wichtige Informationen.
Die Einnahme einer blutverdünnenden Medikation sollte nie verschwiegen werden. Ebenso sollte man ehrlich angeben, wenn die Medikamente eigenmächtig weggelassen worden sind. Tragisch wäre es beispielsweise, wenn die behandelnden Ärztinnen und Ärzte davon ausgehen, dass stark blutverdünnende Medikamente eingenommen werden. Dann kann es passieren, dass sie eine Thrombolyse nicht oder erst mit Verzögerung nach Kenntnis ausführlicher Blutgerinnungswerte durchführen.
Geeignetes Krankenhaus: Alle Schlaganfallpatienten müssen schnellstmöglich in das geeignetste Krankenhaus gebracht werden. Und zwar mit dem Rettungsdienst, nicht mit dem eigenen Auto.
Auch die Vorstellung in der Arztpraxis ist eine unnötige Verzögerung. Welches Krankenhaus das geeignetste ist, entscheidet der Rettungsdienst.
Sie möchten weitere Informationen zu diesem oder einem anderen Thema?
Ich begleite seit vielen Jahren vertrauensvoll Patienten und ihre Angehörigen. Gerne unterstütze ich Sie in einem persönlichen Gespräch.
Beratungstermin buchen
- Wie verhalte ich mich bei Verdacht auf einen Schlaganfall?
- Studie: Alleinige Thrombektomie ist Kombinationstherapie nicht unterlegen
- Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Bestellen Sie jetzt unseren Newsletter! Wir schicken Ihnen regelmäßig und kostenlos aktuelle Informationen rund zum Schlaganfall: Grundlagen-Informationen, Ratgeber, konkret umsetzbare Tipps und aktuelle Studien.
Die Zeit nach der Klinik ist für Angehörige oft die größte Herausforderung. Unser Online-Kurs führt Sie in 13 kompakten Modulen durch die Zeit danach. Der Kurs ist ein kostenfreies Angebot gesetzlicher Krankenkassen nach § 45 SGB XI.
Artikel aktualisiert am: - Nächste geplante Aktualisierung am:
Autoren
Prof. Dr. med. Julian Bösel und Dr. med. Christina Rückert
Prof. Dr. med. Julian Bösel studierte von 1993 bis 2000 Medizin in Heidelberg und London mit Auslandsaufenthalten in Südafrika, Lateinamerika und den USA. Er spezialisierte sich von 2002 bis 2007 in Neurologie und experimenteller neurowissenschaftlicher Forschung über neuronale Hypoxie am Universitätsklinikum Charité Berlin. Von 2008 bis 2016 war er Oberarzt und Sektionsleiter für Akut- und Intensivneurologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Von 2027 bis 2022 war er Vorsitzender der Neurologie mit umfassendem Schlaganfallzentrum und Koordination des neuromuskulären Netzwerks am Klinikum Kassel, Campus Hospital der University of Southampton, Kassel. Von September 2023 bis August 2024 war er Adjunct Professor, Fakultät für Neurologie am Johns Hopkins University Hospital (USA) und Immediate Past President der Deutschen Gesellschaft für Neurokritische Intensivmedizin (DGNI). Er ist mit Johns Hopkins weiterhin akademisch affiliiert. Daneben hat er verschiedene andere Positionen und Mitgliedschaften in medizinischen Gesellschaften (z.B. DGN, DGNL, DSG, DIVI, NCS, ESO). Derzeit ist er Chefarzt der Klinik für Neurologie am Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) Neumünster.
Quellen
- Intensive Ambulance-Delivered Blood-Pressure Reduction in Hyperacute Stroke - Autoren: Gang Li, Yapeng Lin, Jie Yang, Craig S Anderson, Chen Chen, Feifeng Liu, Laurent Billot, Qiang Li, Xiaoying Chen, Xiaoqiu Liu, Xinwen Ren, Chunfang Zhang, Ping Xu, Lijun Wu, Feng Wang, Daijun Qiu, Mei Jiang, Yiqian Peng, Chaohui Li, Yiyang Huang, Xiaohui Zhao, Jiye Liang, Yao Wang, Xiangjun Wu, Xiaoyun Xu, Guofang Chen, Dongya Huang, Yue Zhang, Lian Zuo, Guozhao Ma, Yumei Yang, Junjie Hao, Xiahong Xu, Xinli Xiong, Yueyu Tang, Yijia Guo, Jianping Yu, Shuping Li, Song He, Fengkai Mao, Quandan Tan, Song Tan, Nengwei Yu, Ruxiang Xu, Mingwei Sun, Binghu Li, Jiang Guo, Leibo Liu, Hueiming Liu, Menglu Ouyang, Lei Si, Hisatomi Arima, Philip M Bath, Gary A Ford, Thompson Robinson, Else Charlotte Sandset, Jeffrey L Saver, Nikola Sprigg, H Bart van der Worp, Lili Song - Publikation: N Engl J Med. 2024 May 30;390(20):1862-1872. Epub 2024 May 16. - DOI: 10.1056/NEJMoa2314741
- MRI-Guided Thrombolysis for Stroke with Unknown Time of Onset - Autoren: Götz Thomalla, Claus Z Simonsen, Florent Boutitie, Grethe Andersen, Yves Berthezene, Bastian Cheng, Bharath Cheripelli, Tae-Hee Cho, Franz Fazekas, Jens Fiehler, Ian Ford, Ivana Galinovic, Susanne Gellissen, Amir Golsari, Johannes Gregori, Matthias Günther, Jorge Guibernau, Karl Georg Häusler, Michael Hennerici, André Kemmling, Jacob Marstrand, Boris Modrau, Lars Neeb, Natalia Perez de la Ossa, Josep Puig, Peter Ringleb, Pascal Roy, Enno Scheel, Wouter Schonewille, Joaquin Serena, Stefan Sunaert, Kersten Villringer, Anke Wouters, Vincent Thijs, Martin Ebinger, Matthias Endres, Jochen B Fiebach, Robin Lemmens, Keith W Muir, Norbert Nighoghossian, Salvador Pedraza, Christian Gerloff - Publikation: N Engl J Med. 2018 Aug 16;379(7):611-622. - DOI: 10.1056/NEJMoa1804355
- Endovascular thrombectomy for acute ischaemic stroke with established large infarct: multicentre, open-label, randomised trial - Autoren: Martin Bendszus, Jens Fiehler, Fabien Subtil, Susanne Bonekamp, Anne Hege Aamodt, Blanca Fuentes, Elke R Gizewski, Michael D Hill, Antonin Krajina, Laurent Pierot, Claus Z Simonsen, Kamil Zeleňák, Rolf A Blauenfeldt, Bastian Cheng, Angélique Denis, Hannes Deutschmann, Franziska Dorn, Fabian Flottmann, Susanne Gellißen, Johannes C Gerber, Mayank Goyal, Jozef Haring, Christian Herweh, Silke Hopf-Jensen, Vi Tuan Hua, Märit Jensen, Andreas Kastrup, Christiane Fee Keil, Andrej Klepanec, Egon Kurča, Ronni Mikkelsen, Markus Möhlenbruch, Stefan Müller-Hülsbeck, Nico Münnich, Paolo Pagano, Panagiotis Papanagiotou, Gabor C Petzold, Mirko Pham, Volker Puetz, Jan Raupach, Gernot Reimann, Peter Arthur Ringleb, Maximilian Schell, Eckhard Schlemm, Silvia Schönenberger, Bjørn Tennøe, Christian Ulfert, Kateřina Vališ, Eva Vítková, Dominik F Vollherbst, Wolfgang Wick, Götz Thomalla - Publikation: Lancet. 2023 Nov 11;402(10414):1753-1763. - DOI: 10.1016/S0140-6736(23)02032-9
- Access to and application of recanalizing therapies for severe acute ischemic stroke caused by large vessel occlusion - Autoren: Julian Bösel, Gordian J. Hubert, Jessica Jesser, Markus A. Möhlenbruch, Peter A. Ringleb - Publikation: Neurol Res Pract. 2023; 5: 19. - DOI: 10.1186/s42466-023-00245-9
- 2022 Guideline for the Management of Patients With Spontaneous Intracerebral Hemorrhage: A Guideline From the American Heart Association/American Stroke Association - Autoren: Steven M Greenberg, Wendy C Ziai, Charlotte Cordonnier, Dar Dowlatshahi, Brandon Francis, Joshua N Goldstein, J Claude Hemphill 3rd, Ronda Johnson, Kiffon M Keigher, William J Mack, J Mocco, Eileena J Newton, Ilana M Ruff, Lauren H Sansing, Sam Schulman, Magdy H Selim, Kevin N Sheth, Nikola Sprigg, Katharina S Sunnerhagen - Publikation: Stroke. 2022 Jul;53(7):e282-e361 - DOI: 10.1161/STR.0000000000000407
- The third Intensive Care Bundle with Blood Pressure Reduction in Acute Cerebral Haemorrhage Trial (INTERACT3): an international, stepped wedge cluster randomised controlled trial - Autoren: Lu Ma, Xin Hu, Lili Song, Xiaoying Chen, Menglu Ouyang, Laurent Billot, Qiang Li, Alejandra Malavera, Xi Li, Paula Muñoz-Venturelli, Asita de Silva, Nguyen Huy Thang, Kolawole W Wahab, Jeyaraj D Pandian, Mohammad Wasay, Octavio M Pontes-Neto, Carlos Abanto, Antonio Arauz, Haiping Shi, Guanghai Tang, Sheng Zhu, Xiaochun She, Leibo Liu, Yuki Sakamoto, Shoujiang You, Qiao Han, Bernard Crutzen, Emily Cheung, Yunke Li, Xia Wang, Chen Chen, Feifeng Liu, Yang Zhao, Hao Li, Yi Liu, Yan Jiang, Lei Chen, Bo Wu, Ming Liu, Jianguo Xu, Chao You, Craig S Anderson - Publikation: Lancet. 2023 Jul 1;402(10395):27-40 - DOI: 10.1016/S0140-6736(23)00806-1
- Decompressive craniectomy plus best medical treatment versus best medical treatment alone for spontaneous severe deep supratentorial intracerebral haemorrhage: a randomised controlled clinical trial - Autoren: Jürgen Beck, Christian Fung, Daniel Strbian, Lukas Bütikofer, Werner J Z'Graggen, Matthias F Lang, Seraina Beyeler, Jan Gralla, Florian Ringel, Karl Schaller, Nikolaus Plesnila, Marcel Arnold, Werner Hacke, Peter Jüni, Alexander David Mendelow, Christian Stapf, Rustam Al-Shahi Salman, Jenny Bressan, Stefanie Lerch, Arsany Hakim, Nicolas Martinez-Majander, Anna Piippo-Karjalainen, Peter Vajkoczy, Stefan Wolf, Gerrit A Schubert, Anke Höllig, Michael Veldeman, Roland Roelz, Andreas Gruber, Philip Rauch, Dorothee Mielke, Veit Rohde, Thomas Kerz, Eberhard Uhl, Enea Thanasi, Hagen B Huttner, Bernd Kallmünzer, L Jaap Kappelle, Wolfgang Deinsberger, Christian Roth, Robin Lemmens, Jan Leppert, Jose L Sanmillan, Jonathan M Coutinho, Katharina A M Hackenberg, Gernot Reimann, Mikael Mazighi, Claudio L A Bassetti, Heinrich P Mattle, Andreas Raabe, Urs Fischer - Publikation: Lancet. 2024 Jun 1;403(10442):2395-2404. - DOI: 10.1016/S0140-6736(24)00702-5
- Acute care bundles should be used for patients with intracerebral haemorrhage: An expert consensus statement - Autoren: Adrian R Parry-Jones, Susann J Järhult, Natalie Kreitzer, Andrea Morotti, Danilo Toni, David Seiffge, Alexander David Mendelow, Hiren Patel, Hens Bart Brouwers, Catharina Jm Klijn, Thorsten Steiner, Walter Brian Gibler, Joshua N Goldstein - Publikation: Eur Stroke J. 2024 Jun;9(2):295-302 - DOI: 10.1177/23969873231220235
- Treatment for intracerebral hemorrhage: Dawn of a new era - Autoren: David J Seiffge, Craig S Anderson - Publikation: Int J Stroke. 2024 Jun;19(5):482-489 - DOI: 10.1177/17474930241250259

