Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ▷ Symptome, Ursachen, Folgen

Messung des Knöchel-Arm-Index (Ankle-Brachial Index, ABI) zur pAVK-Diagnostik (Foto: mind_photo | Shutterstock)
In diesem Artikel:
- Was bedeutet pAVK?
- Ursachen einer pAVK
- Symptome und Formen einer pAVK
- Diagnostik der pAVK
- Welche Folgen hat eine pAVK?
- Prognosen bei einer pAVK
- Wie lässt sich eine pAVK behandeln?
Das Wichtigste in Kürze:
Für alle, die gleich in die Tiefe gehen und mehr wissen möchten: Hier geht es zur ausführlichen Version des Artikels.Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ist die Durchblutung bestimmter Bereiche oder Organe zum Teil deutlich reduziert.
Betroffen sind 3 bis 10 Prozent der Allgemeinbevölkerung.3
Ursächlich sind neben Rauchen, Alter, Bluthochdruck, Übergewicht und Bewegungsmangel insbesondere erhöhte Stoffwechselwerte.
Die chronische pAVK verläuft anfangs meist asymptomatisch. Das Leitsymptom der pAVK ist die Claudicatio intermittens (lateinisch für „zeitweiliges Hinken“). Dabei handelt es sich um belastungsabhängige, krampfartige Schmerzen. Sie treten am häufigsten in der Wade auf und sind oft mit einem Schwäche- und Kältegefühl verbunden.
Die Schmerzen zwingen die Betroffenen zu Pausen. Daher wird die pAVK umgangssprachlich als Schaufensterkrankheit bezeichnet. Wie bei einem Schaufensterbummel müssen sie wiederholt stehen bleiben, bis die Beschwerden nachlassen.
Personen mit einer pAVK haben ein vierfach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall sowie ein dreifach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt.
Therapeutisch wird zwischen konservativ-medikamentösen und interventionellen, also operativen Maßnahmen unterschieden.
Die Zeit nach der Klinik ist für Angehörige oft die größte Herausforderung. Unser Online-Kurs führt Sie in 13 kompakten Modulen durch die Zeit danach. Der Kurs ist ein kostenfreies Angebot gesetzlicher Krankenkassen nach § 45 SGB XI.
Was bedeutet pAVK?
Der Begriff periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) beschreibt ein Krankheitsbild, das durch eine fortschreitende Verengung (Stenose) beziehungsweise den Verschluss (Okklusion) von arteriellen Blutgefäßen entsteht.
Genauer von arteriellen Blutgefäßen, die das Blut vom Herzen zu sämtlichen Bereichen des Körpers wie den Organen und Muskeln transportieren.
Dies geschieht oft durch die Ablagerung von Cholesterin und anderen Substanzen an den Wänden der Arterien, was als Atherosklerose bezeichnet wird. Dabei sind insbesondere die Bein- und Armgefäße, aber auch andere wichtige Arterien betroffen.
Die Atherosklerose der hirnversorgenden Arterien, etwa die Karotisstenose, gehört nicht zur pAVK. So auch die Atherosklerose der Herzkranzarterien, also der Koronararterien.
Umgangssprachlich wird die pAVK auch Schaufensterkrankheit genannt. Denn die Durchblutungsstörungen in den Beinen führen dazu, dass Betroffene beim Gehen starke Schmerzen vor allem in den Waden bekommen. Wie bei einem Schaufensterbummel müssen sie wiederholt stehen bleiben, bis die Beschwerden nachlassen.
Häufigkeit einer pAVK
Die pAVK ist eine häufige Erkrankung. Weltweit sind davon etwa 200 Millionen Menschen betroffen.
Mit steigendem Lebensalter nimmt die Häufigkeit zu. Die Gesamthäufigkeit wird mit 3 bis 10 Prozent in der Allgemeinbevölkerung angegeben.
Bei Personen über dem 70. Lebensjahr beträgt sie sogar 15 bis 20 Prozent. Allerdings wird die Erkrankung nur bei circa 30 Prozent der Fälle symptomatisch.3
Männer sind etwa viermal häufiger betroffen als Frauen.
Welche Ursachen hat eine pAVK?
Verschiedene sogenannte Herz-Kreislauf-Risikofaktoren tragen zur Entstehung einer pAVK bei.
Rauchen
Rauchen ist einer der Hauptrisikofaktoren.
Insbesondere die Substanz Nikotin im Tabak kann die Arterien durch Verengungen schädigen und damit die Durchblutung nachfolgender Bereiche deutlich beeinträchtigen.
Somit ist ein Nikotinverzicht in jedem Falle ratsam, denn er senkt das Risiko einer Verschlechterung der pAVK beziehungsweise deren Auftreten.
Diabetes mellitus
An Diabetes erkrankte Menschen haben ein erhöhtes Risiko für die pAVK, denn hohe Blutzuckerspiegel schädigen die Blutgefäße. Und sie begünstigen gefäßverengende Ablagerungen in den Arterien.
Bluthochdruck
Bluthochdruck ist der Risikofaktor Nummer 1.
Er kann dazu führen, dass die Arterienwände durch die druckbedingten Scherkräfte geschädigt werden und sich Ablagerungen (Plaques) ansammeln. Das kann die Durchblutung behindern.
Hoher Cholesterinspiegel
Insbesondere ein hoher LDL-Cholesterinspiegel kann zu Ablagerungen in den Arterienwänden führen, die diese verengen und die Durchblutung deutlich beeinträchtigen.
Familiäre Vorbelastung
Sofern in der Familie bereits Fälle von pAVK, Schlaganfall oder Herzinfarkt aufgetreten sind, besteht ein erhöhtes Risiko, eine pAVK zu entwickeln.
Alter
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für eine pAVK, da die Arterien im Laufe der Zeit an Elastizität verlieren und sich Ablagerungen ansammeln können.
Bewegungsmangel
Ein inaktiver Lebensstil kann das Risiko für pAVK erhöhen. Regelmäßige Bewegung trägt dagegen dazu bei, die Durchblutung zu fördern und die Gesundheit der Arterien zu unterstützen.
Übergewicht oder Fettleibigkeit
Übergewicht und Adipositas belasten das Herz-Kreislauf-System und können zu einem erhöhten Risiko für pAVK führen. Insbesondere wenn sie mit anderen Risikofaktoren wie Diabetes, erhöhtem LDL-Cholesterin oder Bluthochdruck verbunden sind.
Durch eine Senkung des Übergewichts lassen sich häufig diese Faktoren verbessern. Demzufolge lässt sich auch das Risiko senken, eine pAVK zu entwickeln oder ein Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.
Stress
Stress wird ebenfalls als Risikofaktor diskutiert, weil er mit erhöhten Entzündungsparametern und einem höheren Blutzuckerspiegel verbunden ist.
Zu den wichtigsten Stressoren gehört für viele Menschen das Arbeitsleben, wenn die Anforderungen während der Arbeit als zu hoch und die Entlohnung als zu niedrig angesehen werden.
Risikofaktoren für eine pAVK in den Griff bekommen
Es ist wichtig, diese Risikofaktoren zu kennen und zu versuchen, sie zu kontrollieren oder zu reduzieren, um das Risiko für eine pAVK zu verringern.
Dies kann durch eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, Rauchverzicht und die Kontrolle von Blutzucker-, Cholesterin- und Blutdruckwerten erreicht werden.
Wenn Sie sich über ein persönliches Risiko in Bezug auf eine pAVK Sorgen machen, sollten Sie am besten mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin darüber sprechen.
Seltene Ursachen
Die chronische pAVK wird in circa 95 Prozent der Fälle durch Atherosklerose verursacht.
Doch es gibt auch seltene Ursachen, die nachfolgend erwähnt werden, aber auf die wegen ihrer geringen Häufigkeit nicht näher eingegangen wird:
- Vaskulitis (zum Beispiel Thrombangiitis obliterans, Riesenzellarteriitis, Takayasu-Arteriitis)
- zystische Adventitiadegeneration
- traumatische Gefäßverletzungen
- fibromuskuläre Dysplasie
Differenzialdiagnosen zur pAVK
Es gibt einige wenige Erkrankungen, die pAVK-ähnliche Symptome aufweisen und daher unbedingt differenzialdiagnostisch abgeklärt werden müssen:
- venöse Thrombose (zum Beispiel die tiefe Beinvenenthrombose)
- akute Extremitätenischämie (Durchblutungsstörung von Armen oder Beinen): Sie entsteht in 20 Prozent der Fälle aufgrund einer arteriellen Thrombose (beispielsweise im Rahmen einer pAVK). Häufiger wird sie jedoch durch eine Embolie ausgelöst, die zum Beispiel durch ein Popliteaaneurysma (krankhafte Erweiterung der Kniekehlenarterie) oder kardiale Thromben (Blutgerinnsel) bei Vorhofflimmern bedingt ist.
- Claudicatio spinalis durch eine Spinalkanalstenose, eine Einengung des Rückenmarkkanals
- Polyneuropathie
- Arthrose der Gelenke der unteren Extremität
Welche Symptome hat eine pAVK?
Die chronische pAVK verläuft anfangs meist asymptomatisch.
Faktoren zur Einordnung der Symptome
Das klinische Bild wird letztlich durch drei Faktoren bestimmt:
- den Grad der Stenose,
- das Ausmaß der Kollateralkreisläufe, also der Umgehungskreisläufe um die Stenose
- und die Lokalisation der Stenose.
Das Leitsymptom der pAVK ist die Claudicatio intermittens (lateinisch für „zeitweiliges Hinken“). Darunter versteht man belastungsabhängige, krampfartige Schmerzen – am häufigsten in der Wade. Sie sind oft verbunden mit einem Schwäche- und Kältegefühl und zwingen die Betroffenen zu Pausen.
Mit dem Begriff Walking-through-Phänomen wird die Besserung der Beschwerden trotz weiterer Belastung bezeichnet.
Die Symptome treten grundsätzlich im Blutstrombereich unterhalb einer Stenose auf, zum Beispiel im Unterschenkel bei einer pAVK vom Oberschenkeltyp.
Bei einer Durchblutungsstörung, die durch eine Verengung oder einen Verschluss der Aorta (Bauchschlagader) im Bereich der Bifurkation (Aufteilung in die Beckenarterien) verursacht wird, spricht man von einem Leriche-Syndrom.
Dies führt zu einer unzureichenden Blutversorgung der unteren Extremitäten, was Schmerzen, Muskelschwäche und bei Männern Potenzstörungen zur Folge haben kann.
Die chronische Gliedmaßen-bedrohende Ischämie (Englisch: chronic limb-threatening ischemia = CLTI) kennzeichnet den fortgeschrittenen Zustand des Missverhältnisses zwischen Bedarf und Angebot arterieller Durchblutung der Extremitäten mit Symptomen wie Ruheschmerz (vor allem im Bereich des Vorfußes) und blasse, kühle Haut.
Ein weiteres Symptom der CLTI sind schmerzhafte trophische Störungen:
- Gangrän (Absterben von Gewebe durch eine länger andauernde Durchblutungsstörung)
- Ulcus cruris arteriosum (Geschwür am Unterschenkel durch eine unzureichende Blutversorgung)
- Nekrosen (Gewebezerfall, vor allem an der Außenseite der Unterschenkel, am Außenknöchel und an den Zehen)
Zusätzliche Komplikationen der pAVK ergeben sich durch Wundinfektionen mit der Gefahr einer Sepsis.
Menschen mit einer pAVK besitzen ein hohes Risiko für das Auftreten von weiteren atherosklerotischen Erkrankungen, insbesondere von Schlaganfall und Herzinfarkt.
Formen der pAVK
Die pAVK wird in verschiedene Kategorien eingeteilt. Diese sind Symptomatik, Lokalisation und Komplikationen.
Einteilung nach Symptomatik
Die pAVK wird anhand der Symptomatik nach Fontaine (René Fontaine, französischer Chirurg, 1899-1979) eingeteilt in:
| Stadium | Symptomatik |
|---|---|
| Stadium I | symptomfrei, meist klinischer Zufallsbefund (zum Beispiel fehlende periphere Pulse am Fußrücken, seltener am Handgelenk) |
| Stadium II | Claudicatio intermittens |
| IIa | beschwerdefreie Gehstrecke > 200 m |
| IIb | beschwerdefreie Gehstrecke < 200 m |
| Stadium III* | ischämischer Ruheschmerz |
| Stadium IV* | trophische Störungen (Nekrosen, Ulzera, Gangrän) |
Daneben gibt es eine klinische Stadieneinteilung nach Rutherford (Robert B. Rutherford, US-amerikanischer Gefäßchirurg, 1931-2013). Sie wird häufiger im angloamerikanischen Bereich und in klinischen Studien angewendet:
| Kategorie | Symptomatik |
|---|---|
| 0 | asymptomatisch |
| 1 | leichte Claudicatio intermittens |
| 2 | mäßige Claudicatio intermittens |
| 3 | schwere Claudicatio intermittens |
| 4* | ischämischer Ruheschmerz |
| 5* | kleinflächige Nekrose |
| 6* | großflächige Nekrose |
*Stadien der chronischen Extremitäten-bedrohenden Ischämie (CLTI)
Einteilung nach Lokalisation
In über 90 Prozent der Fälle ist die untere Extremität von der pAVK betroffen.
Dabei unterscheidet man je nach Lokalisation folgende Formen:
- pAVK vom Beckentyp ("B-Typ"): Stenosen im Bereich von Aorta abdominalis und Arteriae iliacae; häufig bei Rauchern; circa 35 Prozent
- pAVK vom Oberschenkeltyp ("O-Typ"): Stenosen im Bereich von Arteria femoralis und Arteria poplitea; circa 50 Prozent
- pAVK vom Unterschenkeltyp ("U-Typ", pAVK vom peripheren Typ): Stenosen distal der Arteria poplitea; häufig bei Diabetes mellitus und Thrombangiitis obliterans; circa 15 Prozent
- pAVK vom akralen Typ: seltene Unterform mit isoliertem Verschluss von Zehenarterien
Bei bis zu 60 Prozent der Betroffenen finden sich jedoch Stenosen in unterschiedlichen Lokalisationen. Man bezeichnet diese Form als Mehr-Etagen-Erkrankung beziehungsweise als pAVK vom Mehretagentyp.
In weniger als 10 Prozent der Fälle betrifft die pAVK die obere Extremität:
- pAVK vom Schultertyp (30 Prozent): Stenosen im Bereich von Arteria subclavia (Armarterie) und Arteria axillaris (Schulterarterie)
- pAVK vom digitalen Typ (70 Prozent): Stenosen im Bereich der Fingerarterien, der Arteriae digitales
Einteilung nach Komplikationen
Bei bereits bestehender höhergradiger pAVK gibt es zwei Formen:
- chronische Gliedmaßen-bedrohende Ischämie (CLTI): Komplikation der chronischen pAVK
- akute Extremitätenischämie: akuter Verschluss einer Extremität, eher seltene Komplikation einer pAVK
Diagnostik der pAVK
Der Verdacht auf eine pAVK ergibt sich nach einer sorgfältigen Anamnese (Befunderhebung) und einer körperlichen Untersuchung.
Dabei müssen folgende Aspekte berücksichtigt werden:
- Anamnese: Schmerzcharakter, Schmerzlokalisation, atherosklerotische Risikofaktoren
- Inspektion: Farbe der Haut, Störungen der Trophik (= Ernährungs- und Wachstumszustand eines Gewebes oder Organismus)
- Palpation: Pulsstatus, verminderte Sensibilität und Hauttemperatur
- Auskultation: systolische, maschinenartige Stenosegeräusche hinter der Stenose, (allerdings meist erst ab 60- bis 70-prozentiger Stenose)
Anschließend sollte der Knöchel-Arm-Index (Ankle-Brachial Index, ABI) ermittelt werden. Dies ist ein einfacher und nicht invasiver Test, bei dem der Blutdruck in den Armen und Beinen gemessen wird, um einen Quotienten der beiden Werte zu bilden. Ein niedriger ABI deutet auf eine verminderte Durchblutung hin und kann ein Hinweis auf pAVK sein.
Die TOPP-Methode (Tissue Optical Perfusion Pressure) umfasst die simultane automatisierte Messung des Knöchel-Arm-Index und Pulswellen-Index. Mit TOPP sowie ABI als All-in-one-Screening-Methode werden Patientinnen und Patienten mit unbekannter oder unbestätigter pAVK früher diagnostiziert und früher behandelt.
Durch die nicht invasive Messung des transkutanen Sauerstoffpartialdrucks (TcpO2) kann die Mikroperfusion der kleinen Gefäße (Kapillargefäße) gemessen werden. Bei Personen mit chronischer kritischer Ischämie und drohender Amputationsgefahr oder mit chronischer Wundheilungsstörung auf dem Boden einer pAVK wird diese Methode zur Therapieentscheidung sowie zur Überwachung angewendet.
Die bildgebenden Ultraschallverfahren Doppler- und Duplex-Sonographie werden verwendet, um den Blutfluss in den Arterien darzustellen und Anomalien wie Verengungen oder Verschlüsse zu identifizieren.
Der Laufbandtest ist eine einfache und nicht invasive Methode, um das Ausmaß der Durchblutungsstörung bei einer pAVK zu beurteilen und manchmal auch bei variablen Beschwerden die Indikation zur invasiven Therapie zu stellen. Der Laufbandtest kann auch verwendet werden, um den Erfolg von Behandlungen zu überwachen und die Fortschritte der Patientin oder des Patienten im Langzeitverlauf zu verfolgen.
Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) als bildgebende Verfahren können ebenfalls verwendet werden, um detaillierte Bilder der Blutgefäße zu erhalten und Verengungen oder Verschlüsse zu identifizieren. In einigen Fällen ist dies zur Therapieplanung ein notwendiger diagnostischer Schritt.
Beim invasiveren Verfahren der digitalen Subtraktionsangiographie (DSA) wird ein Kontrastmittel in die Arterien injiziert, um ihre Struktur und Durchblutung auf Röntgenbildern sichtbar zu machen. Dies hilft, den genauen Ort und den Schweregrad der Verengung zu bestimmen.
Derzeit werden keine Laborparameter zur Diagnose einer pAVK empfohlen.
Letztlich hängt die Auswahl der diagnostischen Verfahren von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Symptome der betroffenen Person, ihrer medizinischen Vorgeschichte und der Verfügbarkeit von Ressourcen in der jeweiligen medizinischen Einrichtung.
Welche Folgen hat eine pAVK?
- Herzinfarkt und Schlaganfall: Atherosklerotische Plaques, die die pAVK verursachen, können auch in den Herz- und Hirnarterien auftreten. Dies erhöht das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erheblich.
- Wundinfektionen und Sepsis: Schlecht heilende Wunden an den Füßen oder Zehen können sich infizieren und zu lebensbedrohlichen Blutvergiftungen (Sepsis) führen.
- Gliedmaßenverlust (Amputation): In schweren Fällen einer pAVK. Insbesondere wenn die Durchblutung stark eingeschränkt ist, kann es zu einem Absterben von Gewebe (Nekrose) kommen, was eine Amputation erforderlich macht.
- Chronische Extremitätenischämie: Dies ist eine anhaltende Minderdurchblutung der Gliedmaßen, die zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt.
pAVK: Wie sind die Prognosen?
Eine pAVK verläuft bei circa 70 Prozent der Betroffenen meist blande, also weitgehend unauffällig. So besteht auch fünf Jahre nach Stellung der Diagnose ein stabiles Stadium.
Bei 10 bis 20 Prozent der Patientinnen und Patienten kommt es im gleichen Zeitraum zu einer Verschlechterung, bei 5 bis 10 Prozent zu einer CLTI.
Bei 1 bis 2 Prozent der betroffenen Personen mit Claudicatio intermittens besteht bezogen auf ihre Lebensdauer die Gefahr einer Amputation.
Allerdings besitzen Personen mit einer pAVK ein vierfach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall sowie ein dreifach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt. Und die 5-Jahres-Sterblichkeit liegt bei circa 20 Prozent.3
Wie lässt sich eine pAVK behandeln?
Die Therapie der pAVK variiert je nach Fontaine-Stadium. Man unterscheidet zwischen konservativ-medikamentösen und interventionellen, also operativen Maßnahmen.
Konservative Therapie
Wird sich für eine konservative Therapie entschieden, so steht die medikamentöse Einstellung der Risikofaktoren im Mittelpunkt.
Außerdem ist zur Verbesserung der schmerzfreien Gehstrecke ein strukturiertes Gehtraining notwendig. Dieses Gehtraining kann in der Hausarztpraxis oder in einer Facharztpraxis für Angiologie (Gefäßmedizin) rezeptiert werden. Es dient der Steigerung der Kondition sowie der Förderung der Gefäßneubildung.
Zu den konservativen und medikamentösen Maßnahmen zählen insgesamt:
- Nikotinabstinenz
- Gehtraining (Stadium II) zur Verbesserung der Gefäßneubildung
- Wundbehandlung (Stadium IV)
- Patienten mit einer pAVK sollten immer ein Statin erhalten, um das Low-Density-Lipoprotein (LDL-Cholesterin) auf weniger als 1,4 mmol/l (55 mg/dl) beziehungsweise auf mindestens 50 Prozent des Ausgangswerts zu senken. Kann dies durch eine Monotherapie nicht erreicht werden, sollte zusätzlich Ezetimib verordnet werden, um die Resorption von Cholesterin zu hemmen. Ist auch diese Kombination nicht ausreichend wirksam, können zusätzlich Bempedoinsäure, PCSK9-Inhibitoren, Evinacumab sowie die Lipidapherese eingesetzt werden.
- Zur Blutdruckeinstellung (<140/90 mmHg) werden ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorantagonisten und Calciumantagonisten empfohlen.
- Ein Diabetes mellitus sollte entsprechend der Leitlinien bestmöglich eingestellt werden.
- Ab Stadium II ist die dauerhafte Medikation eines Thrombozytenaggregationshemmers wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Clopidogrel indiziert. Bei starker Einschränkung der Lebensqualität, Stadium IIb und nicht möglichem Gehtraining können auch Naftidrofuryl oder Cilostazol erwogen werden. Der Nutzen dieser Medikamente ist jedoch umstritten.
- Im Stadium III können Prostanoide wie Iloprost, Alprostadil = Prostaglandin E1 bei Patienten verabreicht werden, bei denen eine Revaskularisation nicht möglich ist. Häufig werden sie im Stadium II auch off-label, also außerhalb der von den Zulassungsbehörden genehmigten Anwendungsszenarien, angewandt. Der Effekt von Prostaglandinen bei der pAVK ist jedoch nicht eindeutig belegt.
- Bei kritischer Ischämie und Infektionen kann eine systemische Antibiose indiziert sein.
- Eine orale Antikoagulation (Blutverdünnung), zum Beispiel mit Marcumar, wird nur in besonderen Fällen empfohlen.
Interventionelle Therapie
Die Indikation einer interventionellen Therapie kann bereits im Stadium II gestellt werden bei Patienten mit
- erfolgloser konservativer und medikamentöser Therapie,
- großer Beeinträchtigung der Lebensqualität, starkem Patientenwunsch oder nicht möglichem Gehtraining,
- vor allem bei proximalen, das heißt hochsitzenden Gefäßverschlüssen.
Die interventionelle Therapie wird in zwei Formen unterteilt: Endovaskuläre und Chirurgische Verfahren.
Endovaskuläre Verfahren
Wird eine pAVK mit den entsprechenden Beschwerden diagnostiziert und die Indikation zur interventionellen Therapie gestellt, können viele Läsionen endovaskulär therapiert werden.
Das bedeutet, dass durch einen geeigneten Gefäßzugang unter lokaler Betäubung die Gefäßverengungen oder Verschlüsse wieder geöffnet werden.
Standardverfahren der interventionellen Therapie ist die perkutane transluminale Angioplastie (PTA) mittels eines Ballonkatheters. Je nach Lokalisation wird im gleichen Zuge ein Stent implantiert.
In besonderen Härtefällen bei massiv kalzifizierten Gefäßen ist eine Gefäßpräparation mit Entfernung von Plaquematerial im Vorfeld notwendig. Eine solche Therapiemethode wird Atherektomie genannt.
Chirurgische Verfahren
Durch ungünstige Lokalisation oder Länge der Verengung beziehungsweise des Verschlusses für eine PTA mit Stentimplantationen hat in manchen Fällen eine gefäßchirurgische Operation Vorteile gegenüber einem endovaskulären Vorgehen.
Unabhängig davon, welche Therapieform in Frage kommt, besteht das Therapiekonzept immer aus drei Säulen: Diagnostik, Therapie und Nachsorge.
Bei der operativen Revaskularisation existieren ebenfalls verschiedene Verfahren:
- Thrombendarteriektomie (TEA) mit/ohne Patchplastik und gegebenenfalls Interponat
- operative Gefäßrekonstruktion (Bypass-Operation): autologer Venenbypass (aus dem Körper stammend) oder alloplastischer Bypass (aus körperfremden, künstlichen Materialien bestehend; zum Beispiel Polytetrafluorethylen (PTFE) oder Dacron)
Mögliche Komplikationen sind akute Extremitätenischämien, Wundinfektionen, Sepsis und intraoperative Blutungen.
Ultima Ratio ist die Amputation der betroffenen Extremität.
Relative Indikationen einer operativen Therapie im Stadium II ergeben sich bei Betroffenen mit großer Beeinträchtigung der Lebensqualität oder starkem Patientenwunsch und erfolgloser/ungeeigneter interventioneller Revaskularisation.
Bei pAVK vom Unterschenkeltyp werden im Stadium II weder interventionelle noch chirurgische Eingriffe empfohlen. In Einzelfällen kann auch eine Revaskularisation im Stadium I notwendig sein.
Nach der interventionellen Therapie ist weiterhin die Gabe von ASS indiziert. Ferner kann eine duale Thrombozytenaggregationshemmung mit ASS und Clopidogrel für drei bis sechs Monate erwogen werden.
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Autor
Dr. med. Mark Dankhoff ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Ernährungsmedizin, Diabetologische Grundversorgung, Hypertensiologie DHL, Adiposiologie DAG/AGA/DDG, Adipositas-Trainer AGA, Medizinischer Berater. Sein Schwerpunkt ist die Prävention und Therapie von kardiovaskulären Risikofaktoren und Erkrankungen. Seit 2021 ist er als Medical Advisor freiberuflich tätig. Dr. med. Mark Dankhoff ist Gründungsmitglied des „Im Puls. Think Tank Herz-Kreislauf e.V.“. [mehr]
Quellen
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit auf den Punkt gebracht. Springer Berlin, Heidelberg. 2024. - Autor: S. Regus - ISBN: 978-3-662-69409-1.
- Periphere Zirkulation. Autoren: U. Hoffmann, F. Tató - Publikation: H.E. Blum, D. Müller-Wieland (Hrsg.): Klinische Pathophysiologie, Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York, 11. Aufl., 2020. - ISBN: 9783132435964.
- Ambulante Früherkennung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit der Becken- und Beinarterien – Gefäß-Check der Beine. - Autoren: I. Kunstmann et al. - Publikation: Ärzteblatt Thüringen 2025.
- Pflege Heute. Elsevier Verlag GmbH, 7. Auflage, 2019. - Herausgeber: N. Menche - ISBN 13: 9783437267789.
- I Care Pflege. Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2. überarbeitete Auflage, 2020. - ISBN: 9783132418288.
- S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Herausgeber: Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. (DGA), 2024.

